
BERLIN/DÜSSELDORF. Denn Griechenland hat sich die Hilfe hart erkauft: Bis Ende 2014 muss es die staatliche Finanzsituation durch höhere Einnahmen und niedrigere Ausgaben um 30 Mrd. Euro verbessern. Das entspricht 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das besagt das Spar-Diktat vom vergangenen Wochenende. Hinzu kommen Einsparungen von rund sechs Prozent des BIP, die die Regierung bereits angekündigt und zum Teil auch schon umgesetzt hat. Doch ein solch drastisches Sparprogramm hat der IWF selbst in den umstrittensten Phasen seiner Geschichte noch keinem Land verordnet. Unklar ist, ob eine Demokratie überhaupt von außen erzwungene Sparauflagen dieser Größenordnung erfüllen kann.
Unter namhaften Ökonomen wachsen daher die Zweifel, ob die Sparauflagen überhaupt zu erfüllen sind. „Einen solchen Kraftakt hat noch kein Land geschafft“, warnt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. „Die Sparanstrengungen der Griechen sind die härtesten, an die ich mich erinnern kann“, sagt auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. „Wir bleiben unsicher über die Fähigkeit der griechischen Regierung, die Vorgaben zu erfüllen, und über die Fähigkeit der Wirtschaft, diese große fiskalische Anpassung auszuhalten“, mahnt Jürgen Michels von der Citigroup. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, sagt, selbst wenn die Griechen das Programm umsetzten, wäre damit das Gegenteil dessen erreicht, was beabsichtigt ist. Das Sparprogramm werde die Griechen „in eine arge Rezession oder sogar in eine Depression“ treiben.
Auch Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), meldet deutliche Zweifel an den Sparplänen der Griechen an. Er glaubt nicht, dass sie ihre Ziele erreichen werden. "Ich halte dies für nahezu ausgeschlossen, und es ist auch auf so kurze Sicht nicht nötig", sagte Horn Handelsblatt Online. "Das einzige, was man mit so einem drastischen Sparkurs erreicht, ist Griechenlands Absturz in eine tiefe Rezession, was letztlich auch zu wesentlich niedrigeren Steuereinnahmen führt." Das Sparpaket sei letztlich "nur ein Kotau vor den Finanzmärkten, ökonomisch aber ist es problematisch."
Aus Sicht Horns wäre es für Griechenland besser gewesen, die Steuern ausschließlich für höhere Einkommen zu erhöhen und Ausgabenstreichungen primär im Subventionsbereich durchzuführen. "Dies würde die Belastungen und damit den Absturz begrenzen", erläuterte der IMK-Chef. "Wenn dann die übrigen Länder des Euroraums über eine adäquate Konjunkturpolitik Griechenland verbesserte Exportchancen geben würden, wäre die Chance für eine Genesung höher."
"Griechenland muss sehr schnell umfangreiche Anpassungen auf dem Fiskalsektor vornehmen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft erhöhen", sagt demgegenüber Deutsche-Bank-Chefökonom Mayer. Nicht nur im öffentlichen Dienst müssten die Löhne sinken, sondern auch im Privatsektor, um Griechenland als Urlaubsziel attraktiver zu machen.
Heinrich brüning ( deutscher Reichskanzler v. 1930-1932) und seine Gesetze lassen herzlich grüßen. Wie es ausging, ist ja wohl bekannt!
Eigentlich sollten unsere Starökonomen einschl. iWF mal eine richtige Runde auf "Maos Rübenfelden" drehen. Vielleicht kehrt dann Leuterung ein.
Deutschland hat Jahrhunderte gebraucht, um das zu sein, was von den Griechen in drei Jahren verlangt wird.
bei soviel ökonomischer inkompetenz kann man nur noch von Sinnen sein.
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