Ökonomische Entwicklung: Gazas Wirtschaft steht vor dem Kollaps

Ökonomische Entwicklung
Gazas Wirtschaft steht vor dem Kollaps

Die seit über zwei Wochen andauernden Angriffe auf Gaza fordern nicht nur einen hohen humanitären, sondern auch einen ökonomischen Preis. Ein Wiederaufbau der ohnehin am Boden liegenden Wirtschaft wird nach Ansicht von Experten Jahre in Anspruch nehmen. Chancen auf wirtschaftliche Entwicklung hat Gaza nur, wenn Israel seine Grenzen öffnet.

TEL AVIV. Mehr als Zehntausend Wohnungen und über 1 000 Regierungsgebäude seien zerstört worden, schätzt der palästinensische Ökonom Omar Shaban. Der Wiederaufbau im Gazastreifen werde zwei bis drei Mrd. Dollar kosten. Gravierend sind auch die Verwüstungen bei der Infrastruktur. Drei Viertel der Wasserleitungen sowie ein großer Teil des Telefonnetzes seien beschädigt, ebenso weite Teile der Stromversorgung, sagt Shaban von der Nichtregierungsorganisation "PAL Think for Strategic Studies" in Gaza.

Bereits vor dem Beginn der Angriffe war Gaza ein armseliger Flecken; die Wirtschaft lag am Boden. Wegen der lang anhaltenden Abriegelung des Gazastreifens fehlte es an Rohstoffen, was zum Kollaps der Wirtschaft führte. Zudem war die Landwirtschaft nicht in der Lage, ihre Verpflichtungen gegenüber europäischen Kunden zu erfüllen, weil die Grenzen geschlossen waren. 98 Prozent der Industriebetriebe stünden still, schätzte im Sommer die Weltbank.

In den vergangenen Tagen machte auch ein großer Teil der restlichen zwei Prozent dicht - zum Beispiel Bäckereibetriebe, weil sie keinen Strom mehr erhalten. Getroffen wird Gaza auch durch den Ausfall der Exporte. Die Blumen-, Gemüse- und Erdbeerenausfuhren hätte in dieser Saison Hochkonjunktur. "Doch der Krieg führt in diesem Jahr zu einem Verlust von 20 Mio. Euro", sagt Shaban.

Es wird Jahre dauern, sagen palästinensische Ökonomen, bevor das armselige Niveau der Wirtschaft wieder hergestellt - vor allem, bis die Infrastruktur wieder aufgebaut sein wird. Neben einem Marshall-Plan für Gaza, den sie fordern, müsse die Regierung den privaten Sektor wieder dazu bringen, in die Wirtschaft zu investieren. Nach den Verwüstungen der israelischen Streitkräfte rechnet Shaban jedoch mit einer schwierigen Anlaufzeit.

Nur eine Region erlebte im Gazastreifen in den vergangenen Monaten vor den Angriffen einen Boom: Rafah, das Grenzgebiet zu Ägypten. Es profitierte von den Schmugglertunnels, die den Sinai mit Gaza verbinden und für ganz Gaza das einzige Tor zur Welt sind. Laut israelischen Angaben generierten die Tunnels im vergangenen Jahr ein Einkommen von 650 Mio. Dollar. Von 20 funktionierenden Tunnels in Rafah im Jahr 2007 stieg die Zahl 2008 auf 500, schätzen palästinensische Quellen. Weil das Graben der unterirdischen Verbindungen die einzige Branche war, die boomte, lockte sie viele Arbeiter aus dem ganzen Gazastreifen nach Rafah. Die Arbeitslosigkeit in Rafah sank von 50 auf 20 Prozent.

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