Ölalternative in Südamerika: Brasilien setzt auf Sprit aus Zuckerrohr

Ölalternative in Südamerika
Brasilien setzt auf Sprit aus Zuckerrohr

Brasilien ist Vorreiter bei der Entwicklung alternativer Kraftstoffe. Und seit der Ölpreis im vergangenen Jahr auf neue Rekordwerte kletterte, schauen Autobauer, Ölkonzerne und Umweltbehörden aus aller Welt interessierter denn je nach Südamerika.

SAO PAULO. Irgendwann Mitte dieses Jahres wird es passieren: In Brasilien rollt dann das letzte Auto mit reinem Benzinmotor vom Band. Volkswagen wird im Werk São Bernardo als eines der letzten Modelle sogar den legendären „Bully“ mit einem Total-Flex-Antrieb ausstatten. Der neue Motor schluckt zwar auch Benzin – aber ebenso Alkohol oder ein Gemisch aus beidem. Das Amazonasland ist Vorreiter bei der Entwicklung alternativer Kraftstoffe. Und seit der Ölpreis im vergangenen Jahr auf neue Rekordwerte kletterte, schauen Autobauer, Ölkonzerne und Umweltbehörden aus aller Welt mit noch größerem Interesse nach Brasilien.

Vor drei Jahren stellte Volkswagen in Brasilien erstmals ein Fahrzeug mit Total-Flex-Motor vor. Zulieferer wie Robert Bosch (Deutschland), Magneti Marelli (Italien) und Delphi (USA) machten sich bei der Entwicklung der neuen Antriebstechnik heftig Konkurrenz und entwickelten eigene Modelle. Die Vorteile für den brasilianischen Markt liegen auf der Hand: Das Land ist größter Zuckerexporteur der Welt. Aus Zuckerrohr lässt sich billig Alkohol herstellen, und der ist als Ethanol an jeder brasilianischen Tankstelle zu haben. In zehn Jahren, schätzt Besaliel Soares Botelho, Vize-Präsident von Bosch in Campinas, wird die gesamte Autoflotte Brasiliens von Mixmotoren angetrieben. Und die nächste Generation ist bereits im Anmarsch: General Motors bietet inzwischen einen Triflex-Motor an, der zusätzlich auch mit Flüssiggas betankt werden kann.

Wegen der steigenden Benzinpreise hat sich die neue Technologie in Brasilien in kürzester Zeit durchgesetzt – und aus dem gleichen Grund wird sie auch für den Weltmarkt interessant. Ethanol hat gute Chancen, künftig einer der wichtigsten Benzin-Ersatzstoffe zu werden. „Alkohol aus Zuckerrohr ist die einzig nachhaltige und ökonomisch konkurrenzfähige Alternative zu Benzin“, urteilt der angesehene brasilianische Ökonom José Roberto Menconça de Barros. Die britischen Rohstoffexperten von F. O. Licht erwarten, dass im Jahr 2010 weltweit 57 Mrd. Liter Alkohol zum Antrieb von Motoren benutzt werden, also fast doppelt so viel wie heute. Und die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet damit, dass bis 2020 bereits ein Drittel des Treibstoffs agrarisch gewonnen wird. Derzeit sind es gerade mal zwei Prozent weltweit.

Brasilien könnte von dieser Entwicklung doppelt profitieren – als Know-how- und als Zuckerexporteur. Laut IEA ist das Land heute unbestrittenes Kompetenzzentrum bei der Entwicklung von Benzinersatz. Statt sich gegenseitig zu bremsen, arbeiteten staatliche Wissenschaftler und die Forscher verschiedener im Land ansässiger ausländischer Unternehmen zusammen und setzten internationale Standards, ein seltenes Beispiel erfolgreicher Globalisierung.

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