Ölpreis drückt IWF-Prognose für die Weltkonjunktur im kommenden Jahr
Industrie- und Schwellenländer einigen sich auf Wachstumsinitiative

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird seine Prognose für das weltweite Wachstum im Jahr 2005 nach dem ersten Quartal voraussichtlich leicht senken. Das kündigte IWF-Chef Rodrigo de Rato am Sonntag auf dem G20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Berlin an. „Das Wachstum wird aber oberhalb von vier Prozent bleiben“, sagte er.

dri BERLIN. Derzeit erwartet der IWF 4,3 Prozent. Die Ursache für die leichte Abschwächung sei „eindeutig der hohe Ölpreis“, so Rato. Die G20 rechnet mittelfristig nur mit einem leichten Rückgang der Ölpreise auf 35 bis 40 Dollar – mit dem Risiko plötzlicher Preisausschläge durch unerwartete Verschiebungen zwischen Angebot und Nachfrage. Maßnahmen für eine höhere Energieeffizienz wurden nicht beschlossen.

Die G20 wurde als regelmäßiges Diskussionsgremium 1999 in Berlin gegründet. Es soll helfen, Finanzmarktkrisen wie 1997 in Asien zu vermeiden. Nach dem 11. September 2001 kam ein gemeinsames Vorgehen gegen die Terrorfinanzierung hinzu. Gestern einigten sich die Mitglieder auf eine Initiative für dauerhaftes Wachstum. Sie sieht eine Reformagenda vor, mit der sich jedes Mitgliedsland zu Verbesserungen seiner Märkte verpflichtet. Bei ihren jährlichen Treffen – 2005 in China, 2006 in Australien – wollen die Minister nachprüfen, welche Schritte umgesetzt wurden. Deutschland beispielsweise verspricht, die Agenda 2010 komplett umzusetzen und die Gesundheits- und Rentenreformen fortzusetzen. Russland will den Bankensektor und das Rechtssystem weiterentwickeln, die USA wollen ihr Haushaltsdefizit abbauen.

Der IWF-Chef appellierte an die führenden Industrie- und Schwellenländer, sich nicht gegenseitig die Schuld für die Ungleichgewichte im Weltfinanzsystem zuzuschieben, sondern an Verbesserungen zu arbeiten. Europa und Japan müssten mehr für Wachstum tun, die USA ihr Leistungsbilanz- und ihr Haushaltsdefizit abbauen. Asien wiederum müsse die Wechselkursmechanismen flexibilisieren.

Die G20-Mitgliedsländer – außer Argentinien – akzeptierten unter der deutschen Ratspräsidentschaft „Prinzipien für stabile Kapitalflüsse und faire Umschuldung in Schwellenländern“. Der Kodex soll das Verhältnis der Schwellenländer zu privaten Gläubigern auf freiwilliger Basis regeln. Er sieht Selbstverpflichtung zu Transparenz und regelmäßigem Informationsaustausch vor.

Quelle: Handelsblatt

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