Offshore-Leaks Hollande beteuert Unwissenheit über Berater-Geschäfte

Frankreichs Präsident steckt in der Klemme: Zwei Tage nach dem Schwarzgeld-Geständnis seines ehemaligen Budgetministers, tauchen Berichte über zwielichtige Finanzgeschäfte seines früheren Wahlkampf-Beraters auf.
5 Kommentare
Im marokkanischen Rabat bestritt Hollande jede Mitwisserschaft in der neuen Affäre. Er wisse "nichts" von den Privatgeschäften von Jean-Jacques Augier, sagte der Präsident. Außerdem sicherte er zu, bei der Moralisierung des politischen Lebens „bis zum Ende gehen“ zu gehen. Quelle: Reuters

Im marokkanischen Rabat bestritt Hollande jede Mitwisserschaft in der neuen Affäre. Er wisse "nichts" von den Privatgeschäften von Jean-Jacques Augier, sagte der Präsident. Außerdem sicherte er zu, bei der Moralisierung des politischen Lebens „bis zum Ende gehen“ zu gehen.

(Foto: Reuters)

Paris/RabatEnthüllungen über zweifelhafte Finanzgeschäfte eines Beraters von François Hollande bringen Frankreichs Präsidenten weiter in Bedrängnis. Nach dem Schwarzgeldskandal um den zurückgetretenen Budgetminister Jérôme Cahuzac steht nun auch Hollandes früherer Wahlkampfmanager Jean-Jacques Augier im Rampenlicht. Laut Tageszeitung „Le Monde“ besitzt der 59-jährige Augier über seine Holding Eurane Anteile an zwei Unternehmen auf den Kaimaninseln. Hollande hatte davon nach eigenen Worten keine Kenntnis.

„Ich weiß nichts von diesen Aktivitäten“, sagte der Präsident am Donnerstag im marokkanischen Rabat. Augier sei Schatzmeister seiner Kampagne gewesen. Hollande wies darauf hin, dass die Finanzierung des Wahlkampfs vom Verfassungsrat im vergangenen Jahr als regulär eingeschätzt worden sei. Um private Aktivitäten Augiers müsse sich die Steuerverwaltung kümmern.

Das britische Überseegebiet der Kaimaninseln gilt als „Schweiz der Karibik“. Hollande hatte solchen Paradiesen für Steuerflüchtlinge den Kampf angesagt. Die konservative Opposition forderte am Donnerstag eine umfassende Kabinettsumbildung, um das Vertrauen in die Regierung wiederherzustellen. Einer aktuellen Umfrage zufolge war Hollande bereits vor dem Höhepunkt des Schwarzgeldskandals einer der unpopulärsten Präsidenten, die Frankreich je hatte.

In einer Stellungnahme verteidigte Augier die Investition auf den Kaimaninseln als vollkommen legal. Sie sei über eine Gesellschaft gelaufen, die seine China-Geschäfte verwalte. Er habe weder ein eigenes Konto auf der Inselgruppe noch persönlich dort Geld angelegt, sagte der im Buchhandel- und Verlagsgeschäft tätige Unternehmer. Augier gilt bis heute als Vertrauter Hollandes.

Dieser steht bereits wegen der Affäre um Ex-Budgetminister Cahuzac unter erheblichem Druck. Cahuzac hatte die Existenz eines Schwarzgeldkontos erst am Dienstag eingeräumt. Die Opposition hält es für möglich, dass Regierungsvertreter bereits seit längerem Bescheid wussten. Vor allem gegen Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici gibt es Rücktrittsforderungen. Ihm war Cahuzac beigeordnet.

Nach einer Umfrage waren Ende März nur noch 27 Prozent der Franzosen der Ansicht, Hollande könne die Probleme des Landes lösen. Dies ist laut dem Meinungsforschungsinstitut TNS Sofres der niedrigste Wert, der jemals im elften Amtsmonat eines französischen Staatschefs registriert wurde.

Kampf gegen Steuerflucht

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Offshore-Leaks - Hollande beteuert Unwissenheit über Berater-Geschäfte

5 Kommentare zu "Offshore-Leaks: Hollande beteuert Unwissenheit über Berater-Geschäfte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die gesamte führende europäische Politikerklasse ist mit kriminellen Personen durchtränkt.

    Diese Leute werden aufpassen müssen, denn die Wut wächst ständig.


  • Lieber "Wonderlnd 666": Wer zuerst die Grätsche macht Italien oder Frankreich ?
    Da googeln Sie bitte New York Times simple Grafik zum
    Thema Schulden der 5 PIIGS, Stand vor 3 Jahren, mit dem
    Titel "Europe`s Web od Dept" (v. 02.2010). Blicken Sie
    zurück, betrachtn Sie die Gegenwart in diesen beiden
    Nationen, dazu achten Sie in der Grafik von 2010 auf den
    dicksten Kreis der Schulden Italiens und den dicksten Pfeil
    der Verbndlichkeiten Italiens zu Frankreich. Meine sicher
    etwas naive, laienhafte Vermutung nach Rückkehr aus dem Hafen von Taranto und dem Hafen von Marseile und den
    Entscheidungen der letzten Monate bis jetzt. Sie werden
    beide "die Grätsche machen" bzw. wie die faulen Äpfel vom Baum des Teuros fallen?

  • knechten ist das nicht. 75% Höchststeuersatz, Mindestlohn 9 Euro, Renteneintrittsalter auf 60 senken, Betriebe vergraulen, Schimpfen auf gutverdienende die das Land der Steuer wegen verlassen.....
    Das ist genau das Gegenteil:
    Das ist Geld verprassen.
    Das geht auf Dauer nicht gut und sorgt dafür das die Schere zwischen Geld und Produktivität immer weiter auseinder geht. Hat selbst die EZB schon festgestellt.
    Bin mal gespannt wer zuerst die Grätsche macht, Italien oder Frankreich

  • Hollande - der hat es geschafft, innerhalb von wenigen Monaten die französische Wirtschaft an die Wand zu fahren. Das schaffen nur wenige. Chapeau - aber wer hat diesen blutleeren Technokraten gewählt? Angeblich keiner. Und dieser Vollpfosten hat genau so wie ihn keiner gewählt hat, keine Ahnung, wen er im Kabinett hatte. Vive la France.

  • Lügner und Betrüger - wo diese Typen das Hemd anrührt.


    Es ist mir unverständlich, wie einige Wenige, ganze Völker knechten, belügen und betrügen und das Volk, einer dummen Schafherde gleich, lässt sich das alles gefallen.

    Stürzt diese Leute endlich von ihren Thronen und ...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%