Österreich
Kanzler Gusenbauer teilweise entmachtet

Nach einem massiven Popularitätsverlust hat Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer einen Teil seiner Macht verloren. Er musste sein Amt als SPÖ-Vorsitzender praktisch abgeben. Verkehrsminister Faymann soll nun die Parteiführung übernehmen.

HB WIEN. Schlag für Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer: Wenige Stunden vor der Fußball-EM- Partie Deutschland-Österreich, das Gusenbauer an der Seite der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgen wollte, wurde er teilweise entmachtet. Das sozialdemokratische Parteipräsidium stellte Gusenbauer den Verkehrsminister Werner Faymann zunächst als "geschäftsführenden Vorsitzenden" zur Seite. Auf einem Parteitag im Oktober soll Faymann dann das Amt offiziell von Gusenbauer übernehmen. Gusenbauer werde aber weiter Kanzler bleiben, sagte Faymann nach der Sitzung.

Gusenbauer hat mit der SPÖ am 1. Oktober 2006 bei den österreichischen Parlamentswahlen überraschend die konservative Volkspartei als stärkste Fraktion abgelöst. Seither hat er jedoch ständig an Beliebtheit verloren. Nach einer am Sonntag von der Zeitung "Österreich" veröffentlichten Umfrage liegt die Zustimmung zu seiner Person bei nur noch 16 Prozent. Das ist der niedrigste Beliebtheitswert, der jemals für einen österreichischen Regierungschef gemessen wurde. In den vergangenen Tagen waren auch Rufe nach einer Ablösung Gusenbauers im Kanzleramt immer lauter geworden.

Gusenbauer sagte nach der Sitzung vor der Presse: "Ich bleibe der Bundeskanzler und werde der Spitzenkandidat bei der nächsten Wahl sein." Er selbst habe diese Lösung vorgeschlagen. Angesichts der Situation der Partei habe er seine Bedenken gegen eine Ämtertrennung beiseite gestellt. Die SPÖ hatte ihren Kanzler in den vergangenen Monaten zunehmend wegen völliger Passivität innerhalb der SPÖ - geführten großen Koalition kritisiert.

Neben Gusenbauer verlor auch der bisherige SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina seinen Parteijob. Kalina wurde durch die amtierende Familienministerin Doris Bures ersetzt, die dieses Amt schon einmal innehatte. Sie soll nun wieder Ruhe in die aufgewühlte Partei bringen.

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