Öl-Exporte
Das süße Öl der Mullahs

Es soll den Iran treffen, aber für Europa selbst ist das Öl-Embargo nur schwer zu verkraften. Ein Mengenproblem beim Ersatz für Persiens Öl gibt es zwar nicht, wohl aber ein Qualitätsproblem.
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BerlinFür Iran, den bisher zweitgrößten Produzenten der Erdöl exportierenden Staaten (Opec), ist der Wegfall der EU-Staaten als Käufer ein herber Schlag. Doch auch für einige EU-Länder ist ein Import-Embargo für persisches Rohöl nur schwer zu verkraften.

Das gilt vor allem für Griechenland, dem infolge des Öl-Embargos erhebliche Engpässe bei der Versorgung mit Rohöl drohen. Das Land bezog nach offiziellen Angaben im ersten Halbjahr 2011 14 Prozent seiner Ölimporte aus dem Iran. Neuere offizielle Zahlen liegen nicht vor, aber inzwischen dürfte der Anteil nach Schätzungen von Marktbeobachtern zwischen 20 und 30 Prozent liegen.

Der Grund der großen Abhängigkeit der Griechen von iranischem Öl ist die Schuldenkrise des Landes. Die meisten Öl-Exporteure bestehen bei Lieferungen an griechische Raffinerien auf Zahlung bei Lieferung oder sogar Vorkasse, weil sie eine drohende Insolvenz des Landes fürchten. Der Iran dagegen gewährt Griechenland nach Informationen aus Branchenkreisen großzügige Zahlungsziele. Griechenland bemüht sich deshalb in der EU um eine Ausnahmeregelung, die es dem Land ermöglichen soll, das iranische Öl so lange weiter zu beziehen, bis Alternativen gefunden sind.

Insgesamt waren die EU-Staaten laut Opec-Generalsekretär Abdullah El-Badri mit 865.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag die zweitgrößten Importeure iranischen Öls – hinter China und vor Indien und Japan. Die US-Energiebehörde geht indes von bisher 450.000 Barrel pro Tag oder 18 Prozent der persischen Ölexporte für Europa aus. Griechenland, Italien und Spanien sind Großkunden, aber auch Deutschland hat bisher iranisches Rohöl bezogen.

Für Iran wäre das Wegbrechen von fast einem Fünftel seiner Ölverkäufe hart, vor allem da auch Japan angekündigt hat, sich einem Boykott anzuschließen. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet damit, dass Irans Ölförderung durch den politischen Käuferstreik bis 2016 um 890.000 Barrel pro Tag auf deutlich unter drei Millionen sinkt. Irans Ölminister Rostam Qassemi, der sich im Gespräch mit dem Handelsblatt weigerte, die genauen Fördermengen seines Landes zu nennen, bestreitet das: Teheran mache das keine Sorge, das Land verdiene, wenn der Ölpreis wegen des Embargos weltweit steige, mit geringen Exporten genauso viel Geld wie zuvor. Zudem gebe es genügend andere Kunden.

Kommentare zu " Öl-Exporte: Das süße Öl der Mullahs"

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  • Damit die Welt in Frieden leben kann müssen die kapitalistischen Blutsauger USA und Israel verschwinden

  • solar auf dem Dach und Pellets im Ofen
    Öffi & Fahrad -ganz einfach
    .
    alles selbstgemachte Leiden mit der Ölanbeterei!

  • Es soll den Iran treffen, aber für Europa selbst ist das Öl-Embargo nur schwer zu verkraften.
    ------
    Wenn der Schuss nicht mal nach hinten los geht.
    Dann könnte es heissen:
    "Wer zuletzt lacht,lacht am besten."
    Ein verdammt gefährliches Spiel. Wer zieht da die letzte Trumpfkarte?

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