Österreichs Präsident ist tot
Klestil wurde von den Österreichern geschätzt

Österreichs Bundespräsident Thomas Klestil ist Dienstagnacht im Alter von 71 Jahren an Herzversagen gestorben. Heinz Fischer würdigte seinen Vorgänger mit den Worten: Klestils Lebensweg sei eindrucksvoll und bis zum letzten Atemzug von Pflichterfüllung geprägt gewesen.

HB WIEN. Klestil war zwölf Jahre lang das Staatsoberhaupt Österreichs und der siebente Präsident seines Landes seit 1945. Er sollte am Donnerstag sein Amt feierlich an seinen Nachfolger, den im April gewählten Sozialdemokraten Heinz Fischer, übergeben. 1992 war Klestil als Kandidat der konservativen Volkspartei (ÖVP) zum Präsidenten gewählt worden. Der Sohn eines Straßenbahnfahrers bezog seinen Arbeitsplatz in der Wiener Hofburg, der früheren kaiserlichen Residenz, in der heute die Präsidentschaftskanzlei liegt.

Klestil wurde am 4. November 1932 in einem Wiener Arbeiterbezirk geboren. Er studierte Wirtschaft und begann im Alter von 25 Jahren im Bundeskanzleramt zu arbeiten. Als Diplomat verbrachte er 18 von 35 Jahren seiner Laufbahn in den USA. Er war mehrere Jahre Österreichs Vertreter bei den Vereinten Nationen (UN) in New York und Botschafter in Washington. Als Vertreter Österreichs in den USA bekam er 1986 die Irritationen zu spüren, die die Wahl des wegen seiner Kriegsvergangenheit umstrittenen Kurt Waldheim zum Präsidenten ausgelöst hatte. Nach seiner Rückkehr nach Wien 1987 wurde Klestil ranghöchster Beamter im Außenministerium, bis er 1992 zum Staatsoberhaupt gewählt wurde. Im Jahr 1996 erkrankte Klestil an einer schweren Lungenentzündung, deren Folgen ihm seitdem zu schaffen machten. Er wurde 1998 als Präsident wiedergewählt.

Das Amt des österreichischen Staatsoberhaupts gilt als Repräsentationsposten mit wenig Einfluss, auch wenn die Verfassung dem Präsidenten viele Befugnisse einräumt. So kann der Präsident den Bundeskanzler auswählen und die gesamte Regierung entlassen. Allerdings ist die Absetzung der Regierung durch den Präsidenten noch nie vorgekommen. Beim Amtsantritt der Regierung aus ÖVP und rechtspopulistischer Freiheitlicher Partei (FPÖ) im Jahr 2000 sorgte Klestil jedoch für Aufsehen. Er nahm die Vereidigung der Regierungsmitglieder mit steinerner Miene vor und gab sich kaum Mühe, seine Ablehnung für die von Kanzler Wolfgang Schüssel als Koalitionspartner erwählte FPÖ zu verbergen.

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