Offensive in Mali: Soldaten kontrollieren Zugang nach Timbuktu

Offensive in Mali
Soldaten kontrollieren Zugang nach Timbuktu

Ohne Widerstand sind die französischen und malischen Soldaten nach Timbuktu vorgerückt und kontrollieren mittlerweile den Zugang zu der Stadt, auch den Flughafen. Auf ihrer Flucht zünden Islamisten historische Bauten an.
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Bamako/BerlinNach ihrem Vormarsch in Richtung der malischen Stadt Timbuktu kontrollieren die französischen und malischen Truppen mittlerweile den Zugang zu der historisch bedeutenden Oasenstadt. Auch der Flughafen sei unter Kontrolle, teilte der Führungsstab der Streitkräfte in Paris am Montag mit. Auf der Flucht vor den Truppen steckten Islamisten in der Wüstenstadt ein Gebäude mit altertümlichen arabischen Manuskripten in Brand.

Wie bereits bei der Einnahme der Stadt Gao gingen dem Vormarsch auf Timbuktu Luftangriffe voraus. Nach Angaben aus Paris haben die französischen und afrikanischen Streitkräfte nun die Kontrolle über die sogenannte Nigerschleife - das Gebiet entlang des Nigerflusses zwischen den beiden Islamistenhochburgen Gao und Timbuktu. Das Gebiet sei binnen 48 Stunden eingenommen worden, sagte Armeesprecher Thierry Burkhard.

Die Truppen seien auf keinerlei Widerstand der Islamisten getroffen, sagte ein ranghoher Offizier der malischen Armee. „Es gibt kein Sicherheitsproblem in der Stadt“, fügte er hinzu. Nach Angaben der französischen Armee wurde die Offensive durch Patrouillen französischer Jagdflugzeuge sowie durch Fallschirmjäger und Hubschrauber unterstützt.

Ein Mitglied einer Erkundungseinheit der malischen Armee erklärte indes, Timbuktu sei noch nicht unter Kontrolle. „Die französischen und malischen Truppen sind noch nicht im Stadtzentrum, wir haben einige Elemente in der Stadt, nicht viele“, sagte er.
Auf der Flucht vor den französischen und malischen Truppen zündeten die Islamisten ein Gebäude mit altertümlichen arabischen Manuskripten an. Es handele sich um das Ahmed-Baba-Zentrum, in dem wertvolle Manuskripte aufbewahrt worden seien, erklärte Bürgermeister Halley Ousmane. Die Situation sei „dramatisch“, fügte Ousmane hinzu, der von einem „kulturellen Verbrechen“ sprach. Sicherheits- und Armeekreise bestätigten die Brandstiftung.

Welterbe von Islamisten zerstört

Laut malischem Kulturministerium wurden im 1973 gegründeten Ahmed-Baba-Zentrum für Dokumentation und Forschung bis zu 100.000 Manuskripte aus der antiken muslimischen Welt und Griechenland aufbewahrt. Die Islamisten zerstörten bereits zahlreiche zum Unesco-Welterbe zählende Bauwerke in Timbuktu.

Im zentralmalischen Konna, wo Frankreich seine Offensive Mitte Januar begonnen hatte, zeigten Einwohner Journalisten unterdessen Gräber von bei Luftangriffen getöteten Zivilisten. Vize-Bürgermeister Demba Samouka betonte, es liege keine konkrete Opferzahl vor, mindestens vier Zivilisten seien jedoch bei den Angriffen getötet worden. Weitere zivile Opfer hätten die Islamisten zu verschulden.

Frankreich ist derzeit mit 2.900 Soldaten in Mali vertreten, hinzu kommen 2.700 afrikanische Bodentruppen in Mali und im Nachbarland Niger. Am Montag traf in Dakar ein Schiff aus Frankreich ein, das hunderte Männer Verstärkung, Fahrzeuge und weiteres Material zur Verstärkung des Einsatzes lieferte. Die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS sowie der Tschad haben ebenfalls die Entsendung mehrerer tausend Soldaten zugesagt.

Hollande ist siegessicher

Der französische Präsident François Hollande zeigt sich mit Blick auf den Militäreinsatz in Mali siegessicher. „Wir sind dabei, die Schlacht zu gewinnen“, sagte er am Montag in Paris. Hollande lobte die Effektivität der französischen Armee, der es gelungen sei, die Offensive der islamistischen Rebellen innerhalb von wenigen Tagen zu stoppen.

Der Staatschef erneuerte die Absicht, die französischen Truppen so schnell wie möglich wieder aus dem westafrikanischen Land abzuziehen. „Frankreich wurde nicht gerufen, um in Mali zu bleiben“, sagte Hollande. Es sei Aufgabe der Afrikaner, dass Mali seine territoriale Integrität wiedergewinne, vor allem auch im von islamistischen Rebellen kontrollierten Norden.

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  • Mein Gefühl sagt mir: der Vormarsch geht zu glatt. Die Islamisten verziehen sich in die Wüste und schlagen erneut zu, wenn die Franzosen weg sind. D.h. die Franzosen müssen sehr lange im Land bleiben, um auch dem letzten Islamisten den Garaus zu machen.

  • Diese Islamisten sind eben nur marodierende Verbrecherbanden, sonst nichts!

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