Offensive der Tutsi-Rebellen
Internationale Sorge wegen Kongo-Unruhen

Angesichts des neu entflammten Konflikts im Osten der Demokratischen Republik Kongo wächst international die Sorge, dass die Lage außer Kontrolle geraten könnte. Der UN-Sicherheitsrat forderte die sofortige Einstellung der Kämpfe. Aus Deutschland werden Rufe laut, mehr Blauhelmtruppen in das Land zu schicken.

HB NEW YORK/NAIROBI/GOMA/BERLIN. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte die Offensive der Tutsi-Rebellen und forderte die Regierungen Kongos und Ruandas auf, die Stabilität in der Region wiederherzustellen. Bei Kämpfen in der Nacht zum Donnerstag wurden nach Angaben der kongolesischen Armee aber wieder fünf Menschen getötet. Einheiten der Rebellen hätten Goma erreicht, sagte Oberst Jonas Padiri.

Nach Berichten von Augenzeugen haben Regierungssoldaten Häuser und Geschäfte geplündert. Sie stoppten auf der Flucht vor den Rebellen auch Fahrzeuge und Taxen. Der Vormarsch der Rebellen im Osten Kongos hat eine Massenflucht und Panik in der Provinzhauptstadt Goma ausgelöst, wie UN-Sprecher Madnodje Mounoubai mitteilte. Blauhelmsoldaten hielten den Flughafen und andere strategisch wichtige Punkte in Goma besetzt.

Der UN-Sicherheitsrat hatte bereits am Dienstag einen sofortigen Waffenstillstand verlangt, worauf die Rebellen am Mittwoch auch eine einseitig eine Waffenruhe verkündeten. Dennoch ist die Lage weiter angespannt. Die Regierungstruppen in der Stadt seien „außer Kontrolle“, berichteten am Donnerstag Vertreter der Vereinten Nationen. Ein Reporter des britischen Senders BBC sprach am Morgen von nächtlichen Plünderungen durch Regierungssoldaten. Tausende Flüchtlinge, die Goma erst in den vergangenen Tagen erreicht hatten, versuchten, die Stadt zu verlassen.

Nkundas Rebellen hatten am Wochenende eine neue Offensive begonnen und das kongolesische Militär innerhalb weniger Tage aus mehreren Städten der Region Nord-Kivu vertrieben. Die schweren Kämpfe lösten eine Massenflucht von zehntausenden Zivilisten aus, die teilweise auch ins benachbarte Uganda flohen. Seit Mittwochnachmittag stehen die etwa 7000 Mann starken Rebellen-Truppen vor Goma. Nkunda hatte am Abend erklärt, er habe eine Feuerpause angeordnet, um eine weitere Destabilisierung der Situation zu verhindern.

„Wenn die Armee schießt, werden wir zurückschießen“, betonte der Rebellen-General allerdings am Morgen in einem BBC-Interview. Er ließ offen, ob er in Goma einmarschieren oder seinen Kampf in anderen Regionen des Landes fortsetzen wolle. Obwohl er anstrebe, „die ganze Bevölkerung des Kongo zu befreien“, plane er keinen Marsch auf die Hauptstadt Kinshasa.

Unterdessen forderte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) mehr Blauhelmtruppen für das Land. Die Vereinten Nationen (UN) hätten eine Verpflichtung, die Zivilbevölkerung vor Gewalt zu schützen, sagte die Ministerin am Donnerstag im rbb-Inforadio. Die Welt habe 1994 zugesehen, als die UN mehr Hilfe verlangt hätten, um den Völkermord in Ruanda zu verhindern. „Da hat die Welt versagt. Noch einmal darf die Welt nicht versagen“, betonte Wieczorek-Zeul. Ob Deutschland sich an einer Friedenstruppe für den Kongo beteiligen werde, könne sie nicht sagen.

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