International

Schatzinsel Zypern

« 3 / 3

„Es wird eines der größten Terminals der Welt“


„In den nächsten drei Jahren werden wir Klarheit über die Vorkommen haben“, sagte Handelsminister Sylikiotis Handelsblatt Online. Von der jetzt diskutierten Idee, die künftigen Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung zu verbriefen und damit Staatsschulden abzutragen, hält er nicht viel: „Das wäre jetzt keine gute Idee, weil wir das Geld für Investitionen im Zusammenhang mit der Förderung brauchen.“

2015 soll der Bau eines Gasterminals bei Vassilikos an der Südküste beginnen. Hier soll das geförderte Gas verflüssigt, auf Tanker verladen und nach Westeuropa transportiert werden. „Es wird eines der größten Terminals der Welt und mit Kosten von sechs bis sieben Milliarden Euro die größte Investition in der Geschichte Zyperns“, sagt Minister Sylikiotis. „Mitte 2019 wird die Anlage fertig sein, dann beginnen wir mit den Exporten“.

Wie eine Zypern-Lösung aussehen könnte

  • EU-Zugeständnisse bei Steuersystem

    Die Euro-Finanzminister werden bei ihren Forderungen zurückstecken. Wie schon im Fall Irlands wird die Politik auch Zypern erlauben, weiterhin mit niedrigen Steuersätzen Unternehmen auf die Insel zu locken.

  • Zypern-Zugeständnisse bei Geldwäsche

    Bei der Bekämpfung der Geldwäsche wird die EU hart bleiben, um die Zustimmung des deutschen Bundestages zu bekommen. Zypern wird alle verlangten Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche beschließen müssen. Ob diese dann auch in der Praxis 1:1 umgesetzt und kontrolliert werden, steht auf einem anderen Blatt.

  • Zugeständnisse an den IWF

    Dem IWF dürfte signalisiert werden, dass die Bankenhilfen zu einem späteren Zeitpunkt vom ESM übernommen werden. Damit blieben die Staatsschulden für Zypern tragbar, zumal sich das Land verpflichten dürfte, die potenziellen Einnahmen aus Gasverkäufen vorrangig zur Tilgung seiner Schulden zu verwenden.

  • Russland mit ins Boot holen

    Russland dürfte sich zur Sicherung seines Einflusses an einer Rettung beteiligen. So könnten die Zinsen für den russischen Staatskredit gesenkt werden. Auch neue Kredite, die mit zukünftigen Einnahmen aus den Gasverkäufen abgesichert werden, sind gut möglich.


Schon der Bau des Terminals werde helfen, die Verschuldung zu reduzieren, weil dadurch die Wirtschaft angekurbelt wird, sagt der Minister. Überdies: Mit der Vergabe der Konzessionen an Noble Energy und Eni/Kogas hat Zypern bereits 150 Millionen Euro eingenommen. Weitere 24 Millionen kommen jetzt mit der Unterschrift unter den Vertrag mit Total in die Kassen, schreiben zyprische Medien.

Schon vor Beginn der Förderung beginnt also das Geld zu sprudeln. Minister Sylikiotis nennt ein Beispiel: „Im Hafen von Limassol werden schon jetzt Bohrplattformen gewartet, die in israelischen Gewässern eingesetzt werden.“

Anzeige

Schwarzgeld Retter für russische Milliarden gesucht

Reiche Russen haben bei zyprischen Banken rund 20 Milliarden Euro gebunkert – jetzt sollen die strauchelnden Geldinstitute mit EU-Steuergeldern rekapitalisiert werden. Europas Politiker ärgert aber noch mehr.

Schwarzgeld: Retter für russische Milliarden gesucht

Auch Gas aus den Fördergebieten Israels könnte künftig in Pipelines nach Zypern fließen, dort verflüssigt und verschifft werden, hofft man in Nikosia. Damit bekäme Zypern als Gas-Drehscheibe „eine geopolitische Bedeutung“, glauben die Experten der RBS: Europa könne so „seine Energiesicherheit erhöhen und seine Abhängigkeit vom Gaslieferanten Russland reduzieren“. Das könnte ein Argument für die EU sein, die Rettung des schwer angeschlagenen Inselstaates selbst in die Hand zu nehmen – und sie nicht Russland zu überlassen, das Zypern bereits Ende 2011 mit einem 2,5-Milliardenkredit unter die Arme griff.

  • 21.03.2013, 17:19 UhrEuroaus

    Gas für 600 Milliarden!?
    Ja und der Nikolaus und der Osterhase sind Brüder!

  • 11.02.2013, 23:42 UhrDurchschnittsbuerger

    Soweit danke für die Info.
    Aber es verlieren ja nicht nur sparer Geld. Es gibt ja auch genug "kleine Leute", die bei den Banken Schulden (Kredite) haben.
    Das könnte man durchaus verrechnen und müsste nicht gleich Verluste aus Spekulationen (Immobilienblase etc...) stützen.

  • 11.02.2013, 12:32 UhrOekonomix

    Dort gibt es bei weitem nicht so viel Öl und Gas, wie behauptet. Und die Vorkommen befinden sich in großer Tiefe, und können nur als LNG exportiert werden. Für Zypern wird da nicht viel abfallen. Als Sicherheiten sind die Vorkommen daher beinahe wertlos.

  • Die aktuellen Top-Themen
Islamistische Vergangenheit: USA verweigern Irans Uno-Botschafter die Einreise

USA verweigern Irans Uno-Botschafter die Einreise

Die USA und der Iran stecken einmal mehr in diplomatischen Komplikationen. Dem designierten iranischen Uno-Botschafter wird die Einreise – weil Hamid Abutalebi an der Entführung von US-Bürgern beteiligt war.

Konflikt in der Ostukraine: USA drängen Russland zur Einhaltung der Vereinbarung

USA drängen Russland zur Einhaltung der Vereinbarung

Russland und der Westen interpretieren den Genf verabschiedeten Friedensplan für die Ukraine unterschiedlich. Moskau will vor allem faschistische Gruppen entwaffnen – Washington die Milizen im Osten des Landes.

Steuersünder unter Druck: Starker Bargeldschmuggel aus der Schweiz

Starker Bargeldschmuggel aus der Schweiz

Zurzeit versuchen Dutzende Steuersünder, Schwarzgeld aus der Schweiz nach Deutschland zu holen. Bei jedem dritten Auto wird das Zollamt fündig. Manche Deutsche greifen bei den Schmuggelaktionen tief in die Trickkiste.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International