Während am Samstag erneut hunderttausende Franzosen gegen die Arbeitsmarktreform von Premierminister Dominique de Villepin demonstrierten, zweifeln Ökonomen an der Wirksamkeit der umstrittenen Reform. Ihre Kritik: Der Regierungschef betreibt mit der Einführung neuer Arbeitsverträge nur Stückwerk.
Arbeitsmarkt: Ökonomen fordern in Frankreich schärfere Reformen
In Frankreich hat die Regierung zwei neue Formen für Arbeitsverträgen geschaffen: Der CNE (contrat nouveau embauche) dehnt die Probezeit auf zwei Jahre aus und darf von Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern abgeschlossen werden. Der neue CPE (contrat première embauche) führt eine zweijährige Probezeit für Arbeitnehmer ein, die jünger als 26 Jahre sind. Protestiert wird vor allem gegen den CPE.
Nachvollziehbar seien die Proteste – aber in der Sache nicht gerechtfertigt, meint Hilmar Schneider, Direktor Arbeitsmarktpolitik des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Die Flexibilisierung eines so hoch regulierten Arbeitsmarktes sei dringend nötig. „Die Franzosen haben großen Handlungsbedarf.“ Die Ausweitung der Probezeit sei aber nur die „zweitbeste Lösung“, urteilt Thomas Mayer, Europa-Chefökonom der Deutschen Bank. Besser wäre es, den Kündigungsschutz insgesamt zu lockern.
Besser als Stillstand seien die von Frankreich beschlossenen Flexibilisierungsschritte aber allemal, sagt Mayer. Das hätten die Protestierenden offenbar aber nicht verstanden, meint der Chefvolkswirt: „Die Proteste zeigen deutlich, wie unterbelichtet die Kontinentaleuropäer in ökonomischen Fragen sind.“ Denn: „Je flexibler der Arbeitsmarkt wird, umso größer werden die Chancen der Studenten, einen Job zu bekommen.“
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