Ölfeld im Irak
Verwirrung um angebliche Grenzverletzung

Über eine angebliche Besetzung eines irakischen Ölfelds durch iranische Soldaten gab es am Freitag widersprüchliche Informationen: Während der irakische Vize-Innenminister Ahmed Ali al-Chafadschi entsprechende Berichte aus Sicherheitskreisen dementierte, behauptete ein General der irakischen Grenztruppen am Freitag vor der Presse das Gegenteil.
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HB BAGDAD. „Diese Meldung ist nicht wahr“, sagte der irakische Vize-Innenminister Ahmed Ali al-Chafadschi am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Das umstrittene Öl-Feld an der Grenze sei nicht erstürmt worden. „Es ist leer, es ist verlassen.“

Zhafer Nazhmi, ein General der irakischen Grenztruppen, behauptete am Freitag vor der Presse in Bagdad das Gegenteil: „Iranische Truppen halten die Quelle Nummer vier des Ölfeldes Ost-Missan seit gestern (Donnerstag) morgen besetzt.“ Zuvor war auch aus irakischen Sicherheitskreisen verlautet, die Soldaten hätten für mehrere Stunden das Feld Fakka besetzt. In arabischen Medien hieß es, die Iraner hätte ihre Flagge über das Feld gehisst.

Die Soldaten hätten auf dem Ölfeld, das rund 450 Kilometer südlich von Bagdad nahe der Grenze zum Iran liegt, die iranische Flagge gehisst. Dann hätten sie begonnen, Gräben auszuheben und Artillerie in das Gebiet zu verlegen.

Der Betreiberkonzern Maysan Oil Company nahm zu den Angaben nicht Stellung. Weder das irakische Verteidigungs- noch das Öl-Ministerium waren zunächst zu Stellungnahmen zu erreichen.

Die Nachricht stärkte an den internationalen Finanzmärkten den Dollar, der einen Teil seiner Verluste zum Euro wieder wettmachte. Auch der Öl-Preis legte in der Folge leicht zu.

Der Irak - damals noch unter Präsident Saddam Hussein - und der Iran führten von 1980 bis 1988 einen verheerenden Krieg, bei dem Hunderttausende auf beiden Seiten ums Leben kamen. Zwar haben sich die Beziehungen zwischen beiden Staaten seit dem Sturz Saddams etwas verbessert. Allerdings stehen im Irak mehr als 100 000 Soldaten der USA, dem Erzfeind des Iran.

Der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki rief die Iraker am Freitag zur Besonnenheit auf. Ein Kommandeur der Grenztruppen sagte: „Es gibt keine Absicht, eine Militäraktion zu beginnen und wir hoffen, dass diese Krise auf diplomatischem Wege gelöst wird.“ Die von den Schiiten dominierte irakische Regierung unterhält gute Beziehungen zu Teheran.

Entlang der Grenze zwischen dem Iran und dem Irak gibt es nach jüngsten Studien an insgesamt 15 Orten Ölvorkommen. Diese liegen in den irakischen Provinzen Suleimanija, Dijala, Wasit, Missan und Basra.

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