Ölverkauf im Irak
Die Herren des Treibstoffs

Rot rinnt es aus dem Plastikkanister – Treibstoff aus Iran, weiß Taxifahrer Jalal Amin. Ein hellerer Farbton spricht für eine kuwaitische Herkunft. Ist die Flüssigkeit gelblich, kommt sie angeblich aus der einzigen noch ab und zu funktionierenden irakischen Raffinerie in Dora bei Bagdad.

KIRKUK. Aber das glaubt Amin so wenig wie irgendwer hier an der Ausfallstraße, wo sich die Plastikkanister stapeln: Die Qualität ist zu gut, irakisches Benzin hat nur 80 Oktan und lässt die Motoren nageln.

Es hat eine besondere Ironie: Der Irak ist das Land mit dem zweitgrößten Ölvorkommen der Welt – doch Tankstellen gibt es hier nicht mehr. Und wenn doch, sind es verwaiste und geplünderte Ruinen. Wer Tanken will, fährt zu einem der Schwarzmärkte an den Rändern der Städte.

Auch Jalal Amin kann nur noch hier den Tank seines Taxis füllen – wenn er Glück hat. Es gibt den Sprit nicht jeden Tag, weil der Nachschub der Schattenwirtschaft ebenfalls Probleme hat: Die Pipelines von den Ölquellen in die Raffinerie werden gesprengt, sobald sie repariert sind. „Wenn du die Leitungen schneller reparieren könntest, als sie zerstört werden, gewinnst du den Kampf. Aber du hast keine Chance. Die Terroristen sind dir immer einen Schritt voraus. Die Technik der Sprengsätze wird immer ausgereifter“, klagt Lowell Feld, Analyst vom US-Energieministerium und Berater in Bagdad.

Nach dem Krieg sind über zwei Millionen Autos in den Irak gebracht worden. Meistens trugen sie den Opel-Blitz am Kühler. Warum gerade die Marke aus Rüsselsheim zum beliebtesten Auto der Iraker wurde, weiß niemand. Der hohe Marktanteil hat auch den Ersatzteilhandel getrieben: In Sachen Opel ist der Irak gut bestückt.

Mit der steigenden Zahl von Autos ging auch der Benzinverbrauch steil nach oben. Und so wurde aus der Knappheit ein lukrativer Wirtschaftszweig: „Vom Benzinschmuggel aus den Nachbarländer und dem Verkauf an der Straße leben inzwischen Tausende Familien.“ Das sagt Tariq, der Schwarzmarkt-Gebietschef für die Region Kirkuk: „Zum Teil wird das Benzin mit Pferden über die Berge aus Iran gebracht oder mit Kamelen durch die Wüste. Das hat seinen Preis. Jeder will ein wenig verdienen.“

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