Ölhandel der Islamisten in Irak und Syrien
Wie IS Millionen von Petro-Dollar macht

Sie sind die reichsten Terroristen, die die Welt je gesehen hat: Die IS-Miliz macht mit Öl nach der Eroberung von Feldern und Raffinerien täglich Millionen Dollar. Ihre Abnehmer sind auf dem Schlachtfeld ihre Gegner.
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DüsseldorfDie schlanke junge Frau will ihr Gesicht nicht zeigen. Auch ihren Nachnamen nennt sie nicht. Zuviel Angst hat die 22-Jährige vor ihren einstigen Auftraggebern. Es sind Männer, die eng mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zusammenarbeiten. Und die haben ein Interesse daran, dass Sevda nicht plaudert – über Mittelsmänner, Routen und Abläufe im Ölgeschäft.

Sevda, die Kellnerin aus dem türkischen Hacipaşa im Westen des Landes nah an der syrischen Grenze, flog auf. Sie hatte den begehrten Rohstoff über die syrisch-türkische Grenze geschmuggelt. Damit habe sie sich, so sagte sie nach ihrer Festnahme den türkischen Behörden, teils das 20-Fache dessen verdient, was ihr der reguläre Job beschert hatte.

Das illegale Geschäft mit dem Öl brachte der Kellnerin ein „kleines Vermögen“ ein, wie sie es nannte, und es sorgt für ein riesiges Vermögen bei der Terrormiliz. Die Angaben über die Summen, die der IS mit dem florierenden Handel macht, schwanken.

Es sollen je nach Quelle zwischen eine und drei Millionen US-Dollar sein – pro Tag. Selbst bei konservativer Lesart macht das die Terroristen zu den reichsten, die die Welt je gesehen hat – und zu den unabhängigsten. Keine vergleichbare Organisation war bisher so wenig auf Geldgeber, etwa Privatleute oder Stiftungen aus den Golfstaaten, angewiesen wie der IS.

Die Miliz kontrolliert mittlerweile in Syrien und dem Irak ein Gebiet von mehr als 250.000 Quadratkilometern – das entspricht in etwa Westdeutschland vor der Wiedervereinigung. Auf diesem Gebiet befinden sich mindestens 13 Ölfelder – sieben im Nordirak, sechs der zehn in Syrien – sowie zahlreiche Raffinerien.

Etwa 80.000 Barrel fördert der IS pro Tag, laut Luay al-Khatteeb vom Doha Center der Broookings Institution in Katar. Allein mit dem Öl aus dem Nordirak machen die Islamisten Schätzungen zufolge 1,2 Millionen US-Dollar am Tag. Verkaufen muss der IS das Öl zwar weit unter Marktpreisen, die ohnehin gerade fallen, weil die Risiken für die Händler so hoch sind.

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  • Das Rauböl des IS
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    Sie verkaufen es an ihrem Freund und Unterstützer Recep Tayyip Erdogan. Dafür bietet er ihnen die Türkei als Rückzugsgebiet an und lässt verwundete "Kämpfer" in Krankenhäusern gesundpflegen.

    Recep Tayyip Erdogan hofft, dass der IS die bösen Kurden niedermetzelt. Dafür kauft er gerne das von dem IS geraubte Öl. Es sind ja seine "Freunde"!

  • US-Bomben zerstören die syrische Ölindustrie – der IS-Terror liefert den Vorwand für das Erreichen ganz anderer Ziele.

    Schon vor Jahresfrist wollten die USA Syrien bombardieren. Putin hat´s verhindert. Da kommt jetzt der IS kommod daher. Ein feiner und selbstverständlich äußerst moralischer Grund, doch noch Bomben auf Syrien zu werfen. Die Frage ist nur, ob man dem IS nicht auch anders den Geldhahn zudrehen könnte. Ohne Bomben.

    Es war ein Leichtes, die Finanzgeschäfte von richtigen Staaten zu behindern oder ganz zu unterbinden: Ägypten, Kuba, Iran, Irak und jetzt ein bisschen Russland. Aber bei einer Terrororganisation wie dem IS, da geht das nicht?

    Wer ist der IS überhaupt?

    Wer managt eigentlich die Finanzen des IS?

    Wer besorgt die Waffen?

    Wieso kann der IS überhaupt Öl verkaufen?

    Wer etwas verkaufen will, braucht einen Käufer. Wer sind die Käufer?

    Irgendwie passt das alles nicht zusammen.

    Kein Wiederaufbau in Syrien ohne intakte Ölindustrie

    Die Lage der militanten Assad-Opposition wird täglich schlechter. Es besteht die reale „Gefahr“, dass Assad sein Land wieder unter Kontrolle bekommt und das Morden ein Ende finden kann.

    Was tun?

    Eines ist klar: Die Zerstörungen in Syrien sind gewaltig und es bedarf extremer Anstrengungen, um ganze Landstriche wieder bewohnbar zu machen – inklusive Infrastruktur. Damit die Regierung in Damaskus das auch nur annähernd wird stemmen können, braucht sie die Einnahmen aus der Ölindustrie.

    Wenn also genau das verhindert werden soll, muss diese Schlüsselindustrie zerstört werden. Da kommt der IS-Terror doch sehr gelegen. Und nicht nur dafür.

    Halboffiziell war es schon immer: Die USA bilden Anti-Assad-Kämpfer aus und bewaffnen sie.
    Jetzt, wo es gegen den IS geht, hat der Senat in Washington ganz offiziell bekannt gegeben, dass "gemäßigte" Kräfte gegen den IS ausgebildet werden sollen. 15.000 Mann. Aber was werden die tun, wenn, ja wenn überhaupt der IS "besiegt" ist?

    www.anderweltonline.com

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