Ökonomen zum Euro-Rettungspaket „Schuldenkrise nicht gelöst“

Seite 2 von 2:
Ackermann findet Einigung befriedigend

Die Beschlüsse des Euro-Gipfels stießen bei Politik und Banken auf Zustimmung. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann äußerte sich zufrieden über den Schuldenerlass für Griechenland. Im Interesse Europas sei ein befriedigendes Ergebnis erzielt worden. Ackermann ist Präsident des Internationalen Bankenverbandes IIF. Dessen Geschäftsführer Charles Dallara hatte die Verhandlungen in Brüssel geführt und erklärte anschließend, der Verband begrüße die Ankündigung der Euro-Staaten, das Bankensystem zu stärken und die griechischen Reformanstrengungen zu unterstützen.

Welche Banken brauchen Milliarden?

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte, mit diesen Plänen sei die Schuldenlast tragfähig für sein Land. Die IWF-Vorsitzende Christine Lagarde sagte, sie werde dem Direktorium des Währungsfonds nun die Freigabe der nächsten Hilfszahlung für Griechenland empfehlen. Weltbankpräsident Robert Zoellick sagte, mit den Brüsseler Beschlüssen habe man Zeit gewonnen. Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatschef Nicols Sarkozy zeigten sich zufrieden mit dem Gipfel. Merkel sagte am frühen Morgen in Brüssel, man habe das Richtige für die Eurozone getan. Sarkozy betonte, alle Staaten hätten auf mutige Entscheidungen gewartet.

Deutsche-Bank-Analyst Nicolaus Heinen fürchtet, dass die Beschlüsse am Ende als Mogelpackung gesehen werden könnten. Auch, wenn immer wieder betont werde, dass die Freiwilligkeit der Gläubigerbeteiligung im Falle Griechenlands ein Einzelfall sei, liege nahe, dass sich Ähnliches bei anderen Ländern wiederholen könnte. „Problematisch ist, dass der Hebel der EFSF als eine Art Kreditausfallsversicherung gestaltet ist“, warnte Heinen. „Diese greift jedoch nicht bei einer freiwilligen Gläubigerbeteiligung.“ Inwiefern dies tatsächlich für Vertrauen sorgen solle, bleibe daher fraglich.

Als „sicherlich ehrenwert“ bezeichnete Heinen, dass ein Großteil der Gipfel-Abschlusserklärung neue Möglichkeiten der wirtschaftspolitischen Koordinierung zwischen den Euro-Ländern behandle. Doch gleichzeitig behandele das Dokument Italien in mehreren Absätzen ausführlich - eine Folge des immensen Drucks der Staats- und Regierungschefs auf Premier Silvio Berlusconi. Das zeige, dass die neuen wirtschaftspolitischen Steuerungsinstrumente, wenn hart auf hart komme, wohl „noch immer keinen Biss haben“. Nationale Politik bewege sich weiterhin „nur über bilateralen Druck, der natürlich über Ratings und Markteinschätzungen verstärkt wird“, so Heinen.

Vor verfrühter Euphorie warnt auch der Chefvolkswirt der Schweizer Privatbank Julius Bär, Janwillem Acket. „Die Euro-Zone bleibt eine Riesenbaustelle, an der an vielen Ecken und Enden noch gewerkelt werden muss. Die Lage bleibt ernst“, sagt Acket in einer ersten Analyse der Gipfelbeschlüsse. Si liege der Schuldenschnitt von 50 Prozent für Griechenland eher an der unteren Grenze. „Wir haben eher für 70 Prozent plädiert“, sagte der Ökonom. Entsprechend sei die Rekapitalisierung der Banken mit 106 Milliarden eher niedrig gehalten. Beides hänge zusammen.

Das Geld für die Rekapitalisierung solle von privaten Geldgebern kommen, erläuterte Julius-Bär-Chefökonom Acket weiter. „Das heißt im Grund genommen, dass einige Banken im kommenden Jahr auf Dividenden verzichten müssen.“ Auch könnte das nach Ackets Einschätzung zu Fusionen und Zusammenschlüssen führen. „Beides ist bei den Banken sehr unbeliebt“, gibt er zu bedenken. Allerdings habe sich die deutsche Linie hier durchgesetzt. Das bedeute, dass nicht die EZB die Banken heraushauen müsse, sondern zuerst private Geldgeber und danach die Nationalstaaten in der Pflicht seien.

  • dne
  • rtr
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Ökonomen zum Euro-Rettungspaket - „Schuldenkrise nicht gelöst“

52 Kommentare zu "Ökonomen zum Euro-Rettungspaket: „Schuldenkrise nicht gelöst“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Natürlich ist sie nicht gelöst. Es werden ja immer weiter, immer größere Schulden gemacht. Schulden werden mit Schulden getilgt. Das ganze ist ein Raub am Ersparten des Bürgers. Hoch- und Landesverrat.
    Ist irgendwo eine Schulduhr in Europa, die gestoppt ist? Nein, sie explodieren förmlich nach oben.

  • Zuerst geht man einen Schritt, und dann sieht man, wie der Schritt gegangen ist.
    Und dann sieht man weiter.
    In Anbetracht der aufgelaufenen Komplexität das Beste was man tun kann.


  • Der nächste Schuldenschnitt Gr. in 6 Jahren? Mag sein, dass Griechenland jetzt 150 Mrd. erlassen werden, bei einem Haushaltsdefizit von 25 Mrd. haben wir in 6 Jahren also wieder dieselbe Situation wie heute...
    Auch wenn diese Zahlen gerundet sind, zeigen sie doch, dass hier überhaupt kein Problem gelöst wurde.

  • Was ist denn ein "lieber" Handelsblatt- Leser?

    pls define

  • Welche Hintertüren, verdammt noch mal?! Ich sehe da nur noch Löcher: schwarze Löcher.

  • Liebe Handelsblatt-Leser,

    die ganze Mogelpackung ist deshalb so schwammig, weil man sich für alle Fälle noch weitere Hintertüren offen halten will.

    Wie das ganze konkret aussieht wissen selbst die Entscheider nicht, da die ganze Architektur erst bei ersten Erschütterungen auf die Probe gestellt werden und dann wird gesehen wie man das schwammige 5-Seiten Dokument (mehr ist es wahrscheinlich nicht!) mit konkreten Handlungen zum Leben erwecken kann. Stellen Sie sich vor das die Zukunft von Millionen in einem nächtlichen Verhandlungsmarathon so fahrlässig aufs Spiel gesetzt wird. Da sind wahrscheinlich noch mehr Emotionen im Spiel als Staatsräson. Festzuhalten bleibt 50% Schuldenschnitt Griechenlands (aber konkret, müssen nun alle Fonds,Lebensversicherungen mit griechischen Anleihen im Portfolio einen Cut von 50% einpreisen).

    Wie bereits ein Fussballlehrer meinte, "die Wahrheit ist auf dem Platz".

    Der andere Aspekt ist der Hebel. Seit 3 Jahren sagen alle Derivate sind Massenvernichtungswaffen und da fangen die piromanen Politiker an sich in diesem verwerflichen Jargon auszudrücken, statt einfach zu sagen, dass man einen Garantierahmen als "lender of last resort" bis XY gibt.

    Diese Hybris wird uns spätestens dann einholen, wenn wir Inflation oder einfach den Glauben in eine erodierte Währung verloren haben und uns direkt mit Kartoffeln auszahlen lassen.

    Es geht hier nicht um Schwartzmalerei aber darum unser Währungssystem grundlegend zu verändern und auf LETS oder anderes umzustellen, da die Leute die die Verantwortung getragen haben (damit sind die Banken gemeint, ganz klar) nicht mit der Verantwortung umgehen können, weil die Gier immer stärker sein wird als die reale Wirtschaftsvernunft.

    Nichts gegen die Redaktion aber mein Artikel ist klarer als 100 Artikel hier zusammengenommen. Mehr Transparenz täte dem Blatt gut. Danke

  • Imao ist das ja keine Lösung.
    Indes ein weiterer wertvoller Beitrag, das,wie Robert Schumann bereits gesagt hatte, wichtige Projekt Europa voranzubringen.

    Erinnern wir uns: der griechischen Sage zufolge soll Zeus Europa als Stier erschienen sein, die sich auf seinen Rücken gesetzt haben soll, um sich zu erfreuen.

    Zeus war aber auch ein Schleckermaul - rofl.

    Erfreuen wir uns - bis zum nächsten Prob^^.

    Weder Zeus noch Europa sollen, Poiesis, der Sage zufolge je darüber geredet haben^^.

  • Der Rettungsschirm macht den Eindruck, dass er handwerklich schlecht zusammen geschraubt, besser geschustert ist. Er riecht nach Maastrich- und Wiedervereinigungsvertrag.

    Vielleicht wäre Frau Merkel gut beraten die Lobbygruppen vor die Tür zu setzen und ihre Beamten beratungstechnisch in die Pflicht zu nehmen.

  • Liebe Handelsblatt Blogger,
    also ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum die meisten von euch - von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen - jetzt schon wieder rummaulen und eine miesepetrige Stimmung verbreiten. Es ist doch - endlich wieder - alles Spitze. Wir haben alle Geld wie Heu, also ich zwar nicht aber ihr und die Banken und die Staaten und die Märkte und überhaupt sonst alle, und es geht wieder richtig voran. Kaum nimmt man mal ein Billiönchen oder so in die Hand, schon brummt der Laden wieder. Ja warum denn nicht gleich so, frage ich mich da als Wirtschaftslaie? Da werden gleich noch die Renten erhöht, die Steuern gesenkt und die US-Wirtschaft wächst um 2,5% - an einem Tag! Kein Wunder tanzen die Märkte dazu die Tarantella. Ich sehe den Dax bei 8.000, den Dow bei 15.000, Gold bei 2.000,-$/Oz. noch vor Weihnachten. Was für glorreiche Zeiten! Da wünsche ich nur Frohes Fest.
    P.S. Was mich nur am Rande interessieren würde: gibt es da draußen eigentlich noch jemanden wie mich, der sich nicht alle zwei Jahre einen neuen Cayenne kauft, kein Rentenhäuschen in guter Mietlage besitzt und an der Börse richtig Mäuse macht; der sich täglich abrackert, um dann gerade so schlecht und recht über die Runden zu kommen? Bitte melde dich! Du weißt ja: geteiltes Leid ist halbes Leid.
    Oder kann mir jemand einen Tipp geben, wie auch ich von dem allgemeinen Geldsegen profitieren kann. Ich habe es heute schon fleißig mit Ärmel schütteln probiert. Aber bei mir kam nichts. Nicht mal ein Milliönchen, einfach nichts, gar nichts. Ich mache da bestimmt irgend etwas falsch.
    Also fröhlich weiterfeiern und weniger meckern
    euer Mike

  • Ich würde ja auch freiwillig auf etwas verzichten, wenn mir die Politiker im Hinterzimmer versprechen alles wieder auszugleichen, was mittel- bis langfristig leider unmöglich ist. Aber Leute wie du werden dies (langfristig) besonders zu spüren bekommen.

    Außerdem bezahlt die Kanzlerin (nicht mit ihrem, dafür jedoch mit Ihrem Geld!) ja auch über eine Million Euro für die Geburtstagsparties von Leuten wie zum Beispiel "Josef Ackermann", der ja leider nur etwas über fünfzehn Millionen Euro Jahressalär erhält.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%