Österreich
Warten auf den großen Wurf in Wien

Die „Zwangsehe“ wird fortgesetzt: Eine große Koalition aus SPÖ und ÖVP wird Österreich in den nächsten Jahren regieren – wie in bisher 40 von 68 Nachkriegsjahren. Die Erwartungen an die Regierung sind hoch.
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WienZuletzt ging es ganz schnell. War es die Sorge, eine gemeinsame Regierungsarbeit ausgerechnet am Freitag, dem 13., beginnen zu lassen? Jedenfalls haben sich in Österreich die sozialdemokratische SPÖ und die christdemokratische ÖVP dank einer Marathonsitzung noch am Donnerstag für eine Neuauflage ihrer Koalition entschieden.

Experten sind skeptisch, ob diese politische Verbindung unter einem günstigen Stern steht. „Das ist schon längst eine Zwangsehe, das ist auch keine Vernunftehe mehr“, sagt der Politikberater Thomas Hofer. Der Klebstoff der Zusammenarbeit sei die Alternativlosigkeit - und der Erfolg der rechten FPÖ, die inzwischen laut Umfragen die populärste Kraft in der Alpenrepublik ist.

Umso mehr muss die große Koalition, das Standard-Modell einer Regierung in der Alpenrepublik, angesichts einer lahmenden Wirtschaft und großer Finanzprobleme erhebliche Erwartungen erfüllen. „Bloß nicht weiter so“, hieß das selbstkritische und selbstauferlegte Motto zu Beginn der siebenwöchigen Koalitionsverhandlungen. Was genau herausgekommen ist, wollten SPÖ und ÖVP am Donnerstag noch nicht verraten. Beobachter gehen eher von kleinen Schritten als von einem großen Wurf aus.

So müssen sich die 8,5 Millionen Bürger zwischen Bregenz und Wien auf höhere Steuern fürs Rauchen, für Sekt und beim Autokauf einstellen. Andererseits können sich Familien wohl auf eine Anhebung des Kindergelds freuen. Die für die SPÖ brisante Frage von weiteren Privatisierungen - bei Post, Telekom Austria und beim Energieriesen OMV - wurde vertagt.

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