Ökonomen-Debatte
Jürgen Stark sieht schwarz für die Euro-Zone

Die Ideen der Euro-Retter stoßen bei Top-Ökonomen auf Ablehnung. Die Wirtschaftsweise Buch hält eine vertiefte Union für unrealistisch, der frühere EZB-Ökonom gibt der Euro-Zone in der aktuellen Form keine Chance mehr.
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BerlinDer frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, glaubt, dass die Euro-Zone nicht in ihrer bisherigen Form bestehen bleiben kann. "Ich sehe die Notwendigkeit einer Konsolidierung des Euro-Gebiets", sagte Stark dem „Manager Magazin“. Schwächere Staaten müssten die Währungsunion verlassen. Entscheidend sei, dass die deutsch-französische Achse halte. "Die Integration des Kerns darf nicht verloren gehen. Sonst bekommen wir ein politisches und ökonomisches Desaster historischen Ausmaßes."
Skeptisch zur Zukunft des gemeinsamen Währungsgebiets äußerte sich auch die Wirtschaftsweise Claudia Buch. Sie hält die Hoffnung vieler Politiker auf eine vertiefte „politische Union“ zur Lösung der Euro-Krise für unrealistisch. Stattdessen plädiert sie für eine Beibehaltung der nationalen Souveränität in Finanzfragen.

„Euro-Bonds im Rahmen einer politischen Union, also mit gemeinsamer Kontrolle und einer Abtretung fiskalischer Kompetenzen, wären langfristig theoretisch eine Alternative“, sagte Buch der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Dieser Weg sei aber „politisch nicht durchsetzbar“, warnte die Ökonomin, die seit März im Sachverständigenrat sitzt. „Denn Bedingung wäre, dass alle Staaten ihre Souveränität in elementaren Fragen wie dem Budgetrecht abgeben müssten. Bestimmte Steuern und Ausgaben würden von Brüssel bestimmt“, gab Buch zu bedenken.

Als realistischeren und besseren Weg sieht die Tübinger Professorin eine Rückkehr zu den Bestimmungen des Maastricht-Vertrages. Sie plädierte für die „Nicht-Beistandsklausel“ für fremde Schulden und die Beibehaltung der nationalen Souveränität in Finanzfragen. Um die Altschulden abzubauen, warb Buch für den Vorschlag eines „Schuldentilgungspaktes“ des Sachverständigenrats. Dieser wäre „eine begrenzte Vergemeinschaftung der Schulden, aber mit strikten Konditionen und Auflagen zur Tilgung“. Eine Bankenunion, wie sie auf dem jüngsten Brüsseler Gipfel beschlossen wurde, sei zwar sinnvoll. Sie werde aber wohl erst in Jahren kommen.

Die Langfristmaßnahmen helfen auch Euro-Wackelkandidaten wie Spanien nicht. Das Land soll 100 Milliarden Euro Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF für seine maroden Banken erhalten. Über die Hilfe stimmt der Bundestag morgen ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist optimistisch, dass die Parlamentarier das Hilfspaket abnicken werden. „Das, was ich an Signalen höre, stimmt mich optimistisch“, sagte Merkel.

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  • das hört sich gut an... ach wäre das schön!

  • Ergänzung: dauerhaft kostet; und vor allem von wem dies genommen werden soll

  • Die Mauscheleien standen im EU-Kommissionsbericht, wer diese ignoriert hat und letztendlich den Beitritt Griechenlands erst ermöglicht hat war unser unverbesserlicher Ober-Lehrer Hans Eichel.
    (aus ARD-Doku: Die Euro-Lüge)
    Der damalige LZB-Chef von Hessen hat den Beitritt von Griechenland öffentlich kritisiert und wurde daraufhin von Eichel aufs Schärfste mundtot gemacht.

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