Österreichischer Außenminister
Der wahrlich talentierte Mr. Kurz

Während Firmenchefs das Land als macht- und einflusslos ansehen, träumt Österreichs junger Minister von Weltpolitik in Wien. Doch die Ergebnisse des Treffens zur Ukraine-Krise geben vorerst keinen Anlass zur Hoffnung.
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WienAuf die Frage, was er vom neuen Außenminister Sebastian Kurz halte, antwortet der CEO eines der größten österreichischen Konzerne: „Österreich ist außenpolitisch bedeutungslos.“ Das gnadenlose Urteil über den gerade mal 27 Jahre alten Novizen der Diplomatie ist beispielhaft für die Frustration der ökonomischen Elite über die österreichische Politik. Der Studienabbrecher hat es daher nicht leicht. Dafür ist auch sein Vorgänger, Vizekanzler Michael Spindelegger, verantwortlich. Unter ihm verwahrloste das Amt.
Sebastian Kurz aber, das Nachwuchstalent der konservativen ÖVP, hat das Amt des Außenministers im Herbst 2013 übernommen, um die Alpenrepublik aus der Bedeutungslosigkeit zu holen. Er träumt von Weltpolitik – made in Austria.
Und da Österreich gerade im Europarat den Vorsitz hat, war der manchmal als „Buberl“ verspottete Politiker nun in der Wiener Hofburg der Gastgeber für das Treffen der Außenminister der Mitgliedsländer des Europarats. Und der Neuling nutzte seine Chance zur Selbstinszenierung.

Persönlich begrüßte der PR-erfahrene Politiker die beiden Kontrahenten, den russischen Außenminister Sergej Lawrow und den ukrainischen Amtskollegen Andrej Deschtschiza, in Wien. Er lernt schnell, dieser Mann, der mit dem zurück gegelten Haar wie eine moderne Interpretation von Falco aussieht. Die gute Atmosphäre, die der talentierte Mr. Kurz erzeugte, machte dennoch das Wiener Treffen nicht zum Erfolg. Der Putin-Vertraute Lawrow ist zwar zu einer neuen Ukraine-Konferenz bereit, sofern die ukrainische Opposition mit einbezogen wird. Doch das lehnt die Regierung in Kiew rundweg ab.
Als Jungpolitiker hatte er noch mit sexistischer Propaganda Schlagzeilen gemacht, solche Fehler unterlaufen ihm heute nicht mehr. Auch, weil Europas jüngster Außenminister auf Ratgeber wie den früheren Kanzler Alfred Gusenbauer und der Unternehmensberaterin Antonella Mei-Pochtler hört. Denn sie haben, was Kurz noch fehlt, internationale Erfahrung und Netzwerke.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Österreichischer Außenminister: Der wahrlich talentierte Mr. Kurz"

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  • Sehr geehrter Herr Siebenhaar,

    1.
    wenn Sie es lieben, Artikel auf diesem Niveau zu schreiben, sollten Sie sich vielleicht bei "Brigitte" oder "Für Sie" bewerben. Da kann man so was verkaufen.

    2.
    Dieser Kurz ist noch jung (vielleicht wirklich ZU jung für ein solches Amt). Aber man sollte Leute nicht zu früh verurteilen. Ich kann ihn bisher überhaupt noch nicht beurteilen.

    3.
    Zitat: ...träumt Österreichs junger Minister von Weltpolitik in Wien. Doch die Ergebnisse des Treffens zur Ukraine-Krise geben vorerst keinen Anlass zur Hoffnung.
    Das liegt aber wohl mehr an der Ukraine-Krise und allen darin verwickelten Parteien, als an Herrn Kurz. Auf Grund der aktuellen politischen Entwicklungen, war er jetzt eben "an der Reihe". Ausgesucht hat er sich das wohl nicht.

    4.
    Was erfahren wir über das Außenministertreffen? Praktisch nichts! Was soll das bringen?

    Für Ihre weitere Karriere würde ich Ihnen mal die Lektüre folgenden Artikels empfehlen (und eigentlich allen deutschen Journalisten). Könnte für die berufliche Zukunft recht hilfreich sein.

    https://gigaom.com/2014/04/25/for-journalists-interacting-with-readers-isnt-just-good-practice-it-could-mean-survival/

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