Offensive
Operation gegen Taliban in Südafghanistan

In gut einer Woche wird in Afghanistan ein neuer Präsident gewählt. Um die Gewalt im Land einzudämmen, haben amerikanische und afghanische Soldaten eine weitere Aktion gegen die Taliban im Süden des Landes begonnen.

HB KABUL/KUNDUS. Rund 400 amerikanische und 100 afghanische Soldaten nähmen an der Operation "Eastern Resolve II" (Östliche Entschlossenheit II) in der südlichen Provinz Helmand teil, teilten die US-Truppen mit. Der Einsatz im Distrikt Now Zad habe am Mittwochmorgen begonnen. Der Kommandeur der Marine-Infanteristen, Brigadegeneral Larry Nicholson, sagte: "Unsere Mission ist es, die Unabhängige Wahlkommission und die afghanischen Sicherheitskräfte zu unterstützen."

In der nordafghanischen Provinz Kundus, dem Einsatzgebiet der Bundeswehr, kamen unterdessen vier Polizisten bei einem Angriff der Taliban ums Leben. Wie ein Behördensprecher am Mittwoch mitteilte, attackierten die radikal-islamischen Aufständische am Vorabend die wichtigste Stadt im Distrikt Dasht Archi. Unter den Toten seien der Polizeichef der Region sowie drei seiner Leibwächter. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Vor der Präsidentschaftswahl am 20. August hat sich die Sicherheitslage landesweit erheblich verschärft.

Die Taliban wollen die Wahl am 20. August stören. In den vergangenen Wochen hat sich die Gewalt in Afghanistan deutlich verschärft. Seit März sind mehr westliche Soldaten dort ums Leben gekommen als im ganzen Zeitraum von 2001 bis 2004. Die höheren Opferzahlen gehen auch auf Vorstöße insbesondere der USA und Großbritanniens im Süden Afghanistans zurück, wo die Hochburgen der Islamisten liegen. US-Präsident Barack Obama hat den Krieg in Afghanistan zu einer Priorität erklärt und Tausende weitere Soldaten in den Kampf geschickt. Der Befehlshaber der internationalen Isaf-Truppe in Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, hat jüngst erklärt, die Taliban hätten die Oberhand gewonnen.

Dem widersprach Verteidigungsminister Jung. "Ich will nichts verharmlosen, aber diese Einschätzung teile ich nicht", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dass sich die Sicherheitslage auch im deutschen Verantwortungsgebiet im Norden verschärft habe, sei eine Tatsache. "Das heißt aber nicht, dass die Taliban die Oberhand gewonnen hätten", erklärte Jung. So seien die Taliban jüngst bei der Operation "Adler" im Raum Kundus zurückgeschlagen worden. Dagegen erklärte der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, in der Zeitung "Bild": "Die Taliban sind überall auf dem Vormarsch - auch im Norden." Darauf müsse reagiert werden.

Der US-Botschafter in Afghanistan, Karl Eikenberry, hat von Washington mehr Geld für nicht-militärische Projekte gefordert. Nach einem Bericht der "Washington Post" hält Eikenberry zusätzliche 2,5 Mrd. Dollar im Jahr 2010 für den Wiederaufbau des Landes für notwendig. In einem Schreiben an US-Außenministerin Hillary Clinton betonte Eikenberry nach Angaben der Zeitung, eine solche Summe sei nötig, "wenn wir in den nächsten 14 Monaten Fortschritte aufweisen wollen". Diese Forderung übertreffe die von US-Präsident Barack Obama beim Kongress angefragte Summe für nicht-militärische Ausgaben in 2010 um 60 Prozent.

Der "Washington Post" zufolge hat Obama beim Verteidigungsministerium Militärausgaben in Höhe von 68 Mrd. Dollar für das kommende Jahr in Afghanistan angefragt. Für zivile Projekte seien rund 4,1 Mrd. Dollar eingeplant. Seit 2001 hat Washington bereits 38 Mrd. Dollar für den Wiederaufbau nach Kabul geschickt, mehr als die Hälfte davon floss in die Ausbildung und Ausrüstung von Sicherheitskräften.

Eikenberrys zusätzliche Forderung von 2,5 Mrd. Dollar sieht unter anderem 572 Mio. Dollar für landwirtschaftliche Projekte, 450 Mio. Dollar als Wirtschaftshilfen und 190 Mio. Dollar für Straßen, Schulen und die Zivilluftfahrt vor.

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