Ölsand-Abbau
Kanadas schwarzes Gold ist schwer zu heben

Der Anstieg des Ölpreises und die Aussichten auf ein Ende der Weltrezession haben das Interesse am kanadischen Ölsand wieder wachsen lassen. Nachdem der Kollaps des Ölpreises zur Verschiebung zahlreicher Projekte in der kanadischen Provinz Alberta geführt hatte, prognostizieren Industrie und Analysten nun die Rückkehr auf den Wachstumspfad.
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OTTAWA. Derzeit gehen Kanadas Ölexporte ausschließlich in die USA. Schärfere Umweltauflagen in den USA und steigender Ölbedarf in Asien könnten aber schon die Exportströme umlenken. Öl- oder Teersand ist ein Gemisch aus Sand, Ton und teerartigem Bitumen. Die abbaubaren Ölreserven in Alberta werden auf mehr als 150 Mrd. Barrel (je 159 Liter) geschätzt. Damit verfügt Kanada nach Saudi-Arabien (264 Mrd. Barrel) über die zweitgrößten Reserven.

Allerdings ist die Förderung extrem aufwendig: Das zähflüssige Bitumen muss in energieintensiven Prozessen aus dem Sand gelöst werden. Dafür wird entweder der Ölsand im Tagebau abgebaggert und mit heißem Wasser vom Sand getrennt, oder es wird heißer Dampf in den Boden gepumpt und flüssiges Bitumen abgesaugt. 2008 produzierte Kanada täglich rund 2,7 Mio. Barrel Öl. Allerdings stammen bisher nur gut 40 Prozent aus dem Ölsand und der Rest aus konventionellen Ölquellen in West-Kanada und vor der Küste.

Die hohen Investitionskosten in Ölsand erforderten einen "robusten Preis", sagt Analyst Earl Sweet von der Bank of Montreal. "Beim jetzigen Preisniveau sehen wir ein erneuertes Interesse am Ölsand." Die Erholung des Ölpreises sei "ein positives Signal für den Sektor", meint Peter Buchanan, Analyst bei der Canadian Imperial Bank of Commerce.

Nachdem in der Krise eine ganze Reihe von Projekten verschoben wurde, beginnen jetzt die ersten Konzerne, sie wieder aus der Schublade zu ziehen. Das deute darauf hin, dass sich das Investitionsklima mit dem substanziellen Anstieg des Ölpreises verbessert habe, sagt Buchanan. Billiger Stahl und niedrige Zinsen senken die Investitionskosten erheblich. Risiken bleiben angesichts der Unwägbarkeiten in der Weltwirtschaft freilich bestehen.

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  • Und was ist mit der gewaltigen Umweltzerstörung im Gefolge der Ölsandausbeutung? Der kanadischen Regierung scheint dies vor lauter Geldgier nicht bewusst zu sein.

  • leider entbehrt der Artikel jeglicher quantitativer belastungsrechnung für Ölförderung aus Ölsanden versus konventioneller Ölförderung.

    bezogen auf nur einige zusätzliche belastungsfaktoren (Aufbereitung Heisswasser/Dampf mit Energuieeinsatz; Transport- und Förderkosten bei schwer zugänglichen Lagerstätten ; Minderqualität und Nachreinigungserfordernissen des so gewonnenen Erdöls ; Kosten von Aufschluss- und Rekultivierung der Lagerstätten sowie Kosten des Abraumrecyclings incl. der kompletten unsichtbaren Kosten der end of pipe.

    in der heutigen verschärfenden Umwelt- und Klimasituation kann es doch nicht mehr nur um die quantitativen Versorgungs- und Energieanschlussfragen auf Nationen- Konzern- und stark eingeschränkter Preis - und Rentabilitätsbetrachtung gehen.

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