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12.12.2006 
Atommacht Israel

Olmerts nuklearer Versprecher

Dass Israel seit Jahrzehnten im Besitz von Atomwaffen ist, gilt spätestens seit den Enthüllungen des Nukleartechnikers Mordechai Vanunu 1986 als ausgemacht. Offen zugegeben hat das Land dies jedoch nie. Nun hat sich Ministerpräsident Ehud Olmert jedoch verplappert - und Israel steht Kopf.

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert. Foto: apLupe

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert. Foto: ap

HB JERUSALEM. Olmerts folgenschwere Worte fielen in einem Interview mit dem deutschen Fernsehsender Sat 1, das dieser am Montag ausstrahlte. In dem Gespräch wurde der israelische Premier gefragt, ob Israels Atomwaffenarsenal die Bemühungen des Westens nicht abträglich sei, den Iran am Besitz von Nuklearwaffen zu hindern. Olmerts Antwort: „Israel ist eine Demokratie und bedroht niemanden ... Iran droht hingegen offen und öffentlich damit, Israel von der Landkarte zu tilgen. Kann man dies gleichsetzen, wenn sie [die Iraner] nach Atomwaffen streben wie die USA, Frankreich, Israel und Russland?“.

Unmittelbar danach versuchte Olmerts Sprecherin Miri Eisen, die Äußerung zu relativieren. Der Ministerpräsident habe nicht sagen wollen, dass Israel Atomwaffen besitze oder danach strebe, in ihren Besitz zu kommen. „Nein, er hat so etwas nicht gesagt“, sagte sie. Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Mark Regew, ergänzte, Olmert wollte die vier Länder mit der Äußerung als Demokratien in Gegensatz zum Iran stellen. Er habe sich dabei nicht auf deren mögliche Atomkapazitäten oder Bestrebungen bezogen.

„Politik der nuklearen Zweideutigkeit“

Bisher hat kein israelischer Regierungschef öffentlich zugegeben, dass das Land Atomwaffen besitzt, obwohl das Land wahrscheinlich seit den 60-er Jahren wahrscheinlich hunderte atomare Sprengsätze hergestellt hat. Diese Haltung ist als „Politik der nuklearen Zweideutigkeit“ bekannt. Israelische Kommentatoren werteten die Aussage Olmerts als eine Bestätigung für ein israelisches Atomwaffenarsenal.

Olmerts Äußerung löste in der israelischen Öffentlichkeit einen Sturm aus. Aus der konservativen Likud-Partei, die im Parlament die stärkste Fraktion stellt, an der Regierung aber nicht beteiligt ist, wurde Olmerts Rücktritt verlangt. Der Likud-Abgeordnete Yuval Steinitz bezeichnete Olmerts Äußerung als „einen weiteren problematischen Versprecher in Verteidigungsfragen“. Ein Ministerpräsident, der nicht in der Lage sei, seine Erklärungen zu sensiblen Bereichen zu steuern, müsse zurücktreten. Bereits der designierte US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte bei seiner Senats-Anhörung in der vergangenen Woche Aufsehen mit der Feststellung ausgelöst, Israel sei eine Nuklearmacht.

Israels Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, reagierte auf die Olmert-Äußerung wie zahlreiche israelische Politiker vor ihm: Er verwies darauf, dass sich Israels Haltung zu Nuklearwaffen seit Jahrzehnten nicht geändert habe. Das Land werde nicht der erste Staat im Nahen Osten sein, der Atomwaffen einsetzen wird. „Mehr habe ich zu diesem Thema nicht hinzuzufügen“, sagte Stein.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was über Israels Atomwaffenarsenal vermutet wird

Der israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu nach seiner Freilassung 2004. Foto: apLupe

Der israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu nach seiner Freilassung 2004. Foto: ap

Israel hatte Ende der 50-er Jahre in der Negev-Wüste in der Nähe der Stadt Dimona eine Nuklearforschungsanlage aufgebaut, zu der ein mit französischer Hilfe errichteter Kernreaktor gehört. Offiziell sollte der Meiler als Energiequelle unter anderem für eine Meerwasserentsalzungsanlage dienen. Experten kamen jedoch zu dem Schluss, dass der Reaktor waffenfähiges Plutonium erzeugen sollte. Wahrscheinlich hat Israel seit Ende der 60-er Jahre Atomwaffen einsatzbereit.

Ins Licht der Öffentlichkeit kam das israelische Nuklearprogramm 1986: Der Nukleartechniker Vanunu, der neun Jahre lang in Dimona gearbeitet hatte und dort ein Jahr zuvor entlassen worden war, hatte während seiner Arbeit Fotos gemacht und seine Informationen der britischen Sunday Times angeboten, die darüber auch berichtete. Experten identifizierten die Aufnahmen später als echt; Vanunu hatte einen Teil der Anlage abgelichtet, in dem Nuklearminen zusammengebaut wurden.

Vanunu wurde von Israel in Rom entführt, damit er nicht weiter plaudern konnte, und zu 18 Jahren Haft verurteilt. Seit 2004 ist er wieder frei.

Um die Jahrtausendwende kam noch einmal eine Diskussion um das nukleare Arsenal Israels auf: Deutsche Werften lieferten drei hochmoderne U-Boote an die Marine des Landes, deren Torpedorohre atomar bestückbare Marschflugkörper abfeuern können. Ob Israel die U-Boote tatsächlich mit solchen Waffen ausgerüstet hat, ist offen. Zudem wird vermutet, dass Israel seine Jericho-Kurz- und Mittelstreckenraketen mit Nuklearsprengköpfen bestücken kann und Kampfjets für den Abschuss von Atombomben ausgerüstet sind.

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