Ölpreis-Verfall
Venezuela will mit Russland kooperieren

Des einen Freud, des anderen Leid: Während die Verbraucher in Europa über niedrige Heizölpreise jubeln, stehen Länder, wie Venezuela vor einem Problem. Jetzt soll ein Geschäft mit Russland den Ölpreisverfall stoppen.
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Düsseldorf/Caracas/WienGegensätzlich könnten Profit und Schaden nicht beieinander liegen. Während die Verbraucher in Deutschland und anderen europäischen Ländern jubeln, weil die Heizöl- und Benzinpreise sinken, kämpfen Staaten, die von Öleinnahmen abhängig sind, um Hilfe.

Am schlimmsten von dem Ölpreisverfall betroffen sieht sich derzeit Venezuela. Deswegen will der Präsident Nicolás Maduro eine Kooperation mit Russland an, die sein Land stärken könnte. Politisch und wirtschaftlich.

Maduro strebt derzeit ein Sondertreffen an, bei dem Mitgliedsländer der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), aber auch andere Staaten über ein gemeinsames Vorgehen beraten sollen. „Wir verteidigen unser Öl, unsere Industrie, unser Leben“, sagte Maduro in Caracas. Der Außenminister Venezuelas, Rafael Ramírez, war in den vergangenen Tagen zu Gesprächen in Moskau und davor in Algerien, Katar und im Iran, um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln.

Doch wie steht Russland zu diesem geplanten Bündnis? Eine offizielle Stellungnahme vpn Präsident Wladimir Putin oder Außenminister Sergei Lawrow gibt es bisher nicht.

Rustam Tankajew, Chef des Unternehmens InfoTEK Terminal, sagte der russischen Nachrichtenseite „Radio Stimme Russlands“: „Die niedrigen Preise sind für die Ölimporteure günstig – vor allem für die Mitglieder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das sind die EU, die USA und Japan. Zweitens sind die asiatischen Schwellenländer wie China und Indien im Vorteil, denn ihre Produktionsbranchen sind von Energiepreisen sehr abhängig.“

Seit Ende Juni sind die Ölpreise um knapp 30 Prozent eingebrochen. Venezuela ist einer der weltweit größten Ölexporteure und deckt seine Deviseneinnahmen zu 95 Prozent durch Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Der Preis für das Barrel (159 Liter) venezolanischen Öls liegt inzwischen nur noch bei knapp über 70 Dollar. Im Juni waren es noch 99 Dollar.

Maduros Hilferuf stößt allerdings noch auf taube Ohren: Weder die Opec noch der wichtigste Ölproduzent Saudi-Arabien hat auf den Preisverfall bisher nicht mit einer Produktionskürzung reagiert. Beobachter verstehen dies als Kampfansage an das US-Schieferöl, das Saudi-Arabien nach dieser Lesart mit niedrigen Preisen aus dem Markt drängen will. Die Förderung von Schieferöl ist gerade in den USA stark gewachsen und hat den Markt durchgerüttelt.

Also sucht Venezuelas Präsident Maduro Unterstützung in Moskau. Er unterstrich ausdrücklich die Bedeutung Russlands als zweitgrößter Ölproduzent der Welt. Russland, dessen rohstoffabhängige Staatsfinanzen vom Ölpreisverfall besonders hart getroffen sind, ist jedoch kein Opec-Mitglied.

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Umstritten: Ob Russland und die Opec an einem Strang ziehen

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