Öffnung der Banken verschoben
Zypern kontrolliert den Kapitalverkehr

Das Hilfspaket für Zypern steht - doch die Aussichten bleiben unsicher. Nun öffnen die Banken doch später als geplant. Präsident Anastasiades will ein Chaos durch strengere Kontrollen verhindern.
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Nikosia/Brüssel/BerlinZyperns Banken öffnen nun doch nicht wie geplant am Dienstag. Die Zentralbank des Mittelmeerstaats teilte am Montagabend mit, alle Banken blieben bis einschließlich Mittwoch geschlossen. Erst am Donnerstagmorgen werden nun die ersten kleineren Geldinstitute wieder öffnen.

Ursprünglich sollten die meisten Banken am Dienstag wieder öffnen. Die Geldinstitute sind bereits aus Angst vor einem Ansturm der Kunden seit mehr als einer Woche geschlossen.

Nach der dramatischen Rettung Zyperns vor dem Staatsbankrott will Europa einen Ansturm auf die Banken verhindern. Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades kündigte am Montagabend Einschränkungen des Kapitalverkehrs an. Damit wolle die Zentralbank das Bankensystem der Inselrepublik schützen, sagte er in einer TV-Ansprache. Zunächst sollten am Dienstag nach zehn Tagen die ersten Banken wieder öffnen - allerdings nur die kleineren Geldhäuser. Jetzt ist auch diese Öffnung auf Mittwoch verschoben.

Die EU kündigte nach der Einigung mit Nikosia an, die sozialen Folgen der Krise auf der geteilten Mittelmeer-Insel abzufedern. Zypern droht mit der erzwungenen Banken-Schrumpfung ein langer Wirtschaftseinbruch. Die Märkte atmeten kurz auf, ehe Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem mit einer Aussage wieder für ein Abrutschen sorgte.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hob die Beteiligung von Großanlegern und Bank-Eigentümern am Rettungspaket als gerechte Lastenverteilung hervor. „Das gefundene Ergebnis ist richtig, und es nimmt auch die in die Verantwortung, die die Probleme mit verursacht haben.“ Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach von einer fairen Lösung: „Es bleibt ein schmerzlicher Weg für Zypern.“

Nach zehntägiger Schließung sollen auf Zypern zunächst nur die kleineren Genossenschaftsbanken und die drittgrößte Bank, die Hellenic Bank, wieder öffnen. Auch alle Filialen der ausländischen Banken, wie der griechischen Nationalbank und Alpha Bank werden die Schalter aufmachen. Die Bank of Cyprus und die Laiki Bank, deren Systeme noch „angepasst“ werden müssten, werden erst am Donnerstag wieder geöffnet, wie der zyprische Staatsrundfunk unter Berufung auf die Zentralbank am Montagabend berichtete.

Wie es weiter hieß, sollen bis Dienstag in Kooperation mit der Europäischen Zentralbank die Einschränkungen definiert werden, die für Kapitaltransfers der angeschlagenen Bank of Cyprus und der Laiki Bank gelten sollen. Die Laiki Bank soll in eine gute und eine Bad Bank geteilt werden. Unklar war zunächst ob und welche Einschränkungen für die Banken gelten werden. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

Erwartet wird, dass Kunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Mit den Einschränkungen soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr ganzes Geld abziehen.

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  • solange nicht der Staat in Form eines unabhängigen Organs mit Verfassungsrang wieder die Kontrolle über die Geldmenge von den privaten Unternehmen, den Banken, zurückerlangt. Wovon ich rede kann man sich hier mal anschauen, aus dem Mutterland des Kapitalismus:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7e/U.S._MZM_money_supply.png/800px-U.S._MZM_money_supply.png

  • Ein Diplom dient nicht einer Qualifikationsgarantie, sondern gerade mal dem Ego seines Inhabers.

    Es gibt nur einen Königsweg:
    Wer nach oben will, muss sich durch die Instanzen durcharbeiten und für höhere Weihen immer wieder mal gewählt werden müssen.

    Handelte die EU nach diesem Urgesetz, stünde sie nicht zuunterst aller erreichbaren Abgründe.

  • Genauso ist es. Allerdings existiert das Zinseszins-System seit Jahrtausenden. Es wäre per se nicht das Problem solange die Zinsen sich analog einerseits zum realwirtschaftlichen Wirtschaftswachstum und andererseits zur Geldmenge entwickeln würden. In diesem Fall könnten die Zinseszinsen stets erwirtschaftet werden (auch wenn sie per Definition zu keinem Zeitpunkt monetär existierten) wobei die Frage hier auftaucht, WER diese Zinsen einstreicht.

    Und da sind wir beim Problem: Im unserem heutigen Geldsystem hat der Staat keine Kontrolle mehr über die Herstellung des Geldes. Die Geschäftsbanken erschaffen das Geld. Die EZB hat kaum Möglichkeiten, diesen Prozess zu kontrollieren - sie ist ihrerseits mit dem mehr oder weniger direkten Ankauf von Staatsanleihen und Wertpapieren und damit dem Drucken von Geld beschäftigt, um das extrem labile System noch irgendwie zu stabilisieren und kann aus demselben Grund auch die Zinsen kaum noch erhöhen. Beides feuert das exponentielle Geldmengenwachstum weiter an.

    Dadurch dass die Geschäftsbanken fast alles Geld erschaffen, streichen diese auch die Seigniorage ein, und zwar sowohl die Gelderzeugungs-Seigniorage als auch die Zins-Seigniorage. Warum gehört der Geldschöpfungsgewinn nicht den Menschen, die in einem Staat leben, wo dieses Geld erschaffen wird. Es gibt keine plausible Antwort darauf !

    Die Geldmenge M3 wächst inzwischen exponentiell - wo geht das ganze Geld hin...? In globale Finanzmärkte und -produkte, die letztlich immer an die Realwirtschaft gekoppelt sind oder in Assets irgendwo auf dem Planeten - in beiden Fällen erzeugen sie Preisblasen – die Banken erschaffen immer noch mehr Geld um mitzuspekulieren. Irgendwann implodiert die Blase und Banken gehen in einer Domino-Dynamik reihenweise pleite und müssen auf Steuerzahlerkosten gerettet werden...oder/und M3 läuft über Giralgeld/M1 in die Konsumgütermärkte und die Inflation steigt dramatisch. Es wird nicht enden, solange nicht der Staat in Form eines unabhängigen Or

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