Österreich hat seinen jüngsten Politikskandal
Otto ... find’ ich schlecht!

Österreich hat seinen jüngsten Politikskandal: Dort droht die Große Koalition am Geschichtsverständnis von Otto von Habsburg, Sohn des letzten regierenden österreichischen Kaisers, zu scheitern. Die misslungene Rede des inzwischen 95-Jährigen ist nicht der erste Anlass, der die Wiener Koalition ins Wanken bringt.

WIEN. Wie hieß das? „Otto ... find’ ich gut.“ Damit war zwar ein Versandhändler gemeint, aber der Werbespruch ließ sich je nach Bedarf zum Beispiel im Norden Deutschlands auch mal auf die eigene Einstellung zum eisernen Kanzler Otto von Bismarck oder im Süden des deutschsprachigen Raums zu Otto von Habsburg beziehen.

Seit dieser Woche ist Letzteres nicht mehr möglich. „Otto ... find’ ich schlecht“ muss es heißen. Aber weil in Österreich diesen Einstellungswandel leider noch nicht jeder vollzogen hat, knirscht es nun in der sowieso nur mit Mühen laufenden großen Regierungskoalition in Wien. Die Wetten stehen gut, dass die Österreicher, die später begonnen haben, sich von einer Großen Koalition regieren zu lassen, früher als die Deutschen damit aufhören werden.

Doch der Reihe nach und hinten angefangen: Österreich gedenkt in diesen Tagen dessen, was vor 70 Jahren geschah: des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich. Seit der Aufarbeitung dieses Ereignisses zur 50-Jahr-Feier sind sich die Historiker des Nachbarlandes einig, dass das kein Tag der Freude war, aber auch keiner, der die Österreicher damals in tiefe Depression verfallen ließ. Otto von Habsburg allerdings, seit 95 Jahren Sohn des letzten regierenden österreichischen Kaisers, sieht das auf seine alten Tage anders: Es gebe, sagt er, keinen anderen Staat in Europa, der mehr Recht habe, sich als Opfer der Nazis zu bezeichnen als Österreich.

Nun mag ein Kaisersohn denken, was er will. Nur hat der Ehrengast Otto von Habsburg diese Äußerung im überfüllten Reichsratssaal des Parlaments an der Wiener Ringstraße losgelassen und unter dem Beifall der Zuhörer, die sich von den Sitzen erhoben, noch einiges von ähnlicher Qualität nachgeschoben.

Die Zuhörer – das waren vor allem Abgeordnete der in Österreich mitregierenden Volkspartei, zu der auch der ehemalige Kanzler Wolfgang Schüssel gehört. Er sah sich als Einziger gezwungen, Otto ein bisschen in die Parade zu fahren und festzustellen, dass die Österreicher „leider auch Täter“ geworden seien. Der Rest: Er schwieg oder applaudierte eben.

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