Offene Fragen zum Zypern-Hilfspaket „Ein Nein im Parlament ist ein Albtraumszenario“

Die Zustimmung des zyprischen Parlaments zur Zwangsabgabe auf Bankeneinlagen entwickelt sich zur Hängepartie. Commerzbank-Analyst Christoph Weil ist sich dennoch sicher, dass die Zyprer am Ende zustimmen werden.
9 Kommentare
Zyperns Präsident Nikos Anastasiades im Gespräch mit Journalisten. Sparern versprach er Kompensation für die gegebenenfalls eingezogenen Bankguthaben. Quelle: dpa

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades im Gespräch mit Journalisten. Sparern versprach er Kompensation für die gegebenenfalls eingezogenen Bankguthaben.

(Foto: dpa)

Europa bangt um Zypern. Das Parlament steht vor der Entscheidung, ob es die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen billigt und damit die Bedingung der Euro-Finanzminister für ein Hilfspaket erfüllt. Wegen der unsicheren Mehrheitsverhältnisse hat das Parlament in Nikosia die Abstimmung über das von der Eurogruppe beschlossene Rettungspaket vertagt. Das Repräsentantenhaus wird statt wie geplant am Montag nun erst am Dienstag (18.00 Uhr) zusammenkommen.

"Ein Nein im Parlament ist ein Albtraumszenario", warnt der Commerzbank-Analyst Christoph Weil im Gespräch mit Handelsblatt Online. "Das Bankensystem würde sofort zusammenbrechen." Für die Privatkunden hieße das, sie bekämen kein Geld mehr. Die Vermögen der Banken würden zur Insolvenzmasse. "Gleichzeitig würde der Zahlungsverkehr zusammenbrechen und das ginge mit einer massive Rezession einher", sagt Weil.

Deshalb geht er davon aus, dass sich das zyprische Parlament auf eine Lösung einigt. "Ob noch ein Freibetrag eingeführt wird oder nicht, liegt im Ermessen des Landes." Bei den Details schätzt der Analyst die EU-Finanzminister als flexibel ein. "Da wird im Hintergrund vermutlich schon verhandelt." Der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfond (IWF) ist vor allem wichtig, dass die vereinbarten 5,8 Milliarden Euro zusammen kämen.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen bestätigte, dass man nicht im Detail auf das Modell bestehe, das Ergebnis von Verhandlungen gewesen sei. Die Zyprer könnten selbst über die Struktur des Programms entscheiden - so lange Privatanleger mit dem vereinbarten Betrag an dem Paket beteiligt werden. Eine Lösung, in der Kleinsparer von der Sondersteuer verschont bleiben oder weniger als die ursprünglich geplanten 6,75 Prozent zahlen müssen ist also durchaus vorstellbar. Dann müssten Kunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro entsprechend stärker besteuert werden.

"Egal, wie die Steuer im Detail beschlossen wird, es wäre eine Lösung, die sofort Wirkung zeigt und recht geregelt ablaufen kann", sagt Analyst Weil. "Die Abgabe wird sofort abgebucht und laut EZB sind dann alle Guthaben frei verfügbar." Betroffen wären alle Bankguthaben, also Giro- und Tagesgeldkonten ebenso wie festangelegtes Geld. Die eingezogenen Mittel würden genutzt, um die Banken unmittelbar mit frischem Kapital auszustatten. "Dadurch können die Geldhäuser wieder Geld aufnehmen und auch auszahlen."

Nachdem die Entscheidung auf Dienstag vertagt wurde, rechnet Weil damit, dass die Banken am Mittwoch wieder geöffnet sind. "Ich gehe nicht davon aus, dass dann in großem Stil Geld abgezogen wird." Wenn Kleinsparer aus Angst ihr Guthaben abheben würden, brächte das die Geldhäuser wohl kaum in Bedrängnis, das wäre nur der Fall, wenn russische Oligarchen oder wohlhabenden Griechen ihr gesamtes Geld abziehen würden. "Die werden aber Schwierigkeiten haben, ihr komplettes Vermögen so schnell umzuschichten", sagt Weil. Schließlich würden Banken in anderen europäischen Ländern bei größeren Summen Nachforschungen anstellen, wo das Geld herkommt. "Das wäre für manchen sicher nicht so einfach."

Zumal sie nichts mehr davon hätten, ihr Geld dann abzuziehen. Die Steuer würde ja vorher schon abgezogen. "Höchstens aus Angst vor zukünftigen Steuern oder aus Trotz könnte man sich entscheiden, die Vermögen anderweitig zu lagern", so Weil. Um dem vorzubeugen, hat Zyperns Präsident Nikos Anastasiades bereits am Sonntagabend versucht, die von Abgaben bedrohten Sparer zu besänftigen. Die Kunden würden umgehend mit Aktien der betroffenen Banken entschädigt. Treuen Sparern stellte Anastasiades eine weitere Kompensation in Aussicht: Wer sein Geld für die nächsten zwei Jahre im Lande lasse, soll 50 Prozent der verlorenen Summe in Form von Optionen auf die Gewinne aus den vermuteten Gasvorkommen vor der Küste Zyperns erhalten.

"Da schwingt natürlich ein bisschen Verzweiflung mit", sagt Analyst Weil. "Vor allem die Gas-Optionen wirken recht vage." Bis Einnahmen aus dem vermuteten Gas flössen, dauerte es noch mindestens vier Jahre. Für das Kapital, das er den Sparern wegnehmen und den Banken geben soll, erwerbe der Staat natürlich Anteilsscheine, erklärt der Analyst. Die wiederrum könne er als Entschädigung an die Sparer ausgeben.

Sind die Ersparnisse der Deutschen noch sicher?


Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Offene Fragen zum Zypern-Hilfspaket - „Ein Nein im Parlament ist ein Albtraumszenario“

9 Kommentare zu "Offene Fragen zum Zypern-Hilfspaket: „Ein Nein im Parlament ist ein Albtraumszenario“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die AfD könnte als Zünglein an der Waage sehr gefährlich werden,
    für den Euro und die etablierten Parteien. Aber das ist gut so, denn Mittlerweile haben die Meisten schon erkannt, dass wir von Verbrechern regiert werden, von den Marionetten der Banken und Konzerne, hierzulande Politiker genannt. Dieses Pack lebt auf unsere Kosten wie die Made im Speck von unseren Steuern, den Schutzgeldzahlungen an die Staatsmafia. Würden nämlich wir als Staat, als wahrer Souverän das Geld aus der Luft schöpfen wie die Privatbanken, bräuchte sich "der Staat" kein Geld bei den Banken zu leihen, wäre nicht verschuldet, bräuchte keine Zinsen und wir somit keine Steuern zu bezahlen. Das ist der gemeinste Steuerbetrug aller Zeiten. Nun haben diese regierenden Verbrecher Angst davor, dass mit dem Zusammenbruch des Euros dieses ganze System zusammenbricht. Darum geht es.

  • Ist die Commerzbank in Zypern so stark involviert, dass so
    ein Kommentar zustande kommt? Die Äuserungen sind mehr von
    Wunschdenken als den Realitäten gezeichnet.gez.walterwerner.de

  • Nicht nur das!

    Welcher Ausländer kann dann noch Geld in Deutschland oder in der EU anlegen?

    Wohl dem, der Gelder in der Schweiz liegen hat! Bei diesen Geldanlagen geht es weder um Zins noch um Steuerhinterziehung, wie Steinbrück & Co. glauben machen wollten. Es geht schlicht um die Verhinderung des Zugriffs, der Enteignung von Vermögen alla Zypern.

    Frau Merkel wird sagen, jetzt habe ich sie da, wo ich sie schon immer haben wollte. Ganz wie früher und fühlt sich in ihrem neuen Sozialismus pudelwohl. Kein Wunder, dass sich Kohl mit ihr überworfen hat. Und dennoch trägt er Mitschuld. Er hatte es versäumt denkende, kritische Parteimitglieder in seiner Partei zu fördern und sie stark zu machen. Das was heute so rum läuft, deren „Fresse“ mag man gar nicht mehr anschauen wollen.

    Es gibt viel zu wenige Bosbachs!

    Und soll mir nur einer erzählen, es sei der Vorschlag der Zyprioten gewesen. Zu laut waren da die Wortmeldungen aus Berlin, die vorgaben, "niemand hatte die Absicht" ...

    Den Spruch hat uns Angela Merkel auch schon gelehrt.

    Hinterlistig und feige ist das.

    Zypern war m.E. lediglich der Versuch was passiert, wenn man den Leuten das Geld einfach wegnimmt. Wegen solch asozialem Verhalten der Politiker, auch der unsrigen, gehören sie hinter Schloss und Riegel.

    Erst Zypern, dann wir!
    Die Parallelen zu 1933 werden immer deutlicher. Wo ist unsere Elite?
    Beschäftigt die sich denn nur noch mit Boni und Absahnerei?

    Wer und wo ist unsere Elite?

  • Was heisst denn hier "einm Nein im Parlament ist ein Albtraumszenario". Andersrum wird ein Schuh draus: Ein Nein im zyprischen Parlament könnte endlich mal ein Befreiungsschlag für die EU sein. Dann würde man vielleicht endlich mal das Richtige tun und die verbrecherischen Zombie-Banken pleite gehen lassen, was dringendst nötig wäre. Wie lange sollen denn diese Pleiteunternehmen noch existieren und uns alle erpressen? In den USA wurden in den letzten Jahren reichlich solche Banken abgewickelt. Es wird Zeit, dass das in Europa auch passiert.

    Die EU könnte dann ihr Geld für die Garantie der Kleinsparerguthaben (bis 100.000 Euro) verwenden und für die eventuelle Stabilisierung des Bankenumfeldes. Das wäre 1000mal besser als die Eigentümer der zyprischen Pleitebanken und die russischen Steuerhinterzieher zu retten.

    Weg mit dem Bankenschrott auf Zypern! Die sind nicht systemrelevant! Und falls die (im Zitat genannte) Commerzbank da noch Anlagen hat, soll sie die abschreiben und ihre Analysten entlassen, die die Risiken nicht rechtzeitig erkannt haben. Banken haben keinerlei Anspruch auf die Absicherung von Zockergeldern aus unseren Steuern!


  • @ Sarina

    Zitat : "vemuteten Gasvorkommen"! In 4000 bis 5000 Meter unter der Wasseroberfläche

    Beim Fracking unter Wasser müssten eigentlich die Fische erst zustimmen....und das ist wohl sehr, sehr langwierig ?!!!!!

    Wird wohl nichts !!! :-)

  • "Wenn Kleinsparer aus Angst ihr Guthaben abheben würden, brächte das die Geldhäuser wohl kaum in Bedrängnis, das wäre nur der Fall, wenn russische Oligarchen oder wohlhabenden Griechen ihr gesamtes Geld abziehen würden."
    Manche Sätze sind entlarvend für den Schwachsinn den man da angestellt hat. Also wenn die "Kleinsparer" sogar bei vollem Abzug deren Einlage nicht das Problem (und dann auch sicher nicht der Grund) sind, warum hat man die dann nicht in Ruhe gelassen?
    Mir kann keiner erzählen, dass die zyprischen Banken nicht innerhalb von Stunden eine Liste ausdrucken können mit 90 % der wirklich "schuldigen" Kunden. Die Banker wissen genau um wen und was es sich da handelt. Das wird bei uns ja auch nicht gefordert. Darum liegt der Fehler und die Schuld bei den Politikern, Merkel und Schäuble. Wenn sie den Job nicht beherrschen, dann sollen sie andere hinschicken. Aber nicht wie Schäuble am Morgen nach den Verhandlungen zu sagen, dass man das eigentlich so nicht wollte. Warum hat er dann unterschrieben? Jämmerlich!

  • Ja und Morgen sind die Deutschen Sparer dran.

    Es ist nichts anderes für den "normalen Sparer" wie wenn ein Räuber mit einer Pistole vor einem steht und sagt "haste mal nen Euro"! Man gibt doch gerne.

    Man stelle sich vor das am Freitag ein Kunde von seiner LV eine Auszahlung erhalten hat mit der Er/Sie am Mittwoch der Folgewoche ein bestehendes Darlehen für seine Eigentumswohnung zurückzahlen wollte.

    Aus Sicht der EU na ja "Pech gehabt"

    Wer als Dt. noch einigermassen klar im Kopf ist wird bei diesen niedrigen Zinsen keiner Bank mehr Geld anvertrauen. Ob 0,5 oder 1% ist dann auch egal. Dann lieber Null zinsen und unter der eigenen Kontrolle.

    Zypern wird unmittelbar nach der Teilenteignung der Sparer einen beispiellosen Kapitalabzug erleben. In der Folge werden praktisch über Nacht die Banken erneut vor der Pleite stehen.

    Dies geschieht wohlgemerkt alles unter dem Label der EU und mit Zustimmung des Bundestages. Was für Zypern rechtens ist wird und kann dem dt. Steuerzahler nicht verwehrt werden. Dies gilt für Schulden und wie man jetzt sieht auch für die Lebensarbeitsleistung. Es soll doch tatsächlich auch Leute geben welche für Ihr Geld hart und viel arbeiten müssen.
    Spätestens seit gestern ist auch das letzte Quäntchen Vertrauen verspielt worden.
    Den Schweizern und US-Banken werden in den nächsten Wochen die Tresore überlaufen selbst wenn Sie einen Strafzins auf Einlagen einführen.

  • "Ich gehe nicht davon aus, dass dann in großem Stil Geld abgezogen wird."
    ---------------------------------------------------------
    Ich gehe davon aus, dass alles abgeräumt wird - das Vertrauen ist bei Anlegern und Sparern in zypriotische Banken vollständig zerstört. Wer nun, wie Herr Weil, das Gegenteil dessen vermutet, beweist im Allgemeinen ein erschreckendes Maß an Kenntnisse in das Marktgeschehen, das Verhalten von Anlegern und Menschenkenntnis im Besonderen.

    Wer sein Geld für die nächsten zwei Jahre im Lande lasse, soll 50 Prozent der verlorenen Summe in Form von Optionen auf die Gewinne aus den vermuteten Gasvorkommen vor der Küste Zyperns erhalten.
    ---------------------------------------------------------
    Aha, "vemuteten Gasvorkommen"! In 4000 bis 5000 Meter unter der Wasseroberfläche, deren Bergung erheblichen technischen Aufwand erfordert, der min. 90 % des Gesamterlöses ausmachen wird - wenn nicht sogar noch mehr. Und, wie gesagt, ....... man vermutet, dass dort Gasvorkommen sind, ..... man weiß es jedoch nicht - wie man ganz allgemein in Zypern und Griechenland nicht allzu viel Wissen voraussetzen kann. Dort wird alles mit heißer Nadel gestrickt, und wir sollen uns daran die Finger verbrennen.

  • Das beste wäre, wenn Z das Hilfspaket ablehnt und zugleich dreiste Forderungen an die EU stellt. Dann wird das ganze einfach deutlicher, was da passiert. Die Bevölkerung vor Ort kann einem nur leid tun, aber wenn man sich als Steuerparadies verkauft, sehe ich nicht, wieso aus einem Hochsteuerland wie D Hilfe erwartet werden kann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%