Offiziell
Anti-syrisches Bündniss gewinnt Libanon-Wahl

Das libanesische Oppositionsbündnis um den Sohn des ermordeten früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri hat die ersten Parlamentswahlen seit dem Abzug der syrischen Truppen gewonnen.

HB BEIRUT. Alle 28 Sitze, die am Sonntag im Norden des Landes zur Wahl standen, seien an das Bündnis von Saad Hariri gegangen, bestätigte Innenminister Hassan Sabaa am Montag in Beirut. Hariris Herausforderer, der frühere Regierungschef Michel Aoun, räumte seine Niederlage ein.

Damit stellt der Hariri-Block, dem auch Drusenführer Walid Dschumblatt angehört, 72 der 128 insgesamt Abgeordneten. 35 Mandate gingen an die pro-syrischen Schiiten Parteien Hisbollah und Amal sowie 21 an die Liste des erst vor einem Monat aus dem Pariser Exil zurückgekehrten Aoun. Allerdings verfehlte das Oppositionsbündnis eine Zwei-Drittel-Mehrheit, mit der es den prosyrischen Präsidenten Émile Lahoud hätte stürzen können.

Hariri (35) kündigte an, sein Bündnis werde dafür arbeiten, den Libanesen ihren „Wunsch nach Wandel“ zu erfüllen. Die künftige Regierung wird sich nach Einschätzung von Beobachtern nach dem Abzug der syrischen Truppen vor sieben Wochen aktiv gegen jede künftige Einmischung des „Großen Bruders“ in Damaskus wehren.

Von einem Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten wollte der sunnitische Milliardärssohn noch nicht sprechen. Er werde zunächst Gespräche mit den unterlegenen Parteien führen, sagte Hariri. Sein Bündnis werde mit der gebotenen Umsicht vorgehen. Aoun erklärte dagegen: „Wir werden sie und die Hariri-Korruption“ bekämpfen.

Die Ermordung von Ex-Regierungschef Hariri im vergangenen Februar hatte seinen Sohn Saad innerhalb weniger Wochen in die politische Arena katapultiert. Das Attentat löste eine Protestbewegung aus, die den Abzug der Syrer, die 1976 während des Bürgerkrieges ins Land gekommen waren, beschleunigte.

Bei der vierten Wahletappe am Sonntag lag die Wahlbeteiligung nach Schätzungen mit 48 Prozent vergleichsweise hoch. Europäische Wahlbeobachter bezeichneten am Montag den Urnengang insgesamt als „friedlich und gut organisiert“. An den vier Wahlsonntagen waren rund drei Millionen Libanesen wahlberechtigt, die zu 59 Prozent Muslime und zu 41 Prozent Christen der verschiedensten Konfessionen sind.

Das konfessionelle Proporzsystem Libanons legt fest, wie viele Angehörige der einzelnen Religionsgruppen im Parlament vertreten sind. Der Staatspräsident muss zudem maronitischer Christ, der Regierungschef ein sunnitischer Muslim und der Parlamentssprecher ein schiitischer Muslim sein.

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