Ökonomen warnen
Der Euro-Zone droht der Rating-GAU

Europa steuert auf ein Fiasko zu, wenn wahr wird, was Ökonomen befürchten. Sowohl Frankreich als auch Deutschland könnten ins Visier der Ratingagenturen geraten. Eine Abstufung könnte die Euro-Zone zum Wackeln bringen.
  • 50

DüsseldorfEs klingt wie aus einem schlechten Film: Die Euro-Retter arbeiten bis zu Erschöpfung an Konzepten zur Lösung der Schuldenkrise ihrer Partner-Länder und vergessen dabei am Ende, sich selbst zu retten bzw. krisenfest zu machen. Gewonnen hätte dadurch am Ende niemand etwas, alle würden verlieren – und die Euro-Zone stünde vor ihrem Zerfall. Dieses Szenario will kein Politiker laut denken. Unter Ökonomen wird die Gefahr jedoch als real gesehen.

Das liegt nicht nur daran daran, dass die die europäischen Staaten, selbst die Kernländer der Euro-Zone wie Deutschland und Frankreich, bis über die Halskrause verschuldet sind. Das liegt auch daran, dass die meisten weltumspannenden Banken nach Auffassung der Ratingagentur Fitch nicht krisenresistent genug sind. Die Nummer drei unter den Bonitätswächtern droht daher sieben der größten Investmentbanken - darunter auch der Deutschen Bank - mit einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Die Agentur moniert, dass die Institute wegen ihrer großen Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft zu sehr in Mitleidenschaft von den Schwankungen an den Märkten gezogen würden, die etwa durch die Schuldenkrise entstehen. „Zudem ist es wegen der Komplexität ihrer Geschäftsmodelle und der Anfälligkeit für Klumpenrisiken schwer zu durchschauen, wie hoch ihre Verluste wären, die sich bei unerwarteten Ereignissen schnell anhäufen könnten“, rügte Fitch.

Und daraus könnten sich auch neue finanzielle Belastungen für die Staaten ergeben, wenn sie als Bankenretter auf den Plan treten müssten.

Die Chefvolkswirte von Commerzbank und Barclays Capital Deutschland, Jörg Krämer und Thorsten Polleit, sehen das so. Sie rechnen angesichts drohender staatlicher Stützungsmaßnahmen für hoch verschuldete Länder wie Griechenland sowie möglicher neuer Hilfen für den heimischen Bankensektor fest damit, dass beispielsweise Frankreich seine Top-Kreditwürdigkeit verlieren wird. „Ein neues Rettungspaket für die Schuldenländer im Süden der Währungsunion wird auch die französischen Staatsfinanzen belasten“, sagte Krämer Handelsblatt Online. Er sehe daher die Gefahr, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s die Bonitätsnote Frankreichs bereits in den kommenden Wochen mit einem negativen Ausblick versieht.

„Im kommenden Jahr könnte dann die Bestnote von AAA endgültig fallen“, sagte Krämer weiter. Zum einen werde das Wirtschaftswachstum „deutlich“ nachlassen. „Zum anderen dürften die Politiker wegen des Präsidentenwahlkampfs zögern, Steuern zu erhöhen oder Ausgaben zu senken.“

Auch für Barclays-Chefökonom Polleit ist die Gefahr, dass Frankreich sein AAA-Rating verliert, nicht von der Hand zu weisen. „Die Probleme der heimischen Banken können zu massiven zusätzlichen Belastungen für die Finanzlage des französischen Staates werden“, sagte Polleit Handelsblatt Online. Und die Haushaltslage der Franzosen sei bereits alles andere als vertrauenerweckend.

Ähnlich äußerte sich der Forschungsdirektor für Internationale Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Ansgar Belke. Die gängigen Schätzungen des zusätzlichen Kapitalbedarfs der gerade herab gestuften BNP Paribas, der Société Générale und der Crédit Agricole in Höhe von bis zu 20 Milliarden Euro rechtfertigten für sich genommen zwar noch keinen AAA-Verlust für Frankreich.

Es könne aber dann kritisch werden, wenn die Nachfrage nach zusätzlichem Kapital durch fundamental ungerechtfertigte Markterwartungen getrieben würden, etwa das in Spanien und Italien wie in Griechenland eine Staateninsolvenz bevorstehe, sagte Belke Handelsblatt Online. „Eine übermäßig hohe staatliche Mittelbereitstellung für die Rekapitalisierung der französischen Banken liefe deutlich den Bemühungen der französischen Regierung zuwider, das französische Budgetdefizit und die nächstes Jahr fast 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragende Staatsverschuldung abzubauen“, sagte der DIW-Experte.

Wenn Frankreich aber nicht binnen der nächsten fünf Jahre sein Budgetdefizit ausgleicht, werde es wohl endgültig sein AAA-Rating verlieren. „Zudem könnten zu stark ansteigende Eigenkapitalaufstockungen bei den Banken die fragile Konjunkturlage in Frankreich zum Kippen bringen“, warnte Belke. „Denn es würden weniger Kredite für französische Unternehmen zur Verfügung stehen, die zu 70 Prozent bei ihrer Finanzierung auf Bankkredite angewiesen sind.“

Kommentare zu " Ökonomen warnen: Der Euro-Zone droht der Rating-GAU"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Popper

    Ihnen bleibt es unbenommen, trotz D- Rating dem Staat zu 2,5 % p.a. auf zehn Jahre Geld zu leihen!

    Ich würde mir eher die Hand abhacken als das zu tun!

  • Dr. Norbert Leineweber zur Euro-Krise
    Wenn man sich die Stimmung im Land ansieht ist diese primär gegen die Ratingagenturen gerichtet. Es wird der Eindruck einer Verschwörung erweckt, der grob falsch ist.
    Das Rating wird schlecht, wenn die Überschuldung eines Landes zunimmt. Genau genommen sind die Ratingagenturen mindestens 5 Jahre "behind the curve." Sie habne viel zu spät reagiert. Die Abstufungen, wie sie jetzt kommen, hätten schon vor dem Aufschwung bis 2007 kommen müssen, weil absehbar war, dass beim nächsten Abschwung die Verschuldung aus dem Ruder läuft. Dass Lehmann das verschärft hat ist sekundär, wenn man sich mittelfristig die Schuldenquoten ansieht. Allein die Tatsache, dass es nicht geglückt ist im letzten Boom die Schuldenquoten zu senken hätte allen zu denken geben müssen, weil es dann nur noch schlimmer kommen kann. Aber das Schulden machen ging munter weiter, ohne dass Juncker oder Barroso eingeschritten wären. Die Ratingagenturen haben die Warnzeichen ignoriert, statt Italien schon rechtzeitig die Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Alleiniger Auslöser ist das gnadenlose Leben über die Verhältnisse. Dass Ratingagenturen das leider erst ex post und nicht ex ante bestrafen können ist ein Fehler im System. Hätten sie rechtzeitig Alarm geschlagen, wären sie erst recht der Panikmache bezichtigt worden. Und soweit es die Banken angeht liegt der Hund bei der Bafin begraben. Unter dem Strich haben allein die politiscvh-ökonomischen Eliten versagt. Niemand sonst. Europa wird und wurde jämmerlich regiert, jetzt wird nur die Quittung dafür präsentiert. Alle Andere ist Unfug.

  • ... im grunde ist das krieg
    was die politer mit uns ohnmächtigen machen,
    das ist krieg
    eine Vermögensvernichtung,
    eine Wohlstandsminderung (nett ausgedrückt, oder?)
    wie im Krieg
    nur sie sitzen weiterhin an wohlgedeckten tischen
    es sind kriegsverbrecher, die uns regieren

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%