Offene Attacken bei Besuch im Europaparlament
Dalai Lama geißelt China

Mit ungewohnt deutlichen Worten hat der Dalai Lama China beim Besuch des Europaparlaments kritisiert. So lange China die Menschenrechte nicht achte, habe es nicht die moralische Autorität sich als Supermacht zu gerieren, sagt das geistige Oberhaupt der Tibeter. Seine offenen Worte könnten die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen der EU und China weiter belasten.

BRÜSSEL. Mit dem Fasten nimmt es der Dalai Lama nicht so genau. Während Europaabgeordnete und EU-Beamte zu Ehren des hohen Besuchs am Donnerstag schon um Mitternacht das Essen einstellten, gönnte sich das geistige Oberhaupt der Tibeter noch ein kräftiges Frühstück. Offenbar wollte der 73-Jährige gestärkt in den langen Brüsseler Tag gehen. Denn was er dann im Europaparlament vortrug, hatte es in sich. Seine scharfen Attacken könnten die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen der EU und China weiter belasten.

China habe nicht die "moralische Autorität", um sich als Supermacht zu gerieren, sagte der Dalai Lama. Zwar verfüge das Reich der Mitte über wichtige Attribute wie militärische oder wirtschaftliche Macht. China habe den Aufstieg zur Supermacht auch durchaus verdient. Doch die schlechte Menschenrechtslage, fehlende Meinungsfreiheit und massive Zensur belasteten den Ruf des Landes. "China sollte in diesem Bereich sensibler werden, wenn es von der Welt mehr Respekt erwartet."

Auch mit der chinesischen Tibetpolitik ging der Dalai Lama hart ins Gericht. Die Repression habe nicht nachgelassen, die antitibetanische Propaganda gehe unvermindert weiter. Die vor der Olympiade versprochenen Gespräche mit der Regierung seien nie wirklich zustande gekommen, da sich die Hardliner in Peking durchgesetzt hätten. "Es ist völlig klar: Sie wollen einfach nicht mit uns reden", sagte er. "Sie glauben, dass sie dieses Problem in Tibet mit Unterdrückung und Gewehren lösen können. Doch das ist ein Irrtum."

Ausdrücklich bekannte sich der Dalai Lama, den Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering nur mit "seine Heiligkeit" anredete, zur Gewaltfreiheit. "Ich predige Mitgefühl, Liebe und Glück", sagte er. Seine Haltung werde auch von der tibetanischen Bevölkerung geteilt. Zwar gebe es Kritik daran, dass er für Tibet lediglich einen Autonomie-Status und keine Unabhängigkeit anstrebe. "Aber selbst diejenigen, die für eine Unabhängigkeit eintreten, bekennen sich klar zum gewaltfreien Protest."

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