Offenbar abgeschossen
Deutsche an Bord des abgestürzten Flugzeugs

In der Nähe von Donezk ist ein Verkehrsflugzeug abgeschossen worden. 298 Menschen, die an Bord waren – darunter vier Deutsche – sollen tot sein. Bleibt die Frage: Wer hat geschossen?
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Grabowo/Kiew/Donezk/Frankfurt/Washington/BerlinNach dem mutmaßlichen Abschuss einer mit 298 Menschen besetzten Passagiermaschine über der Ostukraine herrscht Unklarheit über den Schuldigen für die Katastrophe. Die Regierung in Kiew warf kremltreuen Separatisten vor, das Flugzeug abgeschossen zu haben. Doch die Rebellen gaben die Schuld den ukrainischen Streitkräften. Die USA forderte eine „sofortige Waffenruhe“ in dem Gebiet. Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama rief Russland, die prorussischen Separatisten und die Ukraine in der Nacht dazu auf, um internationalen Experten „sicheren und uneingeschränkten“ Zugang zur Absturzstelle zu gewähren. Auf Betreiben Großbritanniens berief der UN-Sicherheitsrat eine Krisensitzung zur Ukraine ein, die am Freitagnachmittag stattfinden soll. Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine wollen Ermittler offenbar zu der Absturzstelle von Flug MH17 lassen. Sie hätten eine entsprechende Garantie abgegeben, teilte die Ukraine-Kontaktgruppe mit Vertretern aus Kiew, Moskau und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Freitag mit.

Der ukrainische Geheimdienst hat nach eigenen Angaben Telefongespräche abgehört, in denen prorussische Aufständische den Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeugs eingestehen sollen. Wenige Minuten nach dem Absturz der Boeing hätten die Separatisten dem russischen Militär übermittelt, dass Kosaken-Milizen das Flugzeug getroffen hätten. Möglicherweise seien die Aufständischen davon ausgegangen, auf ein ukrainisches Militärflugzeug vom Typ Antonow An-26 zu schießen. Der ukrainische Geheimdienst SBU veröffentlichte die Telefonate, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen lässt. Es bleibt unklar, mit welchen Waffen eine einzelne Gruppe von Aufständischen eine Verkehrsmaschine in 10.000 Metern Flughöhe getroffen haben könnte.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sagte, die ukrainischen Streitkräfte hätten keine Ziele im Luftraum angegriffen. Er sprach von einem „Akt des Terrorismus“ und forderte eine internationale Untersuchung.

Separatistenführer Andrej Purgin zeigte sich hingegen sicher, dass die ukrainischen Truppen das Flugzeug vom Himmel geholt hätten. Doch legte er keine Beweise vor.
US-Geheimdienste gingen davon aus, dass das Passagierflugzeug mit einer Boden-Luft-Rakete zum Absturz gebracht worden sei. Ob von der russischen oder der ukrainischen Seite geschossen wurde, sei jedoch noch ebenso ungeklärt wie die Frage, wer gefeuert habe. Allerdings sei eine Täterschaft prorussischer Separatisten wahrscheinlicher, weil die ukrainischen Streitkräfte nicht über die Kapazitäten verfügten, sagte der Gewährsmann.

US-Vizepräsident Joe Biden bestätigte den Abschuss. Der Vorfall sei „kein Unfall“ gewesen, erklärte er. Vielmehr sei das Flugzeug „vom Himmel geblasen“ worden.

Trotz des Dementis der prorussischen Separatisten scheint es nach übereinstimmenden Berichten klar zu sein, dass die Rebellen im Besitz von Buk-Raketen sind. Diese Raketen sind in Lage, Ziele in bis zu mehr als 20.000 Meter Höhe zu treffen. Die malaysische Maschine soll sich zum Zeitpunkt des Unglücks in rund 10.000 Meter Höhe befunden haben.

Die Maschine vom Typ Boeing 777 sei auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur gewesen, zitierte die Agentur den Ministeriumsberater Anton Geraschenko weiter. Sie sei zum Zeitpunkt des Abschusses in zehn Kilometern Höhe geflogen.

Beim Flugzeugabsturz über der Ostukraine wurden nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines vom Freitag 298 Menschen getötet. Darunter waren 154 Niederländer, 43 Menschen aus Malaysia (einschließlich der 15 Besatzungsmitglieder und zwei Kinder), 27 Australier, 12 Indonesier (darunter ein Kind), 9 Personen aus Großbritannien, 4 Deutsche, 4 Belgier, 3 Philippiner sowie ein Kanadier. Von 41 Menschen konnte die Nationalität noch nicht festgestellt werden.

Rettungskräfte im Osten der Ukraine haben Dutzende Leichen gefunden. Bislang seien 121 Tote geborgen worden, teilte der ukrainische Zivilschutz am Freitagmorgen nach Angaben der Agentur Interfax mit.

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  • Zitat Sag Ichnicht: "... diese Diskussion hier ist widerlich und respektlos."

    Das ist sie!! Ekelhaft!!

  • Wollen die USA einen NATO-Krieg mit Russland?

    Trotz WM-Euphorie ist die Gefahr eines 3. Weltkrieges größer denn je. In Zeiten immenser Staatsverschuldung und leerer Staatskassen wurden in der Vergangenheit immer große Kriege geführt, angepasst an den Grad der Gier ihrer Initiatoren.

    Die USA sind im freien Fall und dabei ihre Weltherrschaft an China & Russland abzutreten.
    Unter diesem Gesichtspunkt sind unter anderen der Syrien- und der Ukrainekonflikt zu sehen.

    Die USA agieren seit Jahrzehnten nach dem Motto: „Unser Dollar, aber euer Problem!“, indem sie nach dem durch die private FED inszenierten „fiat money“-System wertvolle Rohstoffe gegen „wertlose“ Dollar tauschen.

    Mit ihrer privaten Weltwährung Dollar musste jedes Land der Welt im internationalen Zahlungsverkehr sich Rohstoffe bezahlen lassen und die private FED konnte dafür ohne Ende bunte Papierdollar drucken.

    Gegen die Länder, die in der Vergangenheit nicht an diesem Spiel teilhaben wollten, sondern ihre Rohstoffe für andere Währungen weggaben, wurde ein Krieg inszeniert (Irak, Afghanistan, etc.)

    In der Tat besteht derzeit eine Gefahr, dass ein 3. Weltkrieg sich an den aktuellen Konflikten entzünden könnte. In der Jelzin-Ära sind die Amis in Russland schon fast am Ziel gewesen, da sie über Beteiligungen an den Schlüsselindustrien wie Öl und Gas, aber auch den Medien, schon einen großen Profit aus dem Land gezogen hatten.

    Das änderte sich als Putin an die Macht kam.
    Er bekämpfte mit nationaler Wirtschaftspolitik und Antispekulationsmaßnahmen das alte System und re-verstaatlichte bedeutende Vorkommen an Bodenschätzen und sicherte dem russischen Staat Mehrheitsbeteiligungen an der Energiewirtschaft und anderen Schlüsselindustrien.

    Aus diesem Grund ist Putin den USA ein Dorn im Auge und wird deswegen in den Medien verteufelt.
    Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

    http://www.mmnews.de/index.php/politik/19125-10000-auf-mahnwache-berlin-#14055995469512&if_height=9665

  • Liebes Handelsblatt,

    diese Diskussion hier ist widerlich und respektlos. Es sind fast 300 Menschen gestorben. Da finde ich, gehört es sich nicht über solche belanglosen und bescheuerten Dinge zu sprechen. Die Herren und Damen, die hier so intensiv diskutieren, sollten Email-Adressen austauschen und sich dann beschimpfen und beleidigen.

    Schade, dass einzelne Menschen die Macht hätten diesen Krieg zu beenden und dies nicht tun. Stattdessen wird tatenlos zugeschaut wie weiter unschuldige Menschen sterben.

    Mein Beileid an die Angehörigen der abgestürzten Maschine.

    Evtl. sollte man mal darüber nachdenken solche sensiblen Artikel für Kommentare zu sperren. Man kann nur hoffen, dass kein Angehöriger diesen Mist liest.

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