Österreich
Josef Pröll: Ein Wiener Aufsteiger

Der österreichische Finanzminister Josef Pröll hat zurzeit kein ruhiges Leben. Schließlich muss er fürchten, dass in Osteuropa, direkt vor seiner Haustür, die Bankenkrise erneut eskaliert. Wie ein Hoffnungsträger der österreichischen Politik in der Krise Kurs hält.

Vielleicht hätte er doch den Posten des Außenministers annehmen sollen. Josef Pröll, Vizekanzler und Chef der österreichischen konservativen Volkspartei ÖVP, hat sich aber dann für das Finanzressort entschieden – und damit für den unruhigeren Posten. Jetzt ist er als Krisenmanager für die unter Druck geratenen österreichischen Banken unterwegs. Immer wieder bereist er Osteuropa, um die Regierungen dort für ein Hilfspaket zugunsten der lokalen Banken zu gewinnen.

„Die Lage ist angespannt, aber es besteht kein Grund zu übertriebener Besorgnis“, stapelt Pröll demonstrativ tief. Denn Österreichs Banken könnten extrem viel verlieren, wenn im Osten die ganz große Krise ausbricht – die kleine Alpenrepublik ist schließlich größter Kreditgeber der Region und mit allen großen Banken dort vertreten.

Innenpolitisch hat sich der 40-jährige Pröll längst bewährt, jetzt feilt er an seinem internationalen Profil. In der ÖVP muss man davon niemanden überzeugen. Der studierte Agrarökonom hat eine politische Blitzkarriere hingelegt. Nach mehreren Stationen innerhalb der Parteiorganisation zog er 2003 als jüngster Minister der Geschichte Österreichs in die Bundesregierung ein – mit 34 Jahren. Doch im vergangenen Herbst erlebte seine ÖVP eine vernichtende Wahlniederlage. Die alte Führungsspitze trat ab, und es wurde eine neue zentrale Figur gesucht. Die Wahl fiel schnell auf Pröll, den jungen Hoffnungsträger, die personifizierte Zukunft der Partei.

„Ihm ist es bemerkenswert gut gelungen, die Reihen nach der verheerenden Wahlniederlage geschlossen zu halten“, sagte der renommierte Politikwissenschaftler Peter Filzmaier. Auch Prölls engagierte Suche nach einer Lösung des Bankenproblems werde positiv vermerkt. Nach Ergebnissen werde jetzt noch nicht gefragt. Noch nicht.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%