Öffnung der Banken verschoben Zypern kontrolliert den Kapitalverkehr

Das Hilfspaket für Zypern steht - doch die Aussichten bleiben unsicher. Nun öffnen die Banken doch später als geplant. Präsident Anastasiades will ein Chaos durch strengere Kontrollen verhindern.
Update: 25.03.2013 - 23:16 Uhr 15 Kommentare
Zyperns Präsident Nicos Anastasiades will den Kapitalverkehr einschränken. Quelle: Reuters

Zyperns Präsident Nicos Anastasiades will den Kapitalverkehr einschränken.

(Foto: Reuters)

Nikosia/Brüssel/BerlinZyperns Banken öffnen nun doch nicht wie geplant am Dienstag. Die Zentralbank des Mittelmeerstaats teilte am Montagabend mit, alle Banken blieben bis einschließlich Mittwoch geschlossen. Erst am Donnerstagmorgen werden nun die ersten kleineren Geldinstitute wieder öffnen.

Ursprünglich sollten die meisten Banken am Dienstag wieder öffnen. Die Geldinstitute sind bereits aus Angst vor einem Ansturm der Kunden seit mehr als einer Woche geschlossen.

Nach der dramatischen Rettung Zyperns vor dem Staatsbankrott will Europa einen Ansturm auf die Banken verhindern. Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades kündigte am Montagabend Einschränkungen des Kapitalverkehrs an. Damit wolle die Zentralbank das Bankensystem der Inselrepublik schützen, sagte er in einer TV-Ansprache. Zunächst sollten am Dienstag nach zehn Tagen die ersten Banken wieder öffnen - allerdings nur die kleineren Geldhäuser. Jetzt ist auch diese Öffnung auf Mittwoch verschoben.

Die EU kündigte nach der Einigung mit Nikosia an, die sozialen Folgen der Krise auf der geteilten Mittelmeer-Insel abzufedern. Zypern droht mit der erzwungenen Banken-Schrumpfung ein langer Wirtschaftseinbruch. Die Märkte atmeten kurz auf, ehe Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem mit einer Aussage wieder für ein Abrutschen sorgte.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hob die Beteiligung von Großanlegern und Bank-Eigentümern am Rettungspaket als gerechte Lastenverteilung hervor. „Das gefundene Ergebnis ist richtig, und es nimmt auch die in die Verantwortung, die die Probleme mit verursacht haben.“ Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach von einer fairen Lösung: „Es bleibt ein schmerzlicher Weg für Zypern.“

Nach zehntägiger Schließung sollen auf Zypern zunächst nur die kleineren Genossenschaftsbanken und die drittgrößte Bank, die Hellenic Bank, wieder öffnen. Auch alle Filialen der ausländischen Banken, wie der griechischen Nationalbank und Alpha Bank werden die Schalter aufmachen. Die Bank of Cyprus und die Laiki Bank, deren Systeme noch „angepasst“ werden müssten, werden erst am Donnerstag wieder geöffnet, wie der zyprische Staatsrundfunk unter Berufung auf die Zentralbank am Montagabend berichtete.

Wie es weiter hieß, sollen bis Dienstag in Kooperation mit der Europäischen Zentralbank die Einschränkungen definiert werden, die für Kapitaltransfers der angeschlagenen Bank of Cyprus und der Laiki Bank gelten sollen. Die Laiki Bank soll in eine gute und eine Bad Bank geteilt werden. Unklar war zunächst ob und welche Einschränkungen für die Banken gelten werden. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

Erwartet wird, dass Kunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Mit den Einschränkungen soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr ganzes Geld abziehen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Einlagen bis 100.000 Euro werden verschont
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Öffnung der Banken verschoben - Zypern kontrolliert den Kapitalverkehr

15 Kommentare zu "Öffnung der Banken verschoben: Zypern kontrolliert den Kapitalverkehr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • solange nicht der Staat in Form eines unabhängigen Organs mit Verfassungsrang wieder die Kontrolle über die Geldmenge von den privaten Unternehmen, den Banken, zurückerlangt. Wovon ich rede kann man sich hier mal anschauen, aus dem Mutterland des Kapitalismus:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7e/U.S._MZM_money_supply.png/800px-U.S._MZM_money_supply.png

  • Ein Diplom dient nicht einer Qualifikationsgarantie, sondern gerade mal dem Ego seines Inhabers.

    Es gibt nur einen Königsweg:
    Wer nach oben will, muss sich durch die Instanzen durcharbeiten und für höhere Weihen immer wieder mal gewählt werden müssen.

    Handelte die EU nach diesem Urgesetz, stünde sie nicht zuunterst aller erreichbaren Abgründe.

  • Genauso ist es. Allerdings existiert das Zinseszins-System seit Jahrtausenden. Es wäre per se nicht das Problem solange die Zinsen sich analog einerseits zum realwirtschaftlichen Wirtschaftswachstum und andererseits zur Geldmenge entwickeln würden. In diesem Fall könnten die Zinseszinsen stets erwirtschaftet werden (auch wenn sie per Definition zu keinem Zeitpunkt monetär existierten) wobei die Frage hier auftaucht, WER diese Zinsen einstreicht.

    Und da sind wir beim Problem: Im unserem heutigen Geldsystem hat der Staat keine Kontrolle mehr über die Herstellung des Geldes. Die Geschäftsbanken erschaffen das Geld. Die EZB hat kaum Möglichkeiten, diesen Prozess zu kontrollieren - sie ist ihrerseits mit dem mehr oder weniger direkten Ankauf von Staatsanleihen und Wertpapieren und damit dem Drucken von Geld beschäftigt, um das extrem labile System noch irgendwie zu stabilisieren und kann aus demselben Grund auch die Zinsen kaum noch erhöhen. Beides feuert das exponentielle Geldmengenwachstum weiter an.

    Dadurch dass die Geschäftsbanken fast alles Geld erschaffen, streichen diese auch die Seigniorage ein, und zwar sowohl die Gelderzeugungs-Seigniorage als auch die Zins-Seigniorage. Warum gehört der Geldschöpfungsgewinn nicht den Menschen, die in einem Staat leben, wo dieses Geld erschaffen wird. Es gibt keine plausible Antwort darauf !

    Die Geldmenge M3 wächst inzwischen exponentiell - wo geht das ganze Geld hin...? In globale Finanzmärkte und -produkte, die letztlich immer an die Realwirtschaft gekoppelt sind oder in Assets irgendwo auf dem Planeten - in beiden Fällen erzeugen sie Preisblasen – die Banken erschaffen immer noch mehr Geld um mitzuspekulieren. Irgendwann implodiert die Blase und Banken gehen in einer Domino-Dynamik reihenweise pleite und müssen auf Steuerzahlerkosten gerettet werden...oder/und M3 läuft über Giralgeld/M1 in die Konsumgütermärkte und die Inflation steigt dramatisch. Es wird nicht enden, solange nicht der Staat in Form eines unabhängigen Or

  • Die mangelnde Sachkenntnis u. Ausbildungsdefizit über wirtschaftliche Zusammenhänge bei Politikern in Bundesländern, Bundesregierung u. Oppositionsparteien in Deutschland, in der gesamten EU u. Brüssel sind die Probleme, die wir nicht nur engagiert, sondern ohne Ansehen von Personen angehen müssen.

    Wir brauchen eine Art von Eignungsprüfungen/Qualifikationsnachweise in Sachen freier Marktwirtschaft etc., wenn jemand Minister, Ministerpräsident, Bundeskanzler, EU-Ratspräsident, Eurogruppenchef etc. werden möchte.

    Es kann nicht angehen, dass Leute ohne tiefgreifendes betriebs-/volkswirtschaftliches Studium eine Führungsposition wie vorstehend übernimmt.

    Das bisherige Personalrekrutierung-Modell über Parteikarrieren bzw. Verwaltungsaufsteiger zum Minister, Ministerpräsident, Bundeskanzler, EU-Ratspräsident, Eurogruppenchef bringt kein ausreichend qualifiziertes Personal hervor.

    Der gelernte Sozialwissenschaftler Trittin wurde zum Umweltminister ernannt. In seiner Zeit als Umweltminister hätte er 7 Jahre Zeit gehabt,die Energiewende u. die Atomendlagerfrage zu lösen. Diesbezüglich hat der Sozialwissenschaftler Trittin nichts auf den Weg gebracht. Er wäre mit Sicherheit entsprechend seiner Ausbildung als Minister für Familie u. Soziales besser angesiedelt gewesen. Herr Trittin ist nur ein Beispiel von Politik-Seilschaften u.Fehlbesetzungen von Führungspositionen in Regierungsämtern.

    Dr. med. Rösler ist Wirtschaftsminister. Wo ist der Nachweis eines betriebswirtschaftlichen Studiums?

    Sie glauben doch nicht im Ernst, ein Wirtschaftsunternehmen wie Daimler, BMW, Siemens etc. würde einen Dr. med. als Konzernlenker engagieren. Partei-Seilschaften=Wirtschaftsminister.

    Die Kette politischer Fehlbesetzungen ist endlos/muss ein Ende finden, weil die wirtschaftlichen,finanzpolitischen Zusammenhänge incl.Verträge nur noch von ausgewiesenen Spezialisten mit tiefgreifenden Kenntnissen durchschaut werden können.

    Prof. Axel Weber fehlt Deutschland ganz extrem.

  • Hatte ich vor ein paar Minuten auch aus anderer Quelle erfahren. Das muss man sich `mal vorstellen. Die ganze "EURO-Administration" ist ein einziger unfähiger Verein von Wichtigtuern. Die sind nicht fähig, irgendetwas effizient zu regulieren. Engländer und Russen haben also ihre Guthaben abgezogen. Auf der Strecke geblieben sind Privatpersonen und kleine Geschäftsleute aus Zypern. Spaltpilz EURO!

  • ... und in dieses Loch schmeisst man noch 10 Mrd Euro für folgsames Benehmen nach.
    Würde hier nicht die Friedensidee EU verlocht, man müsste die führenden Deppen Europas zutiefst verhöhnen.

  • Wo sitzen die Täter und wo die Opfer?

    Zitat aus "Janda":

    "Zypern: Laut Reuters könnten Großkunden der Banken das Chaos um die Rettung des Landes ausgenutzt, und in großem Umfang Einlagen abgezogen haben. Die Bank of Cyprus und die Laiki Bank unterhalten jeweils Filialen in London, welche in den letzten Tagen keine Limits auf Abhebungen installiert hatten. Die Bank of Cyprus hält zusätzlich 80% an der russischen Uniastrum Bank, welche ebenfalls keine Limits aktiviert hatte." !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • >>Zypern kontrolliert den Kapitalverkehr<< Wirklich??


    Der überdimensionierte Bankensektor gilt als Hauptverursacher der Wirtschaftskrise der Insel. Finanzielle Dienstleistungen machen derzeit einen Anteil von 45 Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus, zusammen mit dem Tourismus sind es 70 Prozent der Wirtschaftsleistung. Rund 8500 Menschen arbeiten direkt in Zypern in der Finanzbranche, davon 3200 bei der größten Bank, der Bank of Cyprus, und 2300 bei dem zweitgrößten Institut, der Laiki-Bank.

    Die Geldhäuser der Insel kommen auf Einlagen von 68 Mrd. Euro, 38 Mrd. Euro davon liegen auf Konten mit einem Guthaben von mehr als 100.000 Euro - enorme Summen für ein Land mit nur 1,1 Mio. Einwohnern. Viele Gelder kommen aus dem Ausland, oft von reichen Russen oder Briten. Es liegt dabei in der Natur der Sache, dass nur grob geschätzt werden kann, wie hoch der Schwarzgeldanteil hier ist.


    Doch auch wenn die zyprische Notenbank vor einigen Tagen versicherte, dass der Zahlungsverkehr unterbrochen sei, wurden zuletzt ungewöhnlich hohe Kapitalabflüsse aus Nikosia verbucht.
    Beobachter argwöhnen, dass es sich hierbei nicht nur um die üblichen Ausnahmen, wie etwa Überweisungen für humanitäre Hilfen, handelt. Hier flieht das große Kapital.

  • PS:
    Damit sei nichts über das Zypriotische Staatswesen gesagt.
    Aber alles über die Europäische Vorgehensweise bei deren Machtausweitung.

  • Ich verstehe Sie, aber Sie denken zu kurz!

    Unterstellen wir, es gäbe den Euro in dieser Form nicht.

    Wo wäre der Wechselkurs der DM zu den übrigen Währungen?
    Wo wäre der Zins für deutsche Staatsanleihen?
    Wie hoch wäre die Arbeitslosigkeit?

    In vielem teile ich Ihre Ansicht, aber bei fachgerechter Antwort der obigen drei Fragen, kommen auch Sie zu der Aussage, dass der Euro zunächst einen positiven Effekt für Deutschland hat. Bei der Gesamtbetrachtung bin ich wieder bei Ihnen.

    Ich möchte noch einen Gedanken nachschieben und den halte ich für besonders verwerflich, den ich Herrn Schäuble zumute.

    Weshalb haben wir so niedrige Zinsen und welche Bedeutung hat das für die deutsche Staatsfinanzierung?

    Schäuble braucht doch nur das Krisengerede aufrecht zu erhalten und die EZB überschwemmt den Geldmarkt mit billigstem Geld. Zypern war ihm da nur recht.

    Eine derartige Denke, und die traue ich Schäuble zu, ist für mich unterste ethische und moralische Schublade und nimmt die wirtschaftliche Not einen ganzen Volkes in Kauf.

    Entweder man trennt sich von Leuten wie Schäuble oder die Bürger der heutigen EU sollten den Austritt erwägen. Es geht nicht mehr um die Bürger Zyperns, es ist nur eine Frage der Zeit bis der letzte EU-Bürger mit undemokratischen Mitteln geknechtet wird.

    Ich erinnere daran, dass uns deutschen die Abstimmung über die EU-Verfassung untersagt wurde. Unter demokratischen Gesichtspunkten ein Unding, für andere ein Zeichen der Diktatur.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%