Ökonom Nicholas Stern
„Flüge und Schiffe fürs Klima besteuern“

Der Klimaökonom Nicholas Stern hat die Einführung einer CO2- Steuer für den weltweiten Schiffs- und Flugverkehr gefordert, um den Klimafonds für die Entwicklungsländer zu finanzieren. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten sollen seinen Vorschlag nächste Woche bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen vorantreiben.
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LONDON. Lord Stern, der ein Institut für Klimawirtschaft an der London School of Economics leitet, legte einen Bericht vor, der Klimaziele und Einsparungspläne neu formuliert: "Um eine 50:50 Chance zu haben, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken, müssen die weltweiten Emissionen von etwa 47 Mrd. Tonnen in 2010 auf 44 Mrd. in 2020 gesenkt werden." Dies seien zwei Mrd. Tonnen mehr als die bisher ehrgeizigsten Pläne.

Stern betonte, wie wichtig Fortschritte bei der Finanzierung von Klimamaßnahmen in den ärmeren Länder seien. Der von der EU und den G20 diskutierte 100-Mrd.-Dollar-Fonds ab 2020 reiche nicht. Schon in den nächsten Jahren würden zehn bis 15 Mrd. Dollar jährlich und bis 2015 jährlich rund 50 Mrd. Dollar gebraucht, um Ländern wie Afrika beim Übergang zu nachhaltigen Energien zu helfen. Mit einer Steuer auf Luft- und Schiffsverkehr könne eine "verlässliche, langfristige Finanzierungsstruktur" für die Entwicklungsländer entwickelt werden.

Zudem würde eine solche Steuer Anreize zu Emmissionssenkungen bieten und Umweltkosten reflektieren. Vor allem die USA könnten hier politische Anstöße geben. "Die reichen Länder können nicht glaubwürdig die immense Bedeutung und die entscheidende Rolle der Entwicklungsländer im Klimawandel hervorheben und dann behaupten, 50 Mrd. Dollar seien ungerechtfertigt und könnten nicht aufgebracht werden", warnte Stern.

Lord Stern bezeichnete den Gipfel in Kopenhagen als das "wichtigste internationale Treffen seit dem Zweiten Weltkrieg".

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Ökonom Nicholas Stern: „Flüge und Schiffe fürs Klima besteuern“"

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  • Dieser "Lord" Nicholas Stern ist die Sonne der Klimaschützer. Aus seiner "Feder" stammt der sog. Sternreport - 700 - Seiten was zu tun ist, um die Welt zu retten und wie man hiermit Geschäfte macht.
    Emissionshandel usw. alles zu Lasten der weltweiten
    bauern und bäuerinnen, heisst es wörtlich übersetzt.
    Was von ihm kommt - und er hat sich ja schon einen
    passenden Posten gesichert, ist mit größter Vorsicht
    zu "genießen". Die Afrikanische Union konnte u.a.
    vor diesem "englischen Ungeheuer" gewarnt werden, was auch zum Scheitern von Kopenhagen führte.

  • die schweiz wird mir immer sympatischer ! wegen ihrer volksabstimmungen und ihrer liberalen wirtschaftspolitik.
    eine solche besteuerung macht die schweiz über nacht zum größten flughafen der welt

  • Unvorstellbar und absurd diese idee.
    Man stelle sich vor, Äpfel kämen nicht mehr aus Neuseeland und Textilien nicht mehr aus Asien.
    Was soll dann werden? Man müsste wieder im eigenen Lande produzieren.
    Man müßte Äpfel aus Deutschland oder italien essen, anstatt sie wegzuschmeißen.
    Und die Menschen müßten wieder Textilien aus Europa nutzen.
    Zum Schluß wird der Joughurt nicht mehr aus Deutscher Milch in Griechenland gemacht, sondern hier. Ohne Transportwege von Tausenden Kilometern.

    Unvorstellbar in diesem System.

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