Offene Fragen zum Zypern-Hilfspaket
„Ein Nein im Parlament ist ein Albtraumszenario“

Die Zustimmung des zyprischen Parlaments zur Zwangsabgabe auf Bankeneinlagen entwickelt sich zur Hängepartie. Commerzbank-Analyst Christoph Weil ist sich dennoch sicher, dass die Zyprer am Ende zustimmen werden.
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Europa bangt um Zypern. Das Parlament steht vor der Entscheidung, ob es die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen billigt und damit die Bedingung der Euro-Finanzminister für ein Hilfspaket erfüllt. Wegen der unsicheren Mehrheitsverhältnisse hat das Parlament in Nikosia die Abstimmung über das von der Eurogruppe beschlossene Rettungspaket vertagt. Das Repräsentantenhaus wird statt wie geplant am Montag nun erst am Dienstag (18.00 Uhr) zusammenkommen.

"Ein Nein im Parlament ist ein Albtraumszenario", warnt der Commerzbank-Analyst Christoph Weil im Gespräch mit Handelsblatt Online. "Das Bankensystem würde sofort zusammenbrechen." Für die Privatkunden hieße das, sie bekämen kein Geld mehr. Die Vermögen der Banken würden zur Insolvenzmasse. "Gleichzeitig würde der Zahlungsverkehr zusammenbrechen und das ginge mit einer massive Rezession einher", sagt Weil.

Deshalb geht er davon aus, dass sich das zyprische Parlament auf eine Lösung einigt. "Ob noch ein Freibetrag eingeführt wird oder nicht, liegt im Ermessen des Landes." Bei den Details schätzt der Analyst die EU-Finanzminister als flexibel ein. "Da wird im Hintergrund vermutlich schon verhandelt." Der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfond (IWF) ist vor allem wichtig, dass die vereinbarten 5,8 Milliarden Euro zusammen kämen.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen bestätigte, dass man nicht im Detail auf das Modell bestehe, das Ergebnis von Verhandlungen gewesen sei. Die Zyprer könnten selbst über die Struktur des Programms entscheiden - so lange Privatanleger mit dem vereinbarten Betrag an dem Paket beteiligt werden. Eine Lösung, in der Kleinsparer von der Sondersteuer verschont bleiben oder weniger als die ursprünglich geplanten 6,75 Prozent zahlen müssen ist also durchaus vorstellbar. Dann müssten Kunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro entsprechend stärker besteuert werden.

"Egal, wie die Steuer im Detail beschlossen wird, es wäre eine Lösung, die sofort Wirkung zeigt und recht geregelt ablaufen kann", sagt Analyst Weil. "Die Abgabe wird sofort abgebucht und laut EZB sind dann alle Guthaben frei verfügbar." Betroffen wären alle Bankguthaben, also Giro- und Tagesgeldkonten ebenso wie festangelegtes Geld. Die eingezogenen Mittel würden genutzt, um die Banken unmittelbar mit frischem Kapital auszustatten. "Dadurch können die Geldhäuser wieder Geld aufnehmen und auch auszahlen."

Nachdem die Entscheidung auf Dienstag vertagt wurde, rechnet Weil damit, dass die Banken am Mittwoch wieder geöffnet sind. "Ich gehe nicht davon aus, dass dann in großem Stil Geld abgezogen wird." Wenn Kleinsparer aus Angst ihr Guthaben abheben würden, brächte das die Geldhäuser wohl kaum in Bedrängnis, das wäre nur der Fall, wenn russische Oligarchen oder wohlhabenden Griechen ihr gesamtes Geld abziehen würden. "Die werden aber Schwierigkeiten haben, ihr komplettes Vermögen so schnell umzuschichten", sagt Weil. Schließlich würden Banken in anderen europäischen Ländern bei größeren Summen Nachforschungen anstellen, wo das Geld herkommt. "Das wäre für manchen sicher nicht so einfach."

Zumal sie nichts mehr davon hätten, ihr Geld dann abzuziehen. Die Steuer würde ja vorher schon abgezogen. "Höchstens aus Angst vor zukünftigen Steuern oder aus Trotz könnte man sich entscheiden, die Vermögen anderweitig zu lagern", so Weil. Um dem vorzubeugen, hat Zyperns Präsident Nikos Anastasiades bereits am Sonntagabend versucht, die von Abgaben bedrohten Sparer zu besänftigen. Die Kunden würden umgehend mit Aktien der betroffenen Banken entschädigt. Treuen Sparern stellte Anastasiades eine weitere Kompensation in Aussicht: Wer sein Geld für die nächsten zwei Jahre im Lande lasse, soll 50 Prozent der verlorenen Summe in Form von Optionen auf die Gewinne aus den vermuteten Gasvorkommen vor der Küste Zyperns erhalten.

"Da schwingt natürlich ein bisschen Verzweiflung mit", sagt Analyst Weil. "Vor allem die Gas-Optionen wirken recht vage." Bis Einnahmen aus dem vermuteten Gas flössen, dauerte es noch mindestens vier Jahre. Für das Kapital, das er den Sparern wegnehmen und den Banken geben soll, erwerbe der Staat natürlich Anteilsscheine, erklärt der Analyst. Die wiederrum könne er als Entschädigung an die Sparer ausgeben.


Kommentare zu " Offene Fragen zum Zypern-Hilfspaket: „Ein Nein im Parlament ist ein Albtraumszenario“"

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  • Die AfD könnte als Zünglein an der Waage sehr gefährlich werden,
    für den Euro und die etablierten Parteien. Aber das ist gut so, denn Mittlerweile haben die Meisten schon erkannt, dass wir von Verbrechern regiert werden, von den Marionetten der Banken und Konzerne, hierzulande Politiker genannt. Dieses Pack lebt auf unsere Kosten wie die Made im Speck von unseren Steuern, den Schutzgeldzahlungen an die Staatsmafia. Würden nämlich wir als Staat, als wahrer Souverän das Geld aus der Luft schöpfen wie die Privatbanken, bräuchte sich "der Staat" kein Geld bei den Banken zu leihen, wäre nicht verschuldet, bräuchte keine Zinsen und wir somit keine Steuern zu bezahlen. Das ist der gemeinste Steuerbetrug aller Zeiten. Nun haben diese regierenden Verbrecher Angst davor, dass mit dem Zusammenbruch des Euros dieses ganze System zusammenbricht. Darum geht es.

  • Ist die Commerzbank in Zypern so stark involviert, dass so
    ein Kommentar zustande kommt? Die Äuserungen sind mehr von
    Wunschdenken als den Realitäten gezeichnet.gez.walterwerner.de

  • Nicht nur das!

    Welcher Ausländer kann dann noch Geld in Deutschland oder in der EU anlegen?

    Wohl dem, der Gelder in der Schweiz liegen hat! Bei diesen Geldanlagen geht es weder um Zins noch um Steuerhinterziehung, wie Steinbrück & Co. glauben machen wollten. Es geht schlicht um die Verhinderung des Zugriffs, der Enteignung von Vermögen alla Zypern.

    Frau Merkel wird sagen, jetzt habe ich sie da, wo ich sie schon immer haben wollte. Ganz wie früher und fühlt sich in ihrem neuen Sozialismus pudelwohl. Kein Wunder, dass sich Kohl mit ihr überworfen hat. Und dennoch trägt er Mitschuld. Er hatte es versäumt denkende, kritische Parteimitglieder in seiner Partei zu fördern und sie stark zu machen. Das was heute so rum läuft, deren „Fresse“ mag man gar nicht mehr anschauen wollen.

    Es gibt viel zu wenige Bosbachs!

    Und soll mir nur einer erzählen, es sei der Vorschlag der Zyprioten gewesen. Zu laut waren da die Wortmeldungen aus Berlin, die vorgaben, "niemand hatte die Absicht" ...

    Den Spruch hat uns Angela Merkel auch schon gelehrt.

    Hinterlistig und feige ist das.

    Zypern war m.E. lediglich der Versuch was passiert, wenn man den Leuten das Geld einfach wegnimmt. Wegen solch asozialem Verhalten der Politiker, auch der unsrigen, gehören sie hinter Schloss und Riegel.

    Erst Zypern, dann wir!
    Die Parallelen zu 1933 werden immer deutlicher. Wo ist unsere Elite?
    Beschäftigt die sich denn nur noch mit Boni und Absahnerei?

    Wer und wo ist unsere Elite?

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