OMV legt Rekordergebnis vor
Sinkende Steuerlast in Österreich lässt Betriebsgewinne sprudeln

Die Unternehmen in Österreich profitieren von der Senkung der Körperschaftssteuer zu Beginn dieses Jahres. Während in Deutschland die Umsetzung eines entsprechenden Projektes durch die vorgezogene Bundestagswahl ungewiss ist, hatte die österreichische Regierung zum 1. Januar den Körperschaftsteuersatz von 34 auf 25 Prozent gesenkt.

WIEN. Die jetzt veröffentlichten Quartalszahlen der börsennotierten Firmen zeigen, dass sich der Schritt trotz österreichischer Besonderheiten – wie einer Lohnsummensteuer – günstig auf die Ergebnisse auswirkt. Der größte Energieversorger in Mitteleuropa, die OMV, hat am Mittwoch ein Resultat vorgelegt, das bei Analysten einhellig auf Gegenliebe stieß. Das Vorsteuerergebnis stieg um 224 Prozent auf 427 Mill. Euro.

Ursache für diesen Erfolg waren natürlich erst einmal der hohe Ölpreis und die Großakquisition Petrom. Aber auch die im Vergleich zur Vorjahresperiode um zehn Prozentpunkte auf 23 Prozent gesunkene Steuerquote des Konzerns trieb das Ergebnis nach oben, wie Konzernchef Wolfgang Ruttenstorfer erläutert. Allerdings: Die Senkung der Steuerlast verdanke die OMV nicht nur dem österreichischen Gesetzgeber, räumt er ein, sondern auch günstigen Steuersätzen in Osteuropa.

Ähnlich wie der OMV ergeht es dem größten Telekommunikationsanbieter des Landes, der Telekom Austria. Auch sie profitiert von der sinkenden Steuerlast im eigenen Land und niedrigeren Steuern bei Neuerwerbungen im Osten. Die Steuerbelastung des Unternehmens sank von 35,1 auf 24,2 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres. Der Stahlverarbeiter Voestalpine rechnet ebenfalls mit sinkenden Steuern in diesem Jahr: Die Quote soll nach Angaben eines Sprechers von bisher 32,6 auf nun 23,6 sinken.

Die Unternehmenszahlen bestätigen die Einschätzung des Finanzministeriums in Wien, dass künftig von einer effektiven Steuerbelastung von rund 22 Prozent ausgeht.

Doch Kritiker der Steuersenkung, wie die Steuerexperten der Arbeiterkammer Oberösterreich, haben selber einmal nachgerechnet. Sie sagen, dass zahlreiche Aktiengesellschaften in Österreich schon vor der Steuerreform einen niedrigeren Steuersatz zahlten als eigentlich vermutet. Eine Studie der Arbeiterkammer kam zu dem Schluss, dass 35 Prozent der großen Aktiengesellschaften und GmbHs schon vor der Reform null bis maximal zehn Prozent Körperschaftssteuer vom Gewinn zahlten.

Die Diskrepanz zwischen hohem Gewinn und niedriger Steuerlast erkläre sich, weil Gewinn nicht gleich Steuerbemessungsgrundlage sei. So kann der ausgewiesene Gewinn etwa durch Verlagerung auf Konzernfirmen in Niedrigsteuerländer, durch konzerninterne Verrechnungspreise, Zinszahlungen oder Konzernumlagen gemindert werden. Die Körperschaftssteuer sei längst zu einer „Beliebigkeitssteuer“ verkommen, lautete die Kritik der Arbeiterkammer.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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