Öko-Allianzen
Zweite Welle

Der Umweltschutz wird zum neuen Megathema. Wie Klimawandel und Rohstoffknappheit weltweit das politische und ökonomische Koordinatensystem verändern – und wie gut deutsche Unternehmen dafür gerüstet sind.
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DÜSSELDORF. Das Timing war perfekt. Kurz nach dem EU-Umweltgipfel und nur wenige Wochen nachdem die Vereinten Nationen mit ihrem Weltklimabericht die Öffentlichkeit geschockt hatten, präsentierte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am vergangenen Mittwoch ein eigenes Klimagutachten - und war damit sofort in aller Munde. Die unfrohe Botschaft: Der Klimawandel könnte die deutsche Wirtschaft bis 2050 fast 800 Milliarden Euro kosten, das jährliche Wachstum um bis zu 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen.

Die DIW-Studie ist ein weiterer Mosaikstein in der aufgeregten weltweiten Klimadebatte - und die nächsten Expertisen und Expertenrunden lassen nicht lange auf sich warten. Am 6. April präsentiert die UN den zweiten Teil ihres Klimaberichts, in dem es um die konkreten Folgen der Erderwärmung geht. Am 4. Mai folgt Teil drei, der sich mit möglichen Gegenstrategien beschäftigt. Ende Juni ist der Klimaschutz wichtigstes Thema beim G8-Gipfel in Heiligendamm. Und im Dezember findet in Indonesien der Weltklimagipfel statt, auf dem die Weltgemeinschaft ein Kyoto-Nachfolgeabkommen beschließen will.

Klima, Klima, Klima - Politik, Wirtschaft und Bürger haben ein neues Megathema gefunden. Angetrieben von unheilsschwangeren „Bild“-Schlagzeilen wie: „Wir haben noch 13 Jahre, um die Erde zu retten“, sind plötzlich alle grün. Die dramatischen Klimaprognosen und die wachsende Zahl von Unwetterkatastrophen wie jüngst Orkan Kyrill haben die Bundesbürger so sensibilisiert wie zuletzt der Atom-GAU im russischen Tschernobyl 1986 - und das politisch-gesellschaftliche Koordinatensystem verschoben. In der Rangfolge der wichtigsten Probleme ist der Umweltschutz, zuvor jahrelang unter "ferner liefen", 2006 wieder auf Platz zwei hinter der Arbeitslosigkeit geklettert, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid. 67 Prozent der Bürger fordern nun eine Vorreiterrolle Deutschlands im Klimaschutz - 2002 waren es nur 47 Prozent.

Ein temporärer Hype? Ist die umweltpolitische Betroffenheit der Bürger vielleicht nur ein weiteres Beispiel für typisch deutschen Alarmismus, eine Erregungswelle, die abschwillt, sobald die Benzinpreise sinken und länger als vier Wochen keine Wirbelstürme irgendwo in der Welt auftreten? Wohl kaum. Vieles spricht dafür, dass sich ein nachhaltiger Werte- und Bewusstseinswandel vollzieht - in Bevölkerung, Politik und Wirtschaft gleichermaßen.

Aufmerksam registrieren die Marketingstrategen der Unternehmen, dass sich die Verbraucher zunehmend ihrer ökologischen Marktmacht bewusst werden. 68 Prozent der Bürger glauben, dass sie durch ihr Kaufverhalten „wesentlich zum Umweltschutz beitragen“ können. 98 Prozent fordern mehr energiesparende Produkte von der Industrie. Die Zahl der Konsumenten, die „häufig“ oder „immer“ Bioprodukte kaufen, kletterte 2006 im Vergleich zu 2004 um acht Punkte auf 41 Prozent.

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