Österreich zieht Truppen ab
Eskalation an israelischer Grenze

Dramatische Entwicklung im syrischen Bürgerkrieg: Nach heftigen Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen im Grenzland zu Israel zieht Österreich seine Blauhelm-Soldaten vom Golan ab.

Istanbul/Tel AvivIm syrische Bürgerkrieg spitzt sich die Lage auf den Golanhöhen bedenklich zu. Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann kündigte am Donnerstag den Abzug der österreichischen Blauhelm-Soldaten an. Zuvor hatten an der israelischen Grenze Rebellen und Regierungstruppen heftig gekämpft.

Regierungstruppen schlugen nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana die Aufständischen vom einzigen Grenzübergang auf dem Golan auf der syrischen Seite bei der Stadt Kunaitra zurück, den sie zuvor eingenommen hatten. Das bestätigte laut Nachrichtenagentur APA auch das österreichische Verteidigungsministerium.

Österreich stellt mit 380 Soldaten etwa ein Drittel der UN-Truppe, die auf dem Golan die Einhaltung der Waffenstillstandsvereinbarung Israels mit Syrien überwacht. Das Verteidigungsministerium habe in den vergangenen Wochen eine nachhaltige Verschlechterung der Lage festgestellt, heißt es in der Erklärung Faymanns: „Die Freiheit der Bewegung im Raum ist de facto nicht mehr gegeben. Eine unkontrollierte und unmittelbare Gefährdung der österreichischen Soldaten ist auf ein inakzeptables Maß angestiegen.“

Israel beschwerte sich am Donnerstag offiziell bei der Undof über das Eindringen syrischer Panzer in die Sicherheitszone. Das wurde der Nachrichtenagentur dpa aus militärischen Kreisen bestätigt.

Israel erklärte laut Militärangaben die Region rings um den Übergang auf israelischer Seite zum Sperrgebiet. Bauern dürften auf keinen Fall zur Arbeit auf die Felder. Nach Augenzeugenberichten schlug eine Granate in einem UN-Lager auf der syrischen Seite ein. Der israelische Bauer Alex Schalom wurde von der Zeitung „Jerusalem Post“ mit den Worten zitiert, er habe israelische Militärambulanzen mit Verletzten von dem Übergang wegfahren sehen.

Israel hatte die Golanhöhen im Sechstagekrieg 1967 von Syrien erobert und später annektiert. Beide Länder befinden sich offiziell im Kriegszustand. Ein Jahr nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 wurde die Einrichtung einer Pufferzone unter UN-Kontrolle vereinbart. Dort dürfen sich eigentlich nur UN-Beobachtertruppen aufhalten. Allerdings wird das sowohl von Rebellen als auch von Seiten des Regimes zunehmend ignoriert. UN-Soldaten wurden bereits von regierungsfeindlichen Milizen entführt.

In einer Videobotschaft wandte sich Al-Kaida-Anführer Aiman al-Sawahiri an die Aufständischen in Syrien. In der von dschihadistischen Webseiten verbreiteten Aufnahme rief er die Rebellen zum gemeinsamen Kampf „unter dem Banner des Islams“ gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad, die USA und Israel und für ein „Kalifat“ auf. „Die USA und ihre Verbündeten und Agenten wollen euer Blut und das eurer Frauen und Kinder vergießen, um das baathistische und alawitische Regime zu stürzen, damit sie eine Regierung errichten können, die ihnen gegenüber loyal ist und Israels Sicherheit garantiert.“

Im Syrienkrieg sind seit März 2011 laut UN mindestens 80 000 Menschen getötet worden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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