Österreichs Notenbankchef
„Die EZB als einziger Aufseher ist unrealistisch“

Ewald Nowotny, Chef der Österreichischen Notenbank, hält den Plan einer EZB-Aufsicht, die alle Banken kontrolliert, für „nicht realistisch“. Genau dafür hatten sich die Staats- und Regierungschefs ausgesprochen.
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Wien/FrankfurtÖsterreichs Notenbankchef Ewald Nowotny hält eine Aufsicht über alle europäischen Banken unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) für nicht machbar. "Ich denke nicht, dass es realistisch ist, in der EZB einen einzigen, einheitlichen Bankenaufseher über Tausende Banken zu etablieren", sagte Nowotny am Montag in Wien. Er sei sich aber sicher, dass eine vernünftige Lösung gefunden werden könne. Die Staats- und Regierungschefs hatten beim EU-Gipfel vergangene Woche vereinbart, dass es künftig eine europaweite Aufsicht über die Banken geben soll - "unter Einbeziehung der EZB". Was das konkret bedeutet, ist allerdings noch völlig unklar.

Vielen Fachleuten erscheint es am realistischsten, dass die Notenbank in Zukunft die größten und wichtigsten Geldhäuser überwachen wird, während sich die nationalen Aufseher um den großen Rest der Institute kümmern. EZB-Direktor Jörg Asmussen hatten Ende Mai bereits einen Kreis von etwa 25 Instituten als so bedeutend eingeschätzt, dass sie den nationalen Aufsehern entzogen werden könnten.

Auch Nowotny äußerte sich in diese Richtung: "Auf jeden Fall werden die lokalen Aufseher, die lokalen Regulierer nationale Entscheidungen treffen, aber die internationale Kontrolle der Qualität (dieser Entscheidungen) könnte der EZB übertragen werden", sagte das EZB-Ratsmitglied. Derzeit besteht die Bankenaufsicht in Europa aus der in London ansässigen EBA, die allerdings keine Durchgriffsrechte auf staatlicher Ebene hat. In Deutschland teilen sich die Finanzaufsicht BaFin und die Bundesbank die Aufsicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Noch einer, der erst auf der Rückreise im Protokoll gelesen hat, was er da beschlossen hat.

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