Ökonomen üben Kritik
Meinungsmächtige Klima-Institutionen

Intergovernmental Panel on Climate Change ist der Hauptakteur im politischen Streit um die Deutung des Klimawandels. Um die Weltöffentlichkeit wachzurütteln, malt die Klimaschutz-Organisationen das ein oder andere Untergangsszenario an die Wand – und andere Institutionen folgen ihr. Ökonomen kritisieren diesen Alarmismus in der klimapolitischen Debatte.

BERLIN.Die Gefahr war groß. Nur der mächtigste Mann der Welt konnte sie noch bannen. Die Manager des Erdölmultis Exxon Mobil wandten sich per Fax direkt an das Weiße Haus, um den Präsidenten um Unterstützung zu bitten. Es ging um die Besetzung des wichtigsten Postens in der Klimaforschung. Robert Watson sollte nicht länger Chef des Intergovernmental Panel On Climate Change (IPCC) bleiben, darüber war man sich bei Exxon einig. Watson ist in den Augen der Manager der Motor einer völlig überzogenen und tendenziell wirtschaftsfeindlichen Klimaschutzdebatte. Die US-Regierung möge daher doch bitteschön für Watsons Ablösung sorgen, so der Wunsch des Ölkonzerns. Tatsächlich wurde Watson im April 2002 abgewählt. Ihm folgte Rajendra Pachauri. Aber die Rechnung der Öl-Manager ging nicht auf. Pachauri ist alles andere als ein Verharmloser und an politischem Einfluss hat das IPCC keinen Deut verloren.

Das von 170 Staaten der Erde getragene IPCC, 1988 aus der Taufe gehoben von der World Meteorological Organization (WMO) und der Umweltbehörde Unep der Vereinten Nationen, ist sehr klein und sehr mächtig. Seine Kritiker nennen es die „Glaubenskongregation der Klimaforschung“ – was Spott und Respekt zugleich zeigt. Das IPCC verbindet neueste Erkenntnisse der Klimaforschung und stellt daraus seine viel beachteten – und gefürchteten – Reports zusammen.

Das IPCC hat eine beachtliche Reihe von Weltuntergangsszenarien entworfen. Wer die Dogmen der in Genf beheimateten Organisation in Zweifel stellt, wird von der Klimaforscherbranche in Acht und Bann geschlagen. Die Szene mag es nicht, wenn schlicht zu einem sachlichen Umgang mit dem Thema Klimawandel aufgerufen wird. „Wer Ansätze diskutiert, wie gesellschaftlich mit dem Klimawandel umzugehen ist, gilt sehr schnell als Zweifler oder sogar als Abtrünniger und wird ausgegrenzt“, sagt Guido Schröder, Ökonom an der Universität Bayreuth. In der Klimaforschung gebe es viele Wissenschaftler, die überzeugt seien, „die Welt retten zu müssen. Die Debatte gewinnt daher oft quasi-religiöse Züge“, sagt Schröder.

Ähnlich sieht es Hans von Storch, Klimaforscher am GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht: „Wir können den Klimawandel nicht mehr ganz vermeiden. Es muss erlaubt sein, darüber nachzudenken, wie wir die Auswirkungen handhabbar machen. Mit anderen Worten: Wir müssen über die Konsequenzen reden. Leider ist das verpönt. In der öffentlichen Diskussion gilt es als Defätismus oder Sabotage, wenn man einen pragmatischen Umgang mit den Folgen des Klimawandels anmahnt. Das wird als Behinderung des ethisch einzig richtigen Weges gesehen. Ich finde das unverantwortlich.“

Wirtschaftskreise sorgen sich vor allem um die Kostenseite des Themas: „Die Meinungsführer in der Debatte wollen Klimaschutz mit allen Mitteln – egal, was das kostet. Fragen der Wirtschaftlichkeit werden gar nicht erst aufgeworfen“, heißt es in einem Wirtschaftsverband. Guido Schröder begrüßt daher, dass sich zunehmend Ökonomen mit dem Thema befassen. Es müsse „zur Selbstverständlichkeit werden, den Klimaschutz auch unter dem Gesichtspunkt von gesellschaftlichen Nutzen und Kosten zu betrachten.“

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