Ölreserven in der Arktis
Bodenschätze wecken Begehrlichkeiten

Seit geraumer Zeit läuft ein Wettrennen um die Territorialhoheit am Nordpol. Der Grund für das enorme Interesse an der unwirtlichen Gegend: Unter dem bis zu 3 000 Meter dicken Eis vermuten Experten rund ein Viertel aller weltweiten Ölreserven. Für die sechs Anrainerstaaten heißt das: Kämpfen um jeden Meter.

STOCKHOLM. Nur einen Steinwurf entfernt vom kleinen roten Geburtshaus des bekanntesten dänischen Polarforschers Knud Rasmussen treffen sich am Dienstag die Außenminister aus Grönland, Dänemark, Norwegen, den USA, Kanada und Russland. Zusammen mit dem grönländischen Premier Hans Enoksen hat Dänemarks Außenminister Per Stig Møller seine Amtskollegen nach Ilulissat in Westgrönland eingeladen, um über die Kooperation der Nordpol-Anrainer zu reden und eine gemeinsame Politik für die Region zu definieren.

Dänemark ist durch Grönland mit von der Partie, denn die riesige Inselgruppe im Polarmeer mit ihren gerade einmal 58 000 Einwohnern gehört zum kleinen Königreich. Dass Møller Kooperation statt Konfrontation fordert, ist nicht verwunderlich. Tatsächlich sind die Beziehungen einiger Nordpol-Anrainer untereinander derzeit eher frostig, da sie sich seit geraumer Zeit ein Wettrennen um die Territorialhoheit liefern. Der Grund für das enorme Interesse an der unwirtlichen Gegend: Unter dem bis zu 3 000 Meter dicken Eis vermuten Experten rund ein Viertel aller weltweiten Ölreserven, etwa 110 Mrd. Barrel des Schwarzen Goldes.

Da heißt es für die sechs Länder, frühzeitig Gebietsansprüche zu formulieren. Am medienwirksamsten machte das im vergangenen Jahr Russland, als es eine Forschungsexpedition im U-Boot zum Nordpol schickte und eine russische Flagge am Meeresgrund hisste. Dänemark, die USA, Norwegen und Kanada konterten direkt und schickten eigene Expeditionen ins Polareis.

Die Begehrlichkeiten sind durch den rasanten Klimawandel größer geworden. Denn durch die Polschmelze wird das Eis immer dünner, und die noch vor ein paar Jahren als unerreichbar geltenden Schätze könnten leichter – und wegen des hohen Ölpreises auch rentabler – gefördert werden.

Einen neuen Wettlauf zum Nordpol will der dänische Außenminister unter allen Umständen verhindern. Er hofft deshalb, mit seinen Amtskollegen die Rahmenbedingungen für eine spätere Nutzung der arktischen Region zu diskutieren. Eine regelrechte Gebietsaufteilung wird es wegen völlig unterschiedlicher Auffassungen aber in Ilulissat nicht geben. Einigkeit herrscht nur darüber, dass jedem der Nordpol-Anrainer eine eigene Wirtschaftszone vor der eigenen Küste zufällt.

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