Oligarchen unter Arrest
Russland fürchtet die Kapitalflucht

In Russland ist der Milliardär Wladimir Jewtuschenkow unter Hausarrest gestellt worden, womöglich aus politischen Gründen. Aus der Regierung sind Stimmen zu hören, die sich um wirtschaftliche Folgen der Anklage sorgen.
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MoskauTeile der russischen Regierung sorgen sich über die wirtschaftlichen Folgen des Hausarrests von Milliardär Wladimir Jewtuschenkow. Die Affäre könne das Geschäftsklima beeinträchtigen und Investoren benötigten deshalb dringend mehr Klarheit, sagte Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew am Donnerstag.

„Es ist offensichtlich, dass der Verdacht, dass wirtschaftliche Motive dahinter stecken, den Investoren Entscheidungen erschwert“, erklärte Uljukajew in den ersten kritischen Bemerkungen eines Regierungsmitglieds zu der Angelegenheit.

„Unsere Prognose für die Investitionen in diesem Jahr lautet minus 2,4 Prozent, aber diese ist ohne Zweifel gefährdet.“ Weiter sagte er, die Wirtschaft werde wohl in den übrigen Monaten des Jahres mit einem Mini-Wachstum von 0,1 bis 0,2 Prozent kaum über eine Stagnation hinauskommen.

Der Chef des Mischkonzerns Sistema wurde wegen des Verdachts der Geldwäsche unter Hausarrest gestellt. Hintergrund ist die Übernahme des Ölkonzerns Bashneft durch Sistema vor fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass dabei illegale Machenschaften eine Rolle spielten und Jewtuschenkow daran beteiligt war.

Zuletzt war spekuliert worden, dass Russlands staatlich kontrollierter Ölriese Rosneft, dessen Chef Igor Setschin als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin gilt, Interesse an Bashneft hat. Sistema wies die Anschuldigungen gegen Jewtuschenkow als substanzlos zurück.

Ein einflussreicher Unternehmerverband kritisierte den Hausarrest als politisch motiviert und verglich die Angelegenheit mit dem Fall des Regierungskritikers und früheren Chefs des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski. Er saß jahrelang in Haft. Seine Festnahme hatte das Vertrauen internationaler Anleger in Russland untergraben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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