Offensive an Flughafen Donezk: „Geben keinen Fuß breit vom ukrainischen Boden her“

Offensive an Flughafen Donezk
„Geben keinen Fuß breit vom ukrainischen Boden her“

In der Ostukraine kämpfen Regierungstruppen und Separatisten erbittert um die Kontrolle über den strategisch wichtigen Flughafen Donezk. Russland wirft dem Nachbarland vor, auf Friedensangebote nicht einzugehen.
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KiewMit dem drohenden endgültigen Zusammenbruch der Waffenruhe im Osten der Ukraine haben Kiew und Moskau jeweils eigene diplomatische Anläufe zu einer eventuellen friedlichen Regelung genommen. Russlands Präsident Wladimir Putin unterbreitete seinem ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko einen Friedensvorschlag, der jedoch nach russischen Angaben umgehend abgelehnt wurde.

In den vergangenen Tagen habe Russland ständig Versuche unternommen, in dem Konflikt zu vermitteln, zitierte die Nachrichtenagentur Itar-Tass Putin-Sprecher Dmitri Peskow am Sonntag. Donnerstagnacht habe Putin Poroschenko sogar einen Brief geschickt mit einem „konkreten Vorschlag“. Der russische Fernsehsender NTV zeigte eine Kopie. Darin schlägt Putin „dringende Maßnahmen zur Beendigung des gegenseitigen Beschusses“ vor. Außerdem sollen die Konfliktparteien Waffen mit einem Kaliber größer als 100 Millimeter rasch abziehen.

Am späten Sonntagabend wiederum schlug das ukrainische Außenministerium der russischen Führung vor, das seit September geltende sogenannte Minsker Abkommen zur Beilegung des Konflikts zu unterzeichnen – dann könnten schon am Montag die Waffen schweigen. Zuvor hatte Kiews Außenminister Pawel Klimkin „echte Perspektiven“ für eventuelle Friedensgespräche gefordert.

Am Sonntag hatten Regierungstruppen und Separatisten erbittert um die Kontrolle über den strategisch wichtigen Flughafen Donezk gekämpft. Das Militär beklagte mehrere Tote und Verletzte. Die prorussischen Separatisten warfen den Regierungstruppen vor, mit Panzern und schwerer Artillerie zu schießen. Mehrere Stadtteile von Donezk seien unter Beschuss, darunter auch Bereiche des Stadtzentrums, teilten die Aufständischen mit. Separatistenführer Alexander Sachartschenko sah darin den „Versuch Kiews, den Krieg wieder voll zu entfesseln“.

Am Rande einer Trauerzeremonie in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit Tausenden Menschen lobte Präsident Poroschenko den Mut der Soldaten beim Kampf um den Airport. „Wir geben keinen Fußbreit vom ukrainischen Boden her“, sagte der prowestliche Staatschef.

Ukrainische Truppen kämpfen seit Monaten im Osten des Landes gegen prorussische Separatisten. Die Regierung in Kiew wirft Russland vor, die Rebellen militärisch zu unterstützen. Russland weist dies zurück. Am Wochenende griffen die ukrainischen Streitkräfte nun durch und starteten einen Großangriff auf die Rebellen am Flughafen der Stadt Donezk. Ziel war, in den vergangenen Wochen verlorenes Gelände zurückzuerobern.

Militärsprecher Andrej Lysenko sagte am Sonntag in Kiew, das Gebiet am stark zerstörten Flughafen sei wieder weitgehend unter Kontrolle der Regierungstruppen. „Die Kräfte der Anti-Terror-Operation halten dieses strategisch wichtige Objekt unter ihrer Kontrolle“, sagte Lyssenko Medien in Kiew zufolge. Er sprach von einer schwierigen Lage am Flughafen. Allerdings verlaufe die Front nach den Gebietsgewinnen seiner Truppen nun wieder entlang der Linie, die bei Abschluss des Minsker Abkommens Anfang September gegolten habe. Daher habe die ukrainische Armee mit ihrem Angriff auch nicht gegen die mit Russland und den Rebellen getroffene Vereinbarung verstoßen. Das Abkommen sieht unter anderem einen Waffenstillstand vor und soll den Weg zu einer friedlichen Lösung des Konflikts ebnen.

Das Militär beklagte am Sonntag mehrere Tote und Verletzte, während drei Soldaten am Flughafen ums Leben gekommen seien, hätten mehr als 30 Verletzungen davon getragen. Nach Darstellung der Separatisten starben am Samstag auch mindestens zwei Zivilisten in der Kampfzone. Am Rande einer Trauerzeremonie in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit Tausenden Menschen lobte Präsident Petro Poroschenko den Mut der Soldaten beim Kampf um den Airport. „Wir geben keinen Fuß breit vom ukrainischen Boden her“, sagte der prowestliche Staatschef. Er kündigte auf dem Unabhängigkeitsplatz – dem Maidan – an, „die ukrainische Staatlichkeit im Donbass“ wieder herzustellen.

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  • Ja, Herr Baer! Die Regierung der Ukraine kriegt Geld des IWF, der EU, der Nato Staaten Polen, Tzschechien u. a. Sollte es da etwa Fragen geben?

  • Wenn ja sind das nur Urlauber wie die auf Seiten der Separatisten.
    Die Urlauber der russischen Armee sind ja schon von Herkunftsland bezahlt und freigestellt und verbringen nur ihre Erholungsphase vom Dienst in der Sowjetarmmee beim Kriegsspiel im fremden Land.
    Wer in meinem eigenen Land wenn überhaupt agiert, ist mir als Staat (hier Ukraine) selbst überlassen und gerechtfertigt. Wessen Hilfe ich bei einer Aresssion (hier Russland)von außen annehme ist mir als land auch in gerechtfertigter Weise selbst überlassen, da ich mich gegen eine Agresseion verteidigen muss.
    Die russischen Urlauber im Gebietr der Separatisten sollten doch lieber in Russland Urlaub machen und und ihre Rubel die sie noch haben schnell ausgeben.

  • Herr Müller, da bin ich etwas anderer Meinung.

    Frau Merkel ist eine Marionette der US-Amerikaner und die EU deren Spielball.
    Und nicht die EU wollte Amis in den Krieg einsetzen, dies war umgekehrt. Vielmehr wollte die EU auch etwas vom Kuchen abhaben.

    Die US-Amerikanische Politik ändert sich kaum. Egal, ob Republikaner oder Demokraten an der Macht sind. Demzufolge, ist nicht die Regierung in der USA federführend, sondern diejenigen, die dahinter stehen. Finanzlobbys, Waffenlobbys usw.

    Die USA fürchten ihre Imperiale Machtstellung in der Welt zu verlieren. Schuldenberg wächst über alle Maßen hinweg. Es sind mittlerweile über 59.260 Milliarden Dollar – siehe http://www.usdebtclock.org/
    Und es wachsen zwei „Gegner“ in der Welt, die der USA in deren Position gefährlich sein können. Das sind die Russen und die Chinesen.
    Deshalb gibt es in der ganzen Welt so viele Unruhen, Regierungsstürze, Kriege usw.
    Und die EU spiel in dem allem eine der letzten Geige!

    Apropo:
    Churchill – er wollte immer Krieg auf dem europäischem Kontinent. England ist eine alte Kolonialmacht – Teile und Herrsche!
    Tito – war ein „radikaler“ Kommunist, der von Stalin eine weltweite Verbreitung von Kommunismus forderte. Und als Stalin ihm es verwehrte. Wechselte er, aus Rache, die Seiten.

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