Ölpreisverfall: Russland will mit Opec über Förderkürzung sprechen

Ölpreisverfall
Russland will mit Opec über Förderkürzung sprechen

Wegen des Überangebots und der mauen Weltkonjunktur sind die Ölpreise eingebrochen. Im Kampf um Marktanteile haben die größten Förderstaaten den Markt trotzdem weiter geflutet. Das könnte sich bald ändern.

MoskauHinweise auf mögliche Gespräche zwischen Russland und den Opec-Staaten über eine Drosselung der Produktion haben den Ölpreis am Mittwoch angetrieben. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu fünf Prozent auf 33,40 Dollar je Barrel. Zuvor hatte ein Vertreter des russischen Energieministeriums erklärt, bei einem Treffen mit russischen Ölkonzernen seien mögliche Abstimmungen zwischen Russland und der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) diskutiert worden.

Der Chef des russischen Pipeline-Monopolisten Transneft, Nikolai Tokarew, sagte laut Nachrichtenagentur RIA, es sei um konkrete Schritte gegangen, wie die Situation gemeinsam zum Besseren gewendet werden könnte. Grund für das Zusammenkommen sei der anhaltend niedrige Ölpreis gewesen. Vor eineinhalb Jahren mussten noch gut 115 Dollar je Barrel bezahlt werden. Seitdem sind die Ölpreise wegen des Überangebots und der mauen Weltkonjunktur um rund 70 Prozent eingebrochen.

Im Kampf um Marktanteile haben die größten Ölförderstaaten bislang bewusst auf eine Drosselung der Produktion verzichtet und stattdessen den Markt geflutet - auch, um Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Zudem darf der Iran sein Öl wieder frei auf dem Weltmarkt verkaufen, nachdem die westlichen Länder den Atomstreit mit der Islamischen Republik beigelegt und Sanktionen zum Teil aufgehoben haben.

Doch für die Verteidigung von Marktanteilen zahlen die Länder in Form deutlich geringerer Einnahmen einen hohen Preis, der sich in Haushaltsdefiziten, sinkenden Währungskursen oder - wie im Fall von Russland - einer scharfen Rezession ausdrückt. Saudi-Arabien muss ein Haushaltsdefizit von umgerechnet etwa 90 Milliarden Euro stemmen und kündigte bereits an, seine Wirtschaft breiter aufstellen zu wollen. Das Opec-Mitglied Venezuela steht kurz vor der Staatspleite. Russlands Wirtschaft schrumpfte laut der Nachrichtenagentur Tass 2015 um 3,8 oder 3,9 Prozent. 2014 war das Bruttoinlandsprodukt noch um 0,6 Prozent gewachsen. Dem Vernehmen nach dürfte es vor allem für Russland technisch sehr schwer sein, die Förderung zu drosseln.

Noch Anfang Dezember hatten die Opec-Länder beschlossen, an ihrer bisherigen Förderpolitik festzuhalten. Ein reguläres nächstes Treffen steht erst am 2. Juni an. Laut Tokarew könnten die Förderstaaten nun bereits im Februar zusammenkommen. Trotz der Aussagen von Tokarew bleiben allerdings viele Fragen offen. Noch vor dem Treffen der Ölkonzerne hatten hochrangige Regierungsmitglieder zu Reuters gesagt, die russische Regierung wolle mit der Opec nicht über eine Zusammenarbeit verhandeln.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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