Offensive
Gaddafi attackiert libysche Grenzstadt

Gaddafis Elite-Truppen sollen den Nachschub der Rebellen im Westen unterbrechen. Darum müssen nun junge Rekruten in der Hauptstadt kämpfen. Sie fürchten die nächtlichen Guerilla-Angriffe der Rebellen
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Tripolis/KairoTruppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben am Samstag Rebellenstellungen nahe der westlichen Stadt Nalut angegriffen. Ein Reporter des Fernsehsenders Al-Dschasira berichtete von schweren Kämpfen am Rand der strategisch wichtigen Stadt unweit der Grenze zu Tunesien. Maschinengewehrfeuer sei ebenso zu hören gewesen wie das Explosionen von einschlagenden Mörsergranaten und Raketen. Die Aufständischen hätten ihre Positionen behauptet, sagte der Reporter.

Die Rebellen kontrollieren den gesamten Kamm des Nafusa-Gebirges, der von der tunesischen Grenze bis 80 Kilometer vor die Hauptstadt Tripolis reicht. Die Gaddafi-Truppen versuchen seit Wochen, bei Nalut eine Bresche in das Aufständischen-Gebiet zu schlagen. Damit wollen sie die für die Rebellen lebenswichtige Nachschublinie aus Tunesien unterbrechen.

Die Nato bombardierte am Samstag den zweiten Tag in Folge Tripolis bei Tage. Bomben schlugen in den Bezirken Al-Karama und Fernasch im Osten der libyschen Hauptstadt ein, bestätigte ein libyscher Militärsprecher. Sowohl militärische als auch zivile Einrichtungen seien getroffen worden. Es habe Verletzte gegeben. Nähere Einzelheiten gab der Sprecher nicht bekannt.

Der bedrängte Diktator Gaddafi lässt nach einem Bericht der „New York Times“ seine Hauptstadt Tripolis zunehmend durch frisch rekrutierte Soldaten sichern. Die Verbände der regulären Berufsarmee seien voll damit ausgelastet, die Rebellen an mehreren Fronten im Land auf Distanz zu halten, berichtete ein Korrespondent in der Samstagausgabe des Blattes aus Tripolis.

Einer der jungen Soldaten räumte ihm gegenüber ein, dass die Aufständischen nun selbst in Tripolis nachts Überraschungsangriffe auf Militärstreifen durchführten. „Wir haben Angst“, wird der Soldat zitiert. „Wir stehen im Licht, und sie kommen aus der Dunkelheit.“

Der Machthaber ließ sich am Freitag bei einer Kundgebung in Tripolis von tausenden Menschen feiern. In der organisierten Jubel-Menge wurden Porträts des „Bruders Führer“ hochgehalten. Frauen mit verspiegelten Sonnenbrillen und hochgereckten Maschinenpistolen ergänzten das folkloristische Selbstbild, wie es das Gaddafi-Regime vermittelt. Gaddafi selbst war nicht anwesend.

Der Diktator rief in einer Audio-Botschaft, die das libysche Staatsfernsehen am Abend ausstrahlte, seine Anhänger zum Durchhalten auf. „Wir werden die Nato besiegen“, verkündete der Machthaber zum wiederholten Mal. „Mögen sie selbst Atombomben auf uns werfen, wir werden hier bleiben.“

Bei der Tonband-Aufnahme handelte es sich um ein zuvor aufgezeichnetes Telefonat Gaddafis, hieß es. Zuletzt war der Machthaber am vergangenen Wochenende im Staatsfernsehen zu sehen. Er war kurz bei einer Schachpartie mit dem russischen Präsidenten des Weltschachverbands FIDE, Kirsan Iljumschinow, gezeigt worden. Geäußert hatte er sich dabei nicht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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