Opec muss sparen
Öl-Kartell setzt den Rotstift an

Einige Opec-Länder haben wegen des niedrigen Ölpreises ihre Mitgliedsbeiträge nicht gezahlt. Das Öl-Kartell muss beim Personal und den Reisekosten auf die Kostenbremse treten. Jetzt soll Indonesien einspringen.

WienDas Öl-Kartell OPEC macht eine neue Erfahrung. Die in Wien ansässige Organisation erdölfördernder Staaten muss massiv sparen, denn einige Mitglieder haben ihren Mitgliedsbeitrag nicht gezahlt. Das bestätigten Insider dem Handelsblatt in Wien. Die Opec drückt bei den Reisekosten, aber auch bei Neueinstellungen und Fortbildungsmaßnahmen. Ein Opec-Sprecher wollte am Mittwoch zu der Finanzsituation und den Folgen auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Der Grund für den Rotstift liegt auf der Hand. Der seit Monaten ausgesprochen niedrige Ölpreis bringt manche der ärmeren Staaten in Finanznöte. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ beträgt der Mitgliedsbeitrag 2,4 Millionen Dollar im Jahr. „Wir sind wie eine Ölfirma“, zitierte das amerikanische Blatt einen OPEC-Mitarbeiter. Am Mittwoch endete eine interne Strategiesitzung, um eine Strategie angesichts der angespannten Finanzsituation zu entwickeln. Die Ölmultis reagieren auf den Ölpreisverfall mit massiven Sparprogrammen und Stellenkürzungen.

Die OPEC wurde vor 45 Jahren in Bagdad gegründet und hat seit 1965 ihren Sitz in Wien. Vor fünf Jahren bezog sie ihr neues Bürogebäude gegenüber der Wiener Börse und neben der EU-Kommission. Der vom Generalsekretär Abdalla Salem El-Badri geleiteten Organisation gehören Algerien, Angola, Ecuador, Iran, Irak, Kuwait, Libyen, Nigeria, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela an.

Derzeit laufen Gespräche mit Indonesien über die Wiederbelebung der Mitgliedschaft. Das südostasiatische Land könnte der Repräsentanz des Öl-Kartells in der Donaumetropole finanziell aus der Patsche helfen. Nach Angaben der OPEC wird der indonesische Energieminister Sudirman Said zur nächsten OPEC-Konferenz Anfang Dezember in Wien eingeladen. Dies wird Formalitäten einschließen, um die Mitgliedschaft Indonesiens zu reaktivieren. Indonesien war von 1962 bis 2009 Mitglied der OPEC.

Der Ölpreis leidet derzeit unter einem massiven Überangebot von täglich rund 1,4 Millionen Barrel. Mittels Fracking und anderer Bohrmethoden holen US-Firmen viel Öl aus Schiefersteinvorkommen und der Tiefsee. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Preisentwicklung ist der Iran, nachdem ein Atomkompromiss gefunden wurde. Iran als ehemals zweitgrößter Rohöllieferant im Ölförder-Kartell will mit dem Ende der Sanktionen wieder eine stärkere Rolle innerhalb der OPEC spielen.

Ein kleines Trostpflaster für die klamme OPEC-Organisation gibt es aber. Wegen des starken Dollars stieg der Preis für die Ölsorte Brent erstmals seit Mitte Oktober wieder. Das verbessert die Zahlungsmoral der OPEC-Mitglieder. Nach Einschätzung der Energieanalysten der Commerzbank waren dafür „unplanmäßige Produktionsausfälle“ der Auslöser. Seit dem Wochenende streiken in Brasilien Arbeiter des staatlichen Ölunternehmens Petrobras. Deshalb wird in dem Nicht-OPEC-Land eine halbe Million Barrel pro Tag weniger gefördert.

Doch das eine ist die Angebotsseite, das andere die Nachfrage. So lässt etwa die schwächere Konjunktur in China den Verbrauch sinken. Wirtschaftlich schwächere Opec-Länder wie Venezuela, Ecuador, Nigeria oder Angola verlangen bislang vergeblich höhere Förderpreise. Denn die OPEC-Schwergewichte wie Saudi-Arabien und die Golfstaaten haben daran derzeit kein Interesse. Sie wollen ihre Marktanteile gegen die nordamerikanischen Schieferölproduzenten verteidigen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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