Öl-Förderung
USA wollen zur Ölmacht werden

Präsident Barack Obama will für die USA eine unabhängige Ölversorgung aufbauen. Entschlossen treibt Amerika die Erschließung neuer Energiereserven voran - trotz aller Kritik. Selbst Vorkommen in Alaska sind nicht tabu.
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HoustonSeit Monaten liefern sich Iran und Israel einen verbalen Schlagabtausch, der die Angst vor einem Krieg am Persischen Golf nährt. Da dieser die weltweite Ölversorgung gefährden würde, setzen die USA auf eine Strategie, die aus drei Teilen besteht.

Erstens lässt die Weltmacht ihre Unterhändler vermitteln: „Wir streben eine Lösung auf diplomatischer Ebene an“, betonte US-Präsident Barack Obama im Februar. Zweitens erhöht Washington massiv die Truppenpräsenz in der Region und hat bereits zwei Flugzeugträger im Golf stationiert.

Teil drei der Strategie findet in der Öffentlichkeit am wenigsten Beachtung und ist gleichwohl für die Zukunft der Weltwirtschaft von nicht minder großer Bedeutung. Die USA, die heute für knapp ein Viertel der weltweiten Ölnachfrage verantwortlich sind, wollen ihre Abhängigkeit von Importen aus instabilen Weltregionen reduzieren und damit auch den politischen Einfluss der betreffenden Staaten schmälern.

„Als ich mein Amt antrat, importierte Amerika elf Millionen Barrel (ein Barrel = 159 Liter) pro Tag“, sagte Obama Ende März. „In etwas mehr als einer Dekade von heute an müssen wir die Menge um ein Drittel senken.“

Die USA sollen zur Ölmacht werden – vor allem durch die Erschließung der in heimischem Schiefergestein lagernden Vorräte. Lange galt die neue Fördertechnik, die je nach Standort 30 bis 70 Dollar pro Barrel kostet, als zu teuer, doch angesichts der derzeitigen Ölpreise von mehr als 100 Dollar pro Barrel rechnet sie sich.

Auch die Vorkommen in Alaska und der Tiefsee, die Obama aus Rücksicht auf die Umweltschützer lange schonen wollte, sind nicht länger tabu. Der demokratische Präsident folgt längst Sarah Palin, der einstigen Ikone der Konservativen, die mit dem Schlachtruf „Drill, baby, drill“ für die weitgehende Ölautarkie der USA geworben hatte.

Dank der Erschließung der neuen Vorkommen wird die US-Ölförderung bis 2020 um fast 20 Prozent auf 6,7 Millionen Barrel pro Tag steigen, schätzt die US-Energiebehörde EIA. Andere Experten halten zehn Millionen Barrel pro Tag für möglich; dann spielten die USA in einer Liga mit Saudi-Arabien. Gehen die Pläne auf, könnten die USA nach Berechnungen des Forschungsinstituts IHS Cera ab 2020 Ölimporte im Wert von 182 Milliarden Dollar pro Jahr einsparen. Das würde helfen, das gewaltige Außenhandelsdefizit von aktuell 727 Milliarden Dollar zu senken, für das die Wirtschaftsmacht immer wieder kritisiert wird.

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  • Hallo Energieelite...SGK10 hat die religiöse Vision dass sich die ganze Welt in eine ökologische vorindustrielle Zeit zurückentwickelt. Biologisch erneuerbare Eselmobile benötigen Heu und kein Benzin. Deshalb fehlt ihm das Verständnis, dass die USA neue Oelvorkommen erschliessen wollen.

    Allerdings hatten die USA den Höhepunkt ihrer Oekowelle in den 70er Jahren. Oeko ist nur mehr an den Küsten (Nordosten, Kalifornien) populär. Dort glauben immer noch viele Menschen an CO2 Klimahöllen und dämonische Atomstrahlen. Im Landesinneren glaubt man eher an die Bibel und möchte ein komfortables Leben mit geräumigen Autos und Häusern geniessen.

    Durch die rasche Erschliessung unkonventioneller Erdgasvorkommen ist der Erdgaspreis in den USA zusammengebrochen. Sowohl in der Wärme-, als auch in der Stromerzeugung ist eine rasche Substituierung durch Erdgas zu beobachten. Der Oelverbrauch ist rückläufig. Der Neubau umweltfreundlicher Kernkraftwerke ist mit insgesamt 5 Reaktoren aktuell unbedeutend.

    Dies ist natürlich etwas kurzsichtig als spätestens wenn die US-Amerikaner merken, dass man Autos auch mit LNG (Erdgas) fahren kann, der Erdgasverbrauch mit der Erzeugung in Einklang gerät und der Erdgaspreis steigt. Dann bieten sich wiederum Kohle- und Kernkraftwerke zur Stromerzeugung an.

    Vandale

  • Ich glaube, Sie sind technisch nicht ganz auf der Höhe.

  • Ich habe ??????????????? Warum hat er das nicht längst zu seinem Amtsantritt gemacht.
    Ein schwacher Präsident.
    "Als ich mein Amt antrat, importierte Amerika elf Millionen Barrel (ein Barrel = 159 Liter) pro Tag“, sagte Obama Ende März. „In etwas mehr als einer Dekade von heute an müssen wir die Menge um ein Drittel senken.“

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