Ökumenischer Rat der Kirchen
Europa drohen religiöse und ethnische Abgrenzungen

Der Weltkirchenrat sieht in einem wachsenden Europa die Gefahr neuer Trennungen. Dies könne entlang historischer, religiöser, ethnischer und ökonomischer Barrieren geschehen, erklärte der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) am Montag am letzten Tag seiner Jahrestagung in Genf.

HB/dpa GENF. Deswegen fordert der ÖRK seine Mitgliedskirchen zu einer aktiven Mitgestaltung der europäischen Einigung auf. Der Zentralausschuss, das höchste Leitungsgremium des ÖRK bis zur nächsten Vollversammlung, tagt alle zwölf bis 18 Monate.

Der ÖRK-Zentralausschuß verabschiedete am Montag Leitlinien, die gemeinsam mit ökumenischen Organisationen in Europa umgesetzt werden sollen. Sie behandeln die Einigung Europas, den Integrationsprozess selbst, das Verhältnis des Kontinents zur übrigen Welt sowie seine Friedens- und Sicherheitspolitik.

Die Gefahr neuer Trennungen betreffe sowohl die Beziehungen zwischen einer orthodoxen östlichen und römisch-katholisch und protestantisch geprägten westlichen Kultur als auch das Verhältnis zwischen Christentum und Islam in Europa. An die Kirchen wird appelliert, jene Bereiche aufmerksam zu verfolgen, in denen Europa globale Verantwortung zukommt. Genannt werden Handel und Entwicklung, Umwelt, Frieden und Konfliktprävention, Migration und Asyl sowie Menschenhandel und Rassismus.

Kenianer Kobia neuer Generalsekretär

Nach Ansicht des ÖRK bieten die bei der europäischen Einigung entwickelte Kultur des politischen Kompromisses ein politisches Modell für multilaterale Zusammenarbeit. ÖRK-Mitgliedskirchen sollten die Vision eines friedlichen, demokratischen und gerechten Europas von Island bis zum Kaukasus unterstützen, dessen Einheit auf der Achtung der geschichtlichen, kulturellen und religiösen Vielfalt beruhe. Der ÖRK äußert sich auch besorgt über die Praxis und Absicht einzelner Staaten und Bündnisse, ohne Uno-Mandat militärisch einzugreifen. Jede Militäraktion müsse durch ein Uno-Mandat gedeckt und mit dem Völkerrrecht in Einklang sein.

Höhepunkt der einwöchigen ÖRK-Jahrestagung war die Wahl des 56- jährigen Kenianers Samuel Kobia zum neuen Generalsekretär. Kobia tritt im Januar 2004 die Nachfolge des deutschen Theologieprofessors Konrad Raiser an, der Ende des Jahres nach elfjähriger Amtszeit in den Ruhestand geht. Der Ökumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von 342 Kirchen in über 100 Ländern auf allen Kontinenten und aus praktisch allen christlichen Traditionen. Die römisch-katholische Kirche ist keine Mitgliedskirche, arbeitet aber mit dem ÖRK zusammen.

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