Offener Handel
EU und Kanada verhandeln über Freihandelsabkommen

Durch ein neues Wirtschafts- und Freihandelsabkommen wollen die EU und Kanada ihre Wirtschaftsbeziehungen verbessern und ein Zeichen gegen den Protektionismus setzen. Doch über dem Neubeginn der "vergessenen Partnerschaft" liegt noch ein kleiner Schatten.

OTTAWA/BRÜSSEL. Die Europäische Union und Kanada stellen ihre Wirtschaftsbeziehungen auf ein neues Fundament. Auf dem EU-Kanada-Gipfel in Prag wollen beide Seiten heute den Beginn von Verhandlungen über ein neues Wirtschafts- und Freihandelsabkommen beschließen. Für ihre Volkswirtschaften versprechen sich davon einen Schub von insgesamt rund 20 Mrd. Euro. Zugleich sehen sie in den Freihandelsgesprächen ein Zeichen gegen Protektionismus.

Die EU unterhält bereits seit 1976 enge Wirtschaftsbeziehungen mit Kanada. Der Startschuss für ein neues Wirtschaftsabkommen sei ein „Signal, dass die Europäische Union in Zeiten ökonomischer Krise und wachsender protektionistischer Gefühle dem Handel und offenen Märkten verpflichtet bleibt“, sagte EU-Handelskommissarin Catherine Ashton. Der Gipfel werde „Kanadas strategische Partnerschaft mit der Europäischen Union vertiefen“, erwartet Premierminister Stephen Harper.

Ein Zeitplan bis zum Abschluss des neuen Abkommens wurde nicht festgelegt. Allerdings soll „so schnell wie möglich“ verhandelt werden, heißt es in Ottawa. Auch Brüssel hat es eilig: Schließlich soll von der Einigung eine Signalwirkung für weitere Freihandelsabkommen etwa mit Südkorea ausgehen. Kanada übernehme eine wichtige Vorreiterrolle, sagte ein Sprecher von Handelskommissarin Ashton. Das geplante Abkommen gehe weit über den Freihandel hinaus und greife tief in nationale Regulierungen ein.

Der Prager Gipfel soll – nach deutsch-französischer Vorarbeit 2007 und 2008 – Bewegung in die Beziehungen bringen, die politische Beobachter oft als „die vergessene transatlantische Partnerschaft“ bezeichnen. Europäer sehen transatlantische Beziehungen meist als Partnerschaft mit den USA. Kanada sei nicht auf dem „Radarschirm“ der Europäer, klagt Kanada, das seinerseits in den 90er-Jahren den Blick vor allem auf die mit den USA und Mexiko gegründete Freihandelszone Nafta und dann auf den asiatisch-pazifischen Raum gerichtet hatte.

Jetzt wird ein neuer Anlauf unternommen: „Die Sterne stehen günstig“, sagte Tom D’Aquino, Präsident des kanadischen Arbeitgeberverbandes, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Ich glaube, wir haben nun die besten Chancen, zu einer Vereinbarung zu kommen.“ Auf kanadischer Seite habe es noch nie ein so starkes Interesse gegeben, zu einem Vertrag zu kommen.

Die Europäische Union ist Kanadas zweitwichtigster Handelspartner, allerdings weit hinter den USA, die rund 75 Prozent der kanadischen Exportgüter beziehen. Der Anteil der USA sank jedoch – vor fünf Jahren lag er noch bei 85 Prozent. Für die Europäer rangiert Kanada an neunter Stelle. 2008 belief sich der beiderseitige Handel mit Gütern und Dienstleistungen auf mehr als 70 Mrd. Euro. Hinzu kommen 270 Mrd. Euro an Direktinvestitionen. Maschinen, Chemikalien, Transportausrüstung und Lebensmittel gehören zu den wichtigsten Handelsgütern, auf kanadischer Seite zudem Papierprodukte, Metalle und Mineralien.

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