Offizieller Beschluss
Japan zieht Irak-Truppen ab

Japan verlässt die "Koalition der Willigen": Tokio beschloss heute offiziell den Abzug seiner Truppen aus dem Irak. Die Begründung: Das Ziel des Einsatzes, den Wiederaufbau des Landes zu unterstützen, sei erreicht.

HB TOKIO. Ministerpräsident Junichiro Koizumi wollte in Kürze den Plan zum Abzug der Truppen bekannt geben, berichteten japanische Medien. Bei einem vorherigen Treffen mit Regierungsbeamten und Koalitionsmitglieder sagte Koizumi am Dienstag, Japan wolle zugleich die Mission für die Luftwaffe im Irak um den Transport von Mitarbeitern der Vereinten Nationen erweitern.

Japans Entscheidung zum Truppenabzug folgt auf die Ankündigung des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki vom Vortag, dass irakische Truppen die Aufgabe der Japaner in der verhältnismäßig ruhigen Südprovinz Muthanna übernehmen würden. Der Truppenabzug der Japaner soll demnach im nächsten Monat geschehen.

Das 600 Mann starke japanische Kontingent besteht hauptsächlich aus Ingenieuren und medizinischem Personal. Eine Woche zuvor hatte Italien den Abzug seiner Truppen bekannt gegeben. Bis zum Herbst sollen die einst 3200 Soldaten alle in die Heimat zurückgekehrt sein.

Indes warnte der prominente republikanische US-Senator John McCain das Weiße Haus vor übertriebener Zuversicht über die Entwicklung im Irak. Optimismus sei nach dem Tod des Extremisten-Anführers Abu Mussab el-Sarkawi verständlich, sagte der Republikaner. "Aber ich hoffe, dass es nicht in irrationale Überschwänglichkeit umschlägt, denn das wird noch sehr lang gehen und sehr hart werden", sagte McCain in einem Interview der "Financial Times".

US-Vertreter hatten den Tod von Sarkawi am Anfang Juni als wichtigen Schlag gegen die Aufständischen gewertet. Die von Sarkawi geführte al-Qaida im Irak hat jedoch bereits einen Nachfolger für den Extremistenchef benannt und im Irak kommt es auch weiterhin nahezu täglich zu Gewalt und Anschlägen.

McCain, der als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt wird, beurteilte die Situation in dem Golf-Staat immer noch als sehr delikat. Er fürchte, dass Bush vor den Kongress-Wahlen im November unter Druck geraten könnte, die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen. Seiner Einschätzung hingegen hätten die USA zu wenige Truppen im Irak.

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