Ölpreis
Angst vor Welt-Rezession wächst

Die Rekord-Sprünge des Ölpreises könnten die globale Wirtschaft in eine Rezession stürzen, befürchtet der japanische Wirtschaftsminister Akira Amari. Der US-Energieminister Samuel Bodman übt sich hingegen in Gelassenheit: Der hohe Ölpreis sei "ein Schock", deswegen gebe es aber keine Krise.

HB AOMORI. Nach dem größten jemals verzeichneten Preissprung innerhalb eines Tages hatte der Ölpreis am Freitag einen neuen Rekordstand erreicht. In New York schloss der Handel bei einem Stand von 138,75 Dollar pro Barrel (159 Liter) der Referenzsorte "Light Sweet Crude". Das waren 10,75 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Zwischenzeitlich hatte der Barrelpreis sogar 139,12 Dollar erreicht. Die Börse reagierte verunsichert auf den neuen Preisrekord. Der Leitindex Dow Jones stürzte zeitweise um mehr als 300 Punkte ab. Das entsprach einem Verlust von über 2,5 Prozent. Auch der deutsche Aktienmarkt hatte auf den Preisschock mit Abschlägen reagiert.

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Die fünf größten Ölimportländer haben sich „ernsthaft besorgt“ über die rekordhohen Ölpreise geäußert. Sie seien weder im Interesse der Öl verbrauchenden Länder, noch im Interesse der Förderländer, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung zum Abschluss eintägiger Beratungen der Energieminister Japans, der USA, Chinas, Indiens und Südkoreas im japanischen Aomori.

Abgesehen von der Frage der Energiesicherheit berge der Ölpreis "große Risikofaktoren für eine Rezession der Weltwirtschaft", sagte Amari bei dem Treffen. Nach Ansicht von US-Energieminister Samuel Bodman gibt es aber trotz der enormen Preissprünge keine Ölkrise. Spekulation sei nicht die Ursache.

Die Ölpreise seien zwar hoch. Ein Faktor dafür sei aber die "wachsende Nachfrage bei flauem Angebot", sagte Bodman zu Journalisten vor Beginn von Beratungen der Energieminister der sieben größten Industrienationen plus Russland (G8) an diesem Sonntag in Aomori, zu denen auch China, Indien und Südkorea eingeladen sind. Auf die Frage, ob spekulative Mittel zum Beispiel von Hedge-Fonds die Preise treiben würden, sagte Bodman der japanischen Agentur Kyodo: "Nicht, soweit ich das sagen kann".

Auch müssten deswegen keine Marktregulierungen erfolgen. "Wir haben es uns angeschaut und festgestellt, dass es sich nicht um eine Angelegenheit handelt, bei der der Markt mehr reguliert werden muss."

Die fünf Staaten haben die Ölförderer zu einer Erhöhung ihrer Produktion aufgerufen, um damit den in die Höhe geschnellten Ölpreisen Einhalt zu gebieten. Zugleich bekannten sich die Importländer, auf deren Konto etwa die Hälfte des weltweiten Energieverbrauchs geht, zur Entwicklung neuer, sauberer Technologien und mehr Anstrengungen beim Energiesparen.

„Die derzeitigen Ölpreise sind auf einem abnormalen Stand“, sagte Amari. „Es gibt einen massiven Mangel an Investitionen. Das Produktionsniveau ist in den vergangenen Jahren kaum gestiegen.“ Als mitverantwortlich für die Preisjagd nannten Experten Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet. Er hatte angedeutet, dass eine Zinserhöhung in der Eurozone nicht ausgeschlossen ist. Das setzte den Dollar unter Druck. Zudem verwiesen Experten auf die weiter hohe Nachfrage vor allem aus Schwellenländern wie China und Indien. In den kommenden zwei Jahren könnte der Ölpreis nach jüngsten Prognosen darum bis auf 200 Dollar je Fass steigen. Ein Analyst von Morgan Stanley erwartet einen Preis von 150 Dollar bis zum US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli.

Uneins blieben die Minister vor allem in der Frage, ob Regierungen Treibstoff bezuschussen sollten. Bodman forderte ein Ende der Subventionen: „Wir wissen, dass die Nachfrage zunimmt, weil viele Nationen Öl immer noch subventionieren. Das sollte aufhören“, sagte der US-Energieminister. Ein Vertreter des indischen Ölministeriums wies die Forderungen jedoch umgehend zurück. „Wir als Schwellenland sind nicht in der Lage, die Subventionen komplett aufzugeben“, sagte Hemant Krishnan Singh. Es sei unrealistisch, Maßnahmen abzuschaffen, die dafür da seien, 1,1 Milliarden Menschen zu helfen. In Indien und China wurden die Treibstoff-Preise zwar trotz Inflationssorgen jüngst erhöht – nach Auffassung von Experten jedoch nicht in dem Maße, als dass dies dem rasanten Anstieg des Ölpreises entspreche.

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